Schrein der Heiligen Cosmas und Damian in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael, Kupferstich von Johann Michael Söckler, München, 1764/73

Archiv des Erzbistums München und Freising

Beschreibung

Die Heiligen Cosmas und Damian waren nach der Legende Brüder und Ärzte in Kleinasien oder Syrien, die Arme unentgeltlich heilten und viele Menschen zum Christentum bekehrten. In der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian (um 305) seien sie enthauptet worden. Sie gelten als Patrone der Ärzte, Apotheker und Kranken. Im Mittelalter gelangten Teile ihrer Reliquien nach Bremen. Dort wurde um 1400 für sie ein hausförmiger Reliquienschrein gestiftet. Vergoldete Silberplatten, die auf einen Holzkern moniert sind, zeigen in Treibarbeit zahlreiche Heilige. Eine Längsseite ist zu öffnen, um die Reliquien sichtbar zu machen; auf die Innenseiten der Türflügel sind vier Szenen aus der Heiligenlegende gemalt.

1649 konnte der bayerische Kurfürst Maximilian I. (1623-1651) den Schrein um 2.000 Taler erwerben. Im Folgejahr wurde das Behältnis in die Münchner Jesuitenkirche St. Michael überführt und mit den Schädel-Reliquien der beiden Heiligen vereinigt, die schon Maximilians Vater, Herzog Wilhelm V., 1606 aus Bamberg erlangt hatte. Die beiden Fürsten bekundeten damit im Zeitalter der Glaubensspaltung ihre entschieden katholische Haltung. Der Schrein bildete fortan das Hauptobjekt des umfangreichen Reliquienschatzes von St. Michael.

Der Kupferstich zeigt Cosmas und Damian über dem Reliquienschrein mit Attributen ihres ärztlichen Berufs. Die ursprünglichen Schreintüren waren damals offenbar durch Glasscheiben ersetzt worden.