Vertreterinnen der Frauenbewegung

Bereits 1865 organisierte sich die erste deutsche Frauenbewegung mit der Gründung des "Allgemeinen Deutschen Frauenvereins" (ADF) durch die beiden Schriftstellerinnen Louise Otto-Peters (1819-1895) und Auguste Schmidt (1833-1902). Sie traten für das Recht auf Bildung und Erwerbstätigkeit für bürgerliche Frauen und Mädchen ein und deren gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben. Neben ihren bürgerlichen Trägerinnen gab es auch eine proletarische Frauenbewegung, die sich zu den sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitervereinigungen hin orientierte und für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiterinnen im Kaiserreich einsetzte.

Weitere wichtige Weichen wurden 1894 gestellt: Im März wurde in Berlin der "Bund Deutscher Frauenvereine" (BDF) gegründet; im Mai nahm die bürgerliche Frauenbewegung in Bayern offiziell mit der Gründung der "Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau" in München ihren Anfang, nachdem 1893 in Nürnberg zwei Frauenvereine gegründet worden waren. Hinter der Münchner Gesellschaft standen nicht nur Frauenrechtlerinnen wie Anita Augspurg (1857-1943) und Sophia Goudstikker (1865-1924), sondern auch Frauen und Männer aus dem Kreis der künstlerischen und literarischen Moderne wie Emma Merk (1854-1925). Es war ein Zusammenschluss von Menschen des gebildeten Bürgertums aller Konfessionen.

Erste Vorsitzende des Vereins war 1896 Ika Freudenberg (1858-1912, Raffiana VI. Freudenberg, Ika). Von 1896 bis 1916 sind jährliche Verzeichnisse überliefert, 1897 finden sich Namen wichtiger Münchner Schriftstellerinnen wie Elsa Bernstein (1866-1949), Helene Böhlau (1856-1940), Emmy von Egidy (1872-1946), Helene Raff (1865-1942), Marie Haushofer (1871- 1940), Emma Klingenfeld (1848-1935) und andere. Auch Lena Christ (vgl. Cgm 8466) zählte um 1900 zu den Neuzugängen.

Die deutsche Frauenrechtlerin und Politikerin Gertrud Bäumer (1873-1954) charakterisierte den Münchner Frauenverein 1933 rückblickend als den "farbigsten, schwungvollsten und reichsten Lebensring zu dem irgendwo die Frauenbewegung zusammenwuchs. [...] Starke Temperamente, künstlerische Naturen, warme leidenschaftliche Herzen, feurige Seelen – eine lebendige bewegte Aufbruchsstimmung voll Kraft, Humor, Geist und Geschmack."

Im Folgenden werden einige Vertreterinnen der bayerischen Frauenbewegung in Einzelporträts vorgestellt. Es sind allesamt bedeutende Münchner Schriftstellerinnen, die größtenteils Mitglied in der "Gesellschaft für modernes Leben", in der "Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau" oder im "Münchner Schriftstellerinnen-Verein" waren und mit ihren Werken zu emanzipatorischen Fragen hervorgetreten sind.