Die Nutz- und Lust-erweckende Gsellschafft Der Vertrauten Nachbarn am Isarstrom

Unter dem Titel "Die Nutz- und Lust-erweckende Gsellschafft Der Vertrauten Nachbarn am Isarstrom" erschien 1702-1704 erstmalig eine Zeitschrift in München. Die Zeitschrift hat die Form eines Gesprächsjournals. Jeder der fünf Bände ist in eine Vorrede und sechs Versammlungen gegliedert. Dabei werden die Unterredungen fiktiver Veranstaltungen der Gesellschaft wiedergegeben. In den "Unterredungen" behandeln die fiktiven Erzähler tagespolitische Themen, berichten über Vorgänge in der bayerischen Geschichte oder unterhalten einander mit belehrend-erbaulichen Erzählungen. Auch Bücher werden - mit der klaren Tendenz zur Abwehr unkatholischen Schrifttums - besprochen.

Die Zeitschrift war bayerisch-patriotisch und katholisch ausgerichtet. Eines ihrer Grundanliegen war es, den regierenden Kurfürsten Max Emanuel (reg. 1679-1726) zu verherrlichen. Auch die Decknamen der Mitglieder der Gesellschaft - Maximus Feldzwinger, Ehrenwert von Sigensburg, Emanuel von Heldenmarck - zeigen die panegyrische Grundtendenz des Organs. Die Isar galt dabei als allegorische Verkörperung Bayerns; an ihr sind auch die fiktiven Versammlungsorte der Gesellschaft angesiedelt.

Die Träger der Gesellschaft sind im Umfeld des Münchner Hofes zu vermuten, als dessen Sprachrohr die Zeitschrift zu Beginn des Spanischen Erbfolgekriegs (1701-1715) erscheint. Von den angeblich 20 Mitgliedern sind drei namentlich bekannt, nämlich die Beamten Urban Heckenstaller (gest. 1748), Johann Kandler (1644-1718) und Johann Georg Littich (1681-1717).

Nach dem Ende der Siegesserie Max Emanuels mit der Schlacht von Höchstädt 1704 und der anschließenden Besetzung Bayerns durch kaiserliche Truppen kam das rasche Ende dieser ersten bayerischen Zeitschrift, wobei sich Heckenstaller 1705 aktiv am bayerischen Bauernaufstand beteiligte.

Florian Sepp

>> Diese Sammlung ist ein Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek.