Das Marien-Gnadenbild von Egern am Tegernsee, Kupferstich, um 1706; moderner Abzug von der Originalplatte
Beschreibung
In der vom Benediktinerkloster Tegernsee betreuten Pfarrkirche St. Laurentius in Egern entstand 1647 eine Wallfahrt. Ihr Ziel war eine spätmittelalterliche Schnitzfigur Marias mit dem Jesuskind. In der für Bayern bedrückenden Endphase des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wandten sich viele Menschen aus Nah und Fern hier an die Gottesmutter. 1648 wurde vom Pfarrer die erste Gebetserhörung niedergeschrieben. Damit begann eine Reihe von "Mirakelbüchern", in denen bis zur Säkularisation rund 5.000 Gebetserhörungen aufgezeichnet wurden.
Als frommes Andenken für die zahlreichen Wallfahrer und als Möglichkeit, auch zu Hause das Gebet angesichts des Gnadenbildes von Egern zu verrichten, entstanden im Verlauf der Wallfahrtsgeschichte vier Kupferstiche. Drei davon zeigen das Gnadenbild über einer Ansicht der direkt am Tegernsee gelegenen Pfarrkirche. Das Marienbild ist dabei bekleidet und gekrönt dargestellt, wie es bis ins 19. Jahrhundert üblich war. Auf dem ältesten, zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstandenen Stich ist das Gnadenbild von Engeln umgeben, die Zettel mit Gebetsanrufungen und Bibelzitaten halten. Die Beschriftung am unteren Rand lautet: "Wunderthetiges Gnaden Bilt, der Trostreichen Mutter Gottes Mariae, Zu Egern in Tegernsee."
Infolge der Aufhebung des Klosters Tegernsee 1803 kam die von ihm betreute Wallfahrt nach Egern weitgehend zum Erliegen.