Beschreibung
Für ihre Meisterprüfung mussten die Nürnberger Steinmetze neben Zeichnungen auch ein Gewölbemodell eines gotischen Kirchenchors anfertigen. Das Meisterstück von Hans Heiß zählt zu den ältesten erhaltenen Exemplaren. Es handelt sich dabei nicht um ein detailgenaues, maßstabgerechtes Baumodell im heutigen Sinn, sondern um eine räumliche Darstellung des Rippensystems, das sich aus Grundriss und Bogenaustragung ergibt.
Der Grundriss des achteckigen Chors ist in die Grundplatte eingeritzt. Die Herkunft der im Modell dargestellten "Nürnberger Gewölbeform" lässt sich im Bereich der deutschen Bauhütten bis zu Peter Parlers 1385 geweihtem Chor des Veits-Doms in Prag zurückverfolgen. In der süddeutschen Steinmetzlehre wurde bis weit ins 18. Jahrhundert hinein an der spätgotischen Handwerkspraxis festgehalten.
Das Modell wurde 1973 vom Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg der Architektursammlung im Tausch gegen Archivalien übergeben.