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Protestantische Hinterglasbilder aus Kaufbeuren

Diese Sammlung ist ein Bestand des Stadtmuseums Kaufbeuren.

Das Stadtmuseum Kaufbeuren besitzt eine außergewöhnliche Sammlung von knapp 80 Hinterglasbildern, die eine protestantische Ikonografie aufweisen. Der Großteil der Bilder entstand zwischen 1740 und 1790 in der bikonfessionellen Reichsstadt Kaufbeuren. Einige wenige Bilder lassen sich in die Jahre um 1817 datieren und stehen im Zusammenhang mit dem 300-jährigen Jubiläum der Veröffentlichung von Luthers Thesen.

Anstelle von Heiligenbildern oder Landschaftsszenen findet man in Kaufbeuren Bildnisse des Reformators Martin Luther (1483-1546) und Porträts weltlicher Herrscher, die sich zum Protestantismus bekannt haben, wie der schwedische König Gustav Adolf (1594-1632) oder der Preußenkönig Friedrich der Große (1712-1786). Darüber hinaus wurden religionspolitische Ereignisse wie die Übergabe der Confessio Augustana ebenso auf Glas gebannt wie lokale Jubiläumsfeiern. Neben diesen spezifisch protestantischen Motiven entstanden Hinterglasbilder zu biblischen Szenen, einige wenige profane Darstellungen sowie sogenannte Spruchbilder. Diese Haussegen und Hochzeitserinnerungen dienten als beliebter Wandschmuck in protestantischen Kaufbeurer Familien. In vielen Kaufbeurer Hinterglasbildern spielen Inschriften und Spruchbänder eine wichtige Rolle, was auf die besondere Stellung des Wortes im protestantischen Glauben zurückgeführt werden kann.

Vier der Hinterglasmaler lassen sich archivalisch als Kaufbeurer Bürger nachweisen. Weitere zwei Signaturen sind bislang nicht eindeutig zu identifizieren. Zu den produktivsten Malern zählten Johann Jakob Rumpelt (1706-1782) sowie Johann Matthäus Bauhoff (1716-1788). Alle Hinterglasmaler sind diesem Kunsthandwerk im Unterschied zu ihren Kollegen andernorts ausschließlich im Nebenerwerb nachgegangen. Die Kaufbeurer Hinterglasmalerei unterscheidet sich damit grundlegend von anderen Produktionszentren im Süddeutschland des 18. Jahrhunderts wie Raimundsreut, Seehausen, Murnau, Oberammergau oder Augsburg.

Protestantische Hinterglasbilder sind noch heute in alteingesessenen Kaufbeurer Familien vorhanden bzw. haben sich in den Museen ehemals protestantischer Reichsstädte wie z.B. Augsburg, Kempten, Memmingen und Lindau erhalten. Im Unterschied zu Hinterglasbildern mit katholischen und profanen Bildmotiven sind Glastafeln mit protestantischer Ikonografie, wie sie in Kaufbeuren hergestellt wurden, eine Besonderheit. Insgesamt gibt es nur wenige solcher Bilder: Neben den Tafeln des Stadtmuseums Kaufbeuren sind noch 61 weitere Bilder aus anderen Museen und Sammlungen bekannt.