Fragmente aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek

Spricht man von "Fragmenten", so betont diese Bezeichnung die Unabgeschlossenheit dieser Texte: Es handelt sich lediglich um Bruchstücke. Dass ein Text Fragment geblieben oder - weit häufiger - im Laufe der Geschichte zu einem solchen geworden ist, kann unterschiedliche Ursachen haben: Einerseits kann es sich um einen unvollständig überlieferten Text, andererseits um ein ,unabsichtlich' unvollendet gebliebenes Werk oder um eine vom Autor bewusst gewählte literarische Gattung handeln.

Die im Handschriftenbereich mit Abstand häufigste Form der fragmentarischen Überlieferung ist jedoch in der Wiederverwertung einzelner Blätter (in der Regel auf Pergament) für neue Bucheinbände (Deckelbezug, Verklebungen in den Spiegel, Vor- und Nachsatzblätter) begründet. Durch diese Art des "Recyclings" blieben Textteile, oftmals auch mit bedeutender Buchmalerei, zufällig erhalten, die ansonsten der Vernichtung anheim gefallen wären. Fragmente findet man in nahezu allen Sprachen, Textgattungen und Epochen und entsprechend über alle Signaturengruppen hinweg.

Von Überlieferungsverlusten sind vor allem antike und mittelalterliche Texte betroffen. Dies hängt einerseits mit äußeren Einwirkungen (darunter Naturkatastrophen, Schimmel, Wurmfraß, Brände) zusammen, andererseits ist die Überlieferungslage auch den Zeitumständen geschuldet (unter anderem politische Lage, kulturelle Umwälzungen und religiöse Reformen, Krieg). Dass ein Text unvollendet blieb, kann im Einzelfall auch damit zusammenhängen, dass der Autor verstarb, bevor er das Werk abschließen konnte. Die dritte Variante, den Text bewusst nicht zu vollenden, weist das Fragment als ästhetische Kunstform aus, die besonders in der Epoche der Romantik praktiziert wurde.

>> Diese Sammlung ist ein Bestandteil der Bayerischen Staatsbibliothek.

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