Kunstsammlung der Familie Tucher von Simmelsdorf

Herausragende Kunstwerke zeugen bis heute von der singulären Bedeutung der Patrizierfamilie Tucher für Nürnberg. In ihrem Auftrag arbeiteten Künstler wie Albrecht Dürer, Veit Stoß und Wenzel Jamnitzer. Nur ein Teil dieser Werke wurde in Museen im In- und Ausland verstreut. Ein größerer Teil befindet sich noch in situ, da nach der Kriegszerstörung Nürnbergs viele Kulturgüter wieder in die Kirchen der Stadt und im Umland zurückkehren konnten. Im Weiteren sind viele Objekte – dank ihrer Stiftungen – noch in Obhut der Familie selbst.

Hierzu gehören die Ausstattungen der Schlösser Schoppershof und Simmelsdorf, dem namensgebenden Landsitz der Familie. Leihgaben der Tucher’schen Kulturstiftung sind im Germanischen Nationalmuseum und in zwei Institutionen der Stadt Nürnberg vertreten.

Das umfangreiche Tucherarchiv im Stadtarchiv Nürnberg verwahrt nicht nur die Familienakten, sondern auch ein Zeichnungskonvolut und einige illustrierte Handschriften. Prunkvolles Glanzstück ist das 1590 in Auftrag gegebene Große Tucherbuch, ein mit meisterlicher Zierschrift und farbigen Miniaturen ausgestattetes Geschlechterbuch auf Pergament.

Das Inventar im Museum Tucherschloss, das von den Museen der Stadt Nürnberg im ehemaligen Gartenanwesen der Familie betrieben wird, bildet das Herzstück der Bestände. Aus der repräsentativen Einrichtung des Patrizierhaushaltes, der alle Gattungen an Kunst und Kunsthandwerk vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umfasst, ragen Werke heraus, die eng mit der Familiengeschichte verknüpft sind.

Stellvertretend für die umfangreiche Porträtsammlung der Tucher seien das Bildnis des berühmten Jerusalempilgers Hans VI. Tucher (1428–1491) aus der Werkstatt Michael Wolgemuts und das zweiteilige Ehepaarbildnis von Hans Schäufelein genannt. Letzteres zeigt den Bauherrn des Schlosses Lorenz II. Tucher (1490–1554) und seine Frau Katharina, eine geborene Straub. Von der Originalausstattung haben sich unter anderem Tapisserien mit den Allianzwappen Tucher-Straub erhalten.

Aus dem Bereich des Kunsthandwerkes sind die Arbeiten von Wenzel Jamnitzer hervorzuheben: ein Doppelpokal, der 1564 ein Hochzeitsgeschenk von Linhart Tucher (1487–1568) an seinen Sohn Herdegen IV. war, sowie ein 1553–1562 entstandenes, achtteiliges Prunkservice. Hier stammt ein Teil der Gefäße von Jamnitzer, während deren Dekoration aus feinstem Maleremail in Limoges von Pierre Reymond gefertigt wurde. Dieses Ensemble (sog. Limoges-Service) gilt in seiner Gattung als einzigartig.

Claudia Däubler-Hauschke

Die Teilsammlung zur "Kunstsammlung der Familie Tucher von Simmelsdorf" in bavarikon

>> Diese Sammlung ist ein Bestand der Tucher’schen Kulturstiftung.