Urkunde, 1373 Februar 6

Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg

Beschreibung

Die Richter des Stifts Aschaffenburg beurkunden: Vor ihnen haben der Stiftsscholaster Burkhard Brendel und die Stiftsvikare Johann Bruch und Giso [Haxspor] von Blofeld (Blafelt) als Testamentsvollstrecker des verstorbenen Stiftsvikars Konrad Bieger (Byger) in Ausführung von dessen letztwilligen Verfügungen vor dem St. Michaelsaltar im Beinhaus des Friedhofes der Pfarrkirche St. Marien in Aschaffenburg eine ständige Vikarie errichtet. Sie haben der Vikarie vor den als Zeugen anwesenden Stiftsvikaren Konrad Eberhard, Nikolaus und Heinrich Pistor die vom Testamentar zum Unterhalt ihres jeweiligen Inhabers bestimmten Güter und Einkünfte übereignet und alle Rechte daran dem Stiftsdekan Franz [von Amöneburg] und dem Kapitel des Stifts Aschaffenburg als Inhaber des Patronatsrechts für die Pfarrkirche St. Marien übertragen. Diese haben ihre Zustimmung zur Errichtung der Vikarie ebenso erteilt wie der Pfarrer an St. Marien Hartmann von Bergen. Die Testamentsvollstrecker präsentieren daraufhin den Richtern Hermann Starke als ersten Inhaber der Vikarie. Diese investieren ihn in Stellvertretung des Stiftspropstes Nikolaus vom Stein und setzen ihn in den Besitz der Vikarie. Der Vikar hat wöchentlich vier Messen an dem Altar zu lesen: am Montag für alle Verstorbenen, am Mittwoch zu Ehren der heiligen Anna, am Freitag zu Ehren des Heiligen Kreuzes und am Samstag zu Ehren der Jungfrau Maria. Außerdem hat der Vikar dem Pfarrer von St. Marien an den folgenden Festen beim Gottesdienst zu assistieren: am Patronatsfest, am Kirchweihfest, an den vier Hochfesten Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Mariä Himmelfahrt, an allen Festen, die im Stift mit Glockengeläut gefeiert werden, und an allen Fastensonntagen, insbesondere am Palmsonntag und während der gesamten Karwoche. Alle bei den Messen des Vikars am St. Michaelsaltar anfallenden Opfergaben hat er mit dem Pfarrer von St. Marien zu teilen. An Stiftungen, die vor der Errichtung der Vikarie dem Pfarrer und seinen Gehilfen gemacht wurden, hat der Vikar keinen Anteil, es sei denn, der Pfarrer gesteht ihm einen solchen zu. Das Kollationsrecht für die Vikarie steht künftig gemäß dem letzten Willen des Testamentars Dekan und Kapitel des Stifts Aschaffenburg zu.Die für die Vikarie gestifteten Güter und Einkünfte:- Eine Gült von 2 Malter Roggen entrichten Konrad, der Sohn der Wysen, und seine Ehefrau Lukardis von Ringenheim (Ryngenheim). Diese Gült erhält allerdings zunächst die vormalige Äbtissin des Klosters Schmerlenbach (Zwerlinbach) Elisabeth [von Landecken] von Mainz auf Lebenszeit.- 2 Malter Roggen geben Berthold Schuhwert von Sulzbach (Solczpach) und seine Ehefrau Gerhus.- 0,5 Malter Roggen gibt Konrad Strube von Sulzbach.- 1 Malter Roggen gibt Heinrich Heidenberger von Schweinheim (Indago) von 60 Joch Äckern dort.- 1 Malter Roggen geben Siegfried Kratz von Damm (Dammis) und seine Ehefrau Jutta von 9 Joch Acker in Steinbach genannt Reinhartsacker, anstoßend an Äcker des Johann Quittenbaum (Quidenbom).