Emmy von Egidy

Emmy von Egidy (1872-1946) wird als älteste Tochter des Offiziers, Sozialethikers und Pazifisten Moritz von Egidy (1847-1898) und seiner Frau Luise geb. von Götz (1848-1933) in Pirna geboren. Nach ihrer Schulzeit in Berlin lässt sie sich 1896 als bildende Künstlerin in München nieder, wo sie beim Jugendstilkünstler Hermann Obrist (1862-1927) Anschluss findet.

1894 tritt sie dem Verein für geistige Interessen der Frau bei. Ihr erstes Werk, ein Wandbrunnen, wird 1898 bei der Münchner Jahresausstellung im Königlichen Glaspalast gezeigt. Im selben Jahr erscheint auch ihr erster Roman Marie-Elisa, die Geschichte "einer Verlobung, einer jungen Ehe und eines Konfliktes zwischen zwei gleichwertigen starken Persönlichkeiten" (Ingvild Richardsen). Der Schriftsteller Jakob Wassermann (1873-1943) schreibt: "Ohne den geringsten Willen zu einer Tendenz ist es doch die schärfste Präzision der sogenannten Frauenfrage. Es ist das Buch einer Frau, vielleicht das bezeichnendste, das in der neuen Literatur vorhanden ist."

Als 1899 in München der Erste Bayerische Frauentag tagt, werden am Festabend auch Gedichte von Egidy vorgetragen, darunter Nordische Birke. Zwischen 1900 und 1913 erscheinen von ihr weitere Romane (u.a. Mensch unter Menschen, 1900; Ilse Bleiders, 1902; Moderschlösschen, 1909; Matthias Werner, 1913), auch wendet sie sich verstärkt der Bildhauerei zu. Fortan steht sie unter dem Einfluss des Bildhauers Adolf von Hildebrand (1847-1921, Raffiana VI. Hildebrand, Adolf von). Auf nationalen wie internationalen Ausstellungen (Weltausstellung in St. Louis) ist sie oft vertreten.

1910 verlässt die Künstlerin München und zieht in die Schweiz. Bei Nymphenburg lässt sie noch 1915/1916 jeweils einen Kinderkopf als unbemalte Reliefplatte ausführen. 1915 erscheint ihr Aufsatz zum 50. Geburtstag von Richarda Huch (1864-1947). Der Krieg führt zu einem Bruch in ihrer Karriere als Schriftstellerin – ihren Roman über die politische und wirtschaftliche Lage in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg kann sie 1932 nicht mehr veröffentlichen.

Egidys letztes bekanntes bildhauerisches Werk ist das Modell Sitzendes Mädchen von 1922. 1930 hält sie im Münchner Verein für Fraueninteressen noch einen Vortrag über die Autorinnen Ricarda Huch, Selma Lagerlöf (1858-1940) und Sigrid Unstet (1882-1949) in ihrer Bedeutung für die innere Befreiung der Frau. 1935 zieht sie nach Weimar. Im Selbstverlag bringt Egidy 1937 eine Biographie über ihren Vater heraus.