Erste Gerüchte über die königliche Entourage

Die genauen Umstände des "Reitknecht-Skandals" um die Gebrüder Völk wurden nie vollständig aufgeklärt. Im Jahr 1864 wurde dem königlichen Reitknecht Joseph Völk die Vergewaltigung einer Frau vorgeworfen. Nachdem der Fall durch die Staatsanwaltschaft geprüft und aufgrund fehlender Tatbestände abgewiesen wurde, forderte der Oberst-Stallmeister Otto Joseph Emanuel Reichsfreiherr von Lerchenfeld (1817-1884) eine Wiederaufnahme der Untersuchung.

Zu diesem Zeitpunkt war im Umkreis Ludwigs II. bereits bekannt, dass Joseph Völk sich der Gunst und Zuneigung des Königs erfreute. Der Oberst-Stallmeister vermutete, dass Völk der Liebhaber Ludwigs II. und aufgrund dieser besonderen Verbindung einem gerechten Verfahren entgangen war. In einem Schreiben des Untersuchungsrichters Christoph Welzel an Ludwig von der Pfordten vom 14. Dezember 1865 heißt es: "Lerchenfeld ging mich hierauf an, doch Untersuchung einzuleiten u. zwar aus folgender Ursache: Es gebe in Franken u. Schwaben das Gerede, S.M. der König treibe mit den beiden Reitknechten unzüchtige Handlungen." Diese Aussagen stellten eine klare Majestätsbeleidigung dar und es folgten dementsprechende Konsequenzen. Doch auch die Entfernung Lerchenfelds, der am 16. Dezember in den Ruhestand versetzt wurde, konnte eine Ausweitung des Skandals nicht verhindern.

So nahmen sich schnell Klatschblätter wie der "Kladderadatsch" der Geschichte an und reimte darauf das abgebildete Spottgedicht "Vom lieben Reitknecht". Bereits zwei Tage nach Erscheinen des Blatts wurde die Ausgabe konfisziert.

Julia Misamer