- 3,5 Sumer Roggen gibt Konrad Bodel zu Schweinheim von 60 Joch Acker dort.- 1 Malter Roggen gibt Heinrich Maser von Hösbach (Hostebach Maior) von 5 Joch Acker am Grafenberg (Grawenberge).- 1 Malter Roggen geben Nikolaus von Breunsberg (Bru/o/nsberg) und seine Ehefrau Adelheid, geborene Voit (Feu/o/d), sowie Gela Voit von Hösbach.- 4 Malter Roggen gibt Konrad Rad von Seligenstadt (Selginstad) von seinem Hof in Dettingen (Dettingin).- In Kleinostheim (Ossinheim) geben Berthold, der Sohn des Heilmann Piscator, und seine Ehefrau Mechthild (Meccza), geborene Bertel, 1 Malter Roggen sowie Liutgard (Luka) Munkel und die Erben des Peter Munkel ebenfalls 1 Malter Roggen.- Konrad Faut gibt 1,5 Malter Roggen von einer Hufe ebendort.- Konrad Bertel von Kleinostheim gibt 2 Malter Roggen.- Konrad Helferich gibt 5 Sumer Roggen.- 2 Malter Roggen und 1 Fastnachtshuhn gibt Konrad Wic von der Holzmühle.- Heinrich Otdilie gibt 4 Schilling Heller von seinem Garten [in Aschaffenburg] auf dem Dingstall (Dyngstulen).- 3 Schilling gibt Siegfried, Altarist am St. Johannesaltar in der Pfarrkirche St. Agatha [zu Aschaffenburg], von dem großen Garten in der Dachgrube.- 1 Pfund Heller und 1 Fastnachtshuhn geben Sibold Spitznagel (Spicznail) und seine Ehefrau Mechthild von ihrem gesamten Besitz.- 5 Schilling gibt Johann Bender von seinem Garten [in Aschaffenburg] in der Fischergasse (in vico piscatorum).- 5 Schilling geben Dietrich Schieser (Schyszer) und seine Ehefrau Adelheid von einem Haus [in Aschaffenburg], das vormals Konrad Cerdo gehörte.- 15 Schilling und 2 Fastnachtshühner gibt Hilla Zik (Czigkinnen) von ihrem gesamten Besitz.- 12,5 Schilling geben Hermann Durse und seine Ehefrau Mechthild.- 10 Schilling und 1 Fastnachtshuhn geben Johann Schieser (Schyßer) und seine Ehefrau Adelheid von der Scheune [in Aschaffenburg] neben dem Haus des Eberhard Faber.- 5 Schilling und 2 Fastnachtshühner geben Heinrich Nithard und seine Ehefrau Liutgard von dem Haus der Seiler bei der unteren Badestube [in Aschaffenburg] sowie 11 Schilling von einem benachbarten Haus.- 12 Schilling und 1 Fastnachtshuhn geben Heinrich Cerdo, der Sohn der Baren, und seine Ehefrau Adelheid sowie weitere 12 Schilling von 2 Häusern im Graben (in fossato) [in Aschaffenburg].- 27 Köpflein (coppin) und 1 Fastnachtshuhn geben Erwin, der Sohn des langen Johann Faber, und seine Ehefrau Katharina, geborene Retz (Reczchin).- 5 Schilling geben Berthold Wildegans und seine Gattin Gertrud (Gecza) von dem Garten [in Aschaffenburg] im Sand (arena) bei dem Weiher, der vormals Heinrich Schrenk gehörte.- 3 Schilling geben Friedrich Folkenant und seine Ehefrau Adelheid von ihrem Haus [in Aschaffenburg] sowie 2 Schilling und 2 Sommerhühner von Gärten im Sand neben dem Garten des Friedrich Schutmar.- 2 Schilling geben Heinrich Bessenbecher und seine Ehefrau Mechthild von dem Weinberg auf dem Eyhes [in Aschaffenburg] neben dem Weinberg des Schöffen Erwin.- 10 Schilling gibt Adelheid Rennewolf von dem neuen Haus [in Aschaffenburg] neben dem Haus der Hodern, das vormals Agnes Schwarz (Swerczen) gehörte.