Gescheiterte Verlobung

Ab dem Jahr 1866 bahnte sich eine Verbindung zwischen König Ludwig II. und seiner Cousine, Herzogin Sophie in Bayern (1847-1897), an. Sie war eine der Töchter des Herzogs Max in Bayern (1808–1888) und die jüngste Schwester von Elisabeth, Kaiserin von Österreich (1837-1898). Im Herbst begegneten sich Ludwig II. und Sophie des Öfteren in Schloss Berg, danach führten sie einen intensiven Briefwechsