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Nachlass Paul Heyse (1830-1914) - Heyse-Archiv

Dieser Nachlass gehört zu der Sammlung Nachlässe aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek.

Paul Heyse (1830-1914) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller. Er wurde als erster Autor belletristischer Literatur mit dem Nobelpreis (1910) ausgezeichnet.

Geboren als Sohn des Philologie-Professors Karl Wilhelm Ludwig Heyse und Julie Heyse (geb. Saaling) ­­­ – eine Verwandte des Hauses Mendelssohn Bartholdy – wuchs Paul Heyse in einer bildungsbürgerlichen Umgebung auf. Schon früh galt er als vielseitig begabt und wurde von seiner Mutter in die Kreise der Berliner Kultur-Eliten eingeführt. Hier machte er unter anderem die Bekanntschaft des 15 Jahre älteren Lyrikers Emanuel Geibel (1815-1884), der zu diesem Zeitpunkt bereits ein etablierter und hochgeschätzter Lyriker war. Geibel schickte sich an, den talentierten jungen Mann zu fördern und machte ihn mit einer Reihe einflussreicher Persönlichkeiten bekannt. Zu diesen zählte auch der Kunsthistoriker Franz Kugler, der ebenso zu seinem Fürsprecher wurde und dessen Tochter Margaretha er 1854 heirateten sollte. Durch Kugler wiederum lernte Heyse den Historiker Jacob Burckhardt, den Maler und Illustrator Adolph Menzel sowie die Schriftsteller Theodor Fontane und Theodor Storm kennen. Bis 1850 war Heyses Netzwerk weitreichend und sein Ruf so gefestigt, dass er nun selbst in der Position war, andere Schriftsteller, hierunter Fontane und Storm, zu lancieren. 1854 setze sich Emanuel Geibel erneut für seinen Freund ein und erwirkte die Anstellung Heyses am Hof des bayerischen Königs Maximilian II. Von nun an erhielt Heyse eine erkleckliche Pension, die seine wirtschaftliche Existenz sicherte und die es ihm ermöglichte, als freier Schriftsteller zu arbeiten. 1868 reichte Heyse sein Entlassungsgesuch als Reaktion auf die Entlassung seines Freundes Geibel durch Ludwig II. ein. Er lebte und arbeitete bis zu seinem Tod 1914 in München.

Heyse gehörte dem Berliner literarischen Sonntagskreis "Tunnel über der Spree" (gegr. 1827) an und machte als Mitglied des "Münchner Dichterkreises" erste Bekanntschaft mit den Schriftstellern und Lyrikern der bayerischen Landeshauptstadt. Rasch distanzierte er sich jedoch wieder von den literarisch eher antiquierten Dichtern des "Münchner Dichterkreises" und gründete 1854 den Dichterverein "Die Krokodile". Zu dessen Mitgliedern gehörten neben Emanuel Geibel auch die Schriftsteller Friedrich Bodenstedt (1819-1892), Felix Dahn (1834-1912), Wilhelm Hemsen (1829-1885), Hermann Lingg (1820-1905), Melchior Meyr (1810-1871); die Gelehrten Moritz Carrière (1817-1895), Sigmund Lichtenstein (1822-1881), Karl von Lützow (1832-1897), Adolf Zeising (1810-1876) u. a.

Heyses Bedeutung liegt in seinem umfangreichen schriftstellerischen Œuvre und seinen literaturtheoretischen Überlegungen zur Novelle. So entwickelte er die noch heute angewendete "Falkentheorie"; die besagt, dass die zentrale Handlung einer idealtypischen Novelle in einem unerwarteten Wendepunkt, dem "Falken", ihren Höhepunkt zu finden habe.

Der Nachlass ist teilweise erschlossen und trägt die Signatur "Heyse-Archiv" und Cgm 6471 – 6525. 6540. 6581. 6604 – 6606. 6900. 6901. 6933. 6955. 7069 7239. 7307. 8098. 8099. 8100. 8215. L.impr.c.n.mss. 244