- 1 Pfund geben Hedwig Zimmermann und Giso der Kerner von dem neuen Haus [in Aschaffenburg] neben dem Rabenoldsbrunnen (Rabinnoldisbu/o/rn).- 27 Heller gibt Adelheid, die Witwe des Friedrich Bodel.- 14 Schilling geben Johann Hurthe und seine Ehefrau Liutgard von einem Acker [in Aschaffenburg] in der Glattbach (Gladebach).- 1 Schilling gibt die Witwe des Johann (Henlinus) Hartheimer von 1 Joch Acker [in Aschaffenburg] auf dem Heydinberge.- 2 Schilling gibt Heinrich Kluppel von 2 Häusern, Hofstätten und Garten [in Aschaffenburg] im Herstall neben Dietrich Hellekrappe.- 12 Schilling gibt Johann (Henchin) Kursener von Haus und Garten [in Aschaffenburg], die vormals Friedrich Walsteder gehörten.- 7,5 Schilling geben Konrad Pfeifer (Phyfer) und seine Ehefrau Agnes von Haus und Garten [in Aschaffenburg], die vormals Friedrich Walsteder gehörten.- 3 Schilling und 3 Heller sowie 1 Fastnachtshuhn geben Johann Stampf und seine Ehefrau Adelheid von einem Acker [in Aschaffenburg] im Herstall.- Johannes Spiz gibt 18 Köpflein (coppin) von Haus und Hofstatt [in Aschaffenburg] neben dem Haus der verstorbenen Elisabeth von Bleichenbach sowie 2 Schilling und 1 Fastnachtshuhn von seinem Garten an der Wermbach.- 6 Schilling und 1 Fastnachtshuhn geben Peter Bly und seine Ehefrau Kunigunde von Haus, Hofstatt und Garten auf dem Katzenmarkt (Kaczenmarthe) [in Aschaffenburg] sowie 3,5 Schilling von 0,5 Joch Weinberg am Rodewasser neben den Weinbergen des Ritters Herdan.- 3,5 Schilling geben Hermann Forsten und seine Ehefrau Liutgard von dem Baumgarten [in Aschaffenburg] in der Ramsbach.- 1 Pfund Heller und 3 Fastnachtshühner geben Herchin Meyse und seine Ehefrau Jutta (Gu/o/da) von ihrem gesamten Besitz sowie 1 Fastnachtshuhn von dem Haus der Schuntern bei seinem Besitz.- 4 Schilling geben Johann von Wenigumstadt (Omstad Minor), gesessen zu Aschaffenburg, und seine Ehefrau Jutta, geborene Kluppel, von dem Weinberg am Pfaffenberg genannt der Bu/o/rnbecher.- 2 Schilling geben Heinrich, der Sohn des Konrad Kluppel, und seine Ehefrau Elisabeth von demselben Weinberg.- 2 Schilling gibt Konrad Wilhelm von demselben Weinberg.- Johann Mendewin gibt 1 Fastnachtshuhn.- Dietrich Sackträger gibt 1 Fastnachtshuhn.- 10 Pfund Unschlitt gibt Hermann Sartor, der Schwiegersohn des German Sartor, von seinem ganzen Besitz.- 3 Pfund Unschlitt gibt Agnes Schreck von ihrem Haus [in Aschaffenburg].- 4,5 Joch Weinberg [in Aschaffenburg] am Pfaffenberg an dem Goldstein.- Haus, Scheune, Garten und Hofstatt bei der Pfarrkirche St. Agatha [in Aschaffenburg] neben dem Haus des Vizedom.- 1 Haus bei der Pfarrkirche St. Marien [in Aschaffenburg] gegenüber dem Haus des Anze.- 1 vergoldeter Silberkelch, ein Brevier, 1 Missale, 1 Kasel und 2 Alben mit Zubehör.Damit dem Pfarrer von St. Marien Hartmann [von Bergen] und seinen Nachfolgern durch die Errichtung der Vikarie keine Lasten entstehen, übertragen ihm die Testamentsvollstrecker eine Gült von 1 Malter Roggen. Diese entrichtet Johannes Wirich von dem Sedelhof in Goldbach (Goltpach) bei der Pfarrkirche, von der Hufe des Gernod Blome und den zugehörigen Äckern und Wiesen.