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Nachlass August Graf von Platen-Hallermünde (1796-1835) - Plateniana

Dieser Nachlass gehört zu der Sammlung "Nachlässe" aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek.

August Graf von Platen-Hallermünde (1796–1835) war ein deutscher Dichter, der dem alten pommerschen Adelsgeschlecht derer von Platen entstammte. In Ansbach aufgewachsen, trat er 1806 als Zögling in das Münchner Kadettenhaus des Bayerischen Kadettenkorps ein und wechselte 1810 in die Königliche Pagerie.

Sein Interesse galt neben Fremdsprachen und der Geschichte auch der eigenen literarischen Entfaltung. Zeitlich fiel seine Entscheidung, 1813 in den Militärdienst einzutreten, etwa mit seiner Bewusstwerdung der eigenen homosexuellen Orientierung zusammen, die entscheidenden Einfluss auf sein dichterisches Schaffen ausüben sollte. Der Erhalt eines königlichen Stipendiums im Frühjahr 1818 ermöglichte ihm ein Studium der Rechtswissenschaften in Würzburg, für das er auf drei Jahre vom Militärdienst beurlaubt wurde. Mit seinem Wechsel an die Universität Erlangen im Oktober 1819 gab Platen sein bisheriges Studienfach auf und widmete sich fortan der Poesie.

Die siebenjährige Erlanger Zeit gilt als dichterisch fruchtbarste Periode in Platens Leben. Er wandte sich der persischen Sprache und Literatur zu und veröffentlichte 1821 Ghaselen und 1823 Neue Ghaselen. Im Sommer 1826 erhielt Platen von der Militärbehörde die Erlaubnis zu einem zweijährigen Studienaufenthalt in Italien. Als infolge einer Auseinandersetzung mit Heinrich Heine 1827 Platens Homosexualität publik geworden war, kehrte dieser nicht mehr dauerhaft aus seinem italienischen Exil zurück. Auf der Flucht vor der Cholera reiste Platen über Palermo und Sizilien nach Syrakus, wo er am 5. Dezember 1835 vermutlich an einer Kolik plötzlich stirbt.

Der hier vollständig digitalisierte Nachlass umfasst 97 Einheiten (zumeist gebundene Manuskripte, aber auch viele Briefkonvolute) und spiegelt sein gesamtes Schaffen von den Jugendwerken bis hin zu den letzten autobiographischen Aufzeichnungen kurz vor seinem frühen Tod mit 39 Jahren wider. Neben lyrischen Werken finden sich im Nachlass, der im Jahr 1870 von der Bayerischen Staatsbibliothek erworben wurde, auch dramatische Dichtungen, geschichtswissenschaftliche Studien, zahlreiche Übersetzungen, umfangreiche Briefwechsel sowie ein jahrelang geführtes Tagebuch (Plateniana 48, Memorandum meines Lebens).