Pädagogische Akademie Bonn, Umbau und Erweiterung als Sitz für Bundestag und Bundesrat: Plenarsaal (Ansicht)

Architekturmuseum der Technischen Universität München

Beschreibung

Im Oktober 1948 stellte die Stadt Bonn das Gebäude der Pädagogischen Akademie, erbaut 1930 von Martin Witte (1896-1930), dem Parlamentarischen Rat als Sitz für den Bundestag und Bundesrat zur Verfügung. Mit der Umgestaltung und dem Bau des Plenarsaals wurde Hans Schwippert (1899-1973) beauftragt. Die Arbeiten mussten unter großem Zeitdruck erfüllt werden, da die Einweihung des Bundeshauses bereits für September 1949 vorgesehen war. Planung und Ausführung liefen daher zeitweilig parallel. Von diesen turbulenten Gründungstagen des bundesdeutschen Parlaments zeugen die Vorentwürfe zum Plenarsaal.

Geprägt war Schwipperts Zeichenstil seit den 20er Jahren durch die expressive Darstellungstechnik Erich Mendelsohns (1887-1953), in dessen Büro Schwippert in Berlin gearbeitet hatte. Unter dem Einfluss des Neuen Bauens und der Bauhaus-Moderne hatte sich in den folgenden Jahren jedoch sein Zeichenstil versachlicht.

Bei den Vorentwürfen zum Plenarsaal tritt noch einmal die Verve der 20er Jahre zu Tage. Der scharfkantige Würfel des Gebäudes, der zur Rheinseite durch eine raumhohe Glaswand als Zeichen transparenter Demokratie geöffnet ist, steht im Kontrast zu der von Schwippert geplanten kreisrunden Bestuhlung der Abgeordneten-Arena. Konrad Adenauer lehnte diese kreisförmige Anordnung des Parlaments ab, es entstand eine Bestuhlung in der Art einer Schulklasse, bei der die Sitzreihen der Regierung den Abgeordneten erhöht gegenüberstehen. Nach dem Abriss des Plenarsaals wurde diese Raumidee beim Nachfolgebauwerk von Günter Behnisch wieder aufgenommen.