Anhänger auf die Wallfahrt zum Münster zu Unserer Lieben Frau in Donauwörth

Bayerisches Nationalmuseum

Beschreibung

Wallfahrten und Pilgerreisen waren für die meisten Menschen keine alltäglichen Erfahrungen, sondern Ausnahmesituationen. Der Anlass für eine fromme Reise war oft einem besonderen Anliegen geschuldet, etwa, um zu einem Gelübde zu stehen. Dessen Vollzug sorgte für ein Hochgefühl seelischer Erfüllung und konnte zu einer Bestärkung im Glauben führen. Dementsprechend kam nicht nur der Erinnerung an die erfreulichen Erlebnisse unterwegs und am Zielort große Bedeutung zu. Wichtig war den frommen Reisenden zudem das Andenken an ihre Empfindung bei der Betrachtung eines Gnadenbildes. Damit bei zwangsläufig wachsendem zeitlichen Abstand zur Reise nicht alle Erinnerungen daran langsam verblassten, erwarben die Reisenden Wallfahrtsmedaillen zur Vergegenwärtigung des Abwesenden.

Zu den vom hohen Mittelalter bis heute auch überregional bekanntesten Ausstattungsstücken des Klosters Heilig Kreuz in Donauwörth zählt die Anfang des 16. Jahrhunderts entstandene Pietà, die Skulptur der Klage der Muttergottes mit dem vom Kreuz abgenommenen Leichnam Jesu Christi, der auf ihrem Schoß liegt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich dieses Motiv auf zahlreichen Andachtsgegenständen zum persönlichen Gebrauch, den kleinformatigen Devotionalien, befindet, die in Verkaufsständen neben der Klosterkirche von Wallfahrern oder Pilgern erworben werden konnten. Bilder der Donauwörther Pietà verbreiteten sich auf diesem Weg im gesamten katholischen Bayern.