Lederschuhe und Holzgefäße mit Rekonstruktionen aus einem Brunnen

Archäologische Staatssammlung

Beschreibung

Just im Gebäude der Regierung von Oberfranken in Bayreuth wurde ein spätmittelalterlicher Brunnen entdeckt. Er lag wohl einst in einem Hinterhof nahe der Stadtmauer. Die Holzanalyse des Brunnenkastens ergab eine Entstehungszeit um 1340. Ab 1352 wurde er mit entsorgtem Material zugeschüttet. Im Schacht fanden sich massenhaft Tongefäße, Leder- und Holzobjekte. Durch die exakte Datierung des Holzbrunnens bilden diese Funde wichtige Fixpunkte für Vergleichsstücke aus ganz Bayern. Die Keramik umfasst regionale, aber auch einige importierte Stücke: Kochtöpfe mit Deckel, Henkelkannen, Becher und Kacheln von Öfen, welche damals nur die Oberschicht in ihren Häusern stehen hatte. Die Feuchtigkeit im Brunnen bot gute Erhaltungsbedingungen für organisches Material. Unter den zahlreichen Holzfunden überwiegen achteckige Schalen aus weichem Laubholz. Bevor sich um 1500 Geschirr aus Glas und Metall an der Tafel durchsetzte, waren hölzernen Schalen über Jahrhunderte hinweg nahezu unverändert das Tischgeschirr. Ausgesprochen selten überliefert sind die sogenannten Scheuern: Die hölzernen Pokale dienten den Zünften oder Stadträten als Trinkgefäße in festlichem Rahmen oder waren Präsente für besondere Anlässe. Im Brunnenschacht haben sich auch Reste von insgesamt 13 Lederschuhen und einer ledernen Gürteltasche erhalten. Am auffälligsten sind die vielen Schnabelschuhe. Die Länge der Schnäbel variiert stark – von den längsten leitet sich der Spruch ab: »Auf großem Fuß leben«.

Autor

Archäologische Staatssammlung München

Rechtehinweis Beschreibung

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