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Die Bibliothek der Fürsten von Oettingen-Wallerstein

Die Bibliothek der Fürsten von Oettingen-Wallerstein ist ein Bestand in der Universitätsbibliothek Augsburg.

Im Jahre 1980 erwarb der Freistaat Bayern die Bibliothek der Fürsten von Oettingen-Wallerstein, die 120.000 überwiegend vor 1850 gedruckte Bände umfasste, und wies sie der Universitätsbibliothek Augsburg zu. Diese Adelsbibliothek reicht wenigstens bis in das 15. Jahrhundert zurück. 1655 erfuhr sie einen bedeutenden Zuwachs von mehr als 1.000 Titeln durch die Bibliothek Marquard Fuggers (1595-1655). Diese Bibliothek schloss die Sammlung des Augsburger Patriziers, Humanisten und Kaufmanns Markus Fugger (1529-1597) mit ein, der in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts eine gelehrte Universalbibliothek aufgebaut hatte.

Graf Ernst II. (1594-1670) vereinigte alle bis dahin innerhalb der Familie Oettingen-Wallerstein vorhandenen Bibliotheken mit seiner eigenen und brachte sie in das Familienfideikommiß ein. Fürst Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein (1748-1802; regierend 1773-1802), sammelte umfassend die wissenschaftliche Literatur seiner Zeit (ca. 10.000 Titel). Bei einem Gesamtbestand von ca. 20.000 Titeln enthielt die fürstliche Bibliothek um 1795 Literatur aus allen Wissensgebieten.

Den größten Zugewinn brachte der Bibliothek 1802/03 die Säkularisation der Benediktinerklöster St. Mang in Füssen, Heilig Kreuz in Donauwörth und Mönchsdeggingen im Ries sowie des Birgittenklosters Maihingen im Ries (seit 1600 Franziskaner) und des Zisterzienserinnenklosters Kirchheim im Ries. Inhaltliche Schwerpunkte dieser Bestände bildeten vor allem Theologie und Kirchengeschichte, Geschichte und ältere Sprachen.

Im Jahr 1812 übernahm Ludwig, der Sohn Kraft Ernsts, die Regierung. Die oettingischen Territorien waren inzwischen mediatisiert und in die Königreiche Bayern und Württemberg eingegliedert. Ludwigs Sammeleifer und sein Bestreben, das Gesammelte in musealer Form auch der Öffentlichkeit darzubieten, erstreckte sich auf die verschiedensten Gebiete, auf Gemälde, Graphik und Münzen ebenso wie auf naturwissenschaftliche Objekte; und selbstverständlich betätigte er sich auch bibliophil: Es gelang ihm, einzelne spektakuläre Handschriften – vor allem Spitzenstücke aus dem Früh- und Hochmittelalter – für seine Bibliothek zu erwerben. 1816 ließ er in Wallerstein 4500 Handschriften und frühe Drucke in gotisierenden Schränken zu einer ‚mittelalterlichen Bibliothek’ zusammenstellen, aber auch ein öffentlich zugängliches ‚Leseinstitut’ einrichten, in dem z. B. zahlreiche Zeitschriften eingesehen werden konnten. Der Versuch, Ludwig Uhland als fürstlichen Bibliothekar zu gewinnen, scheiterte allerdings.

Bei Ludwigs weit ausgreifenden Plänen verwundert es nicht, dass sich 1821 ein Schuldenberg von zwei Millionen Gulden aufgetürmt hatte. 1823 zwang ihn seine Eheschließung mit der Tochter eines fürstlichen Gärtners zur Abdankung, woraufhin er sich dem Staatsdienst zuwandte (u. a. 1831-1837 bayerischer Staatsminister des Inneren). Seine späteren Jahre waren überschattet von Schuldhaft, er starb 1870 im Exil in der Schweiz.

Die fürstliche Bibliothek wurde seit 1816 in Wallerstein, seit 1840 in Maihingen aufbewahrt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs befand sie sich auf Schloss Harburg (Landkreis Donau-Ries).

(Dr. Günter Hägele)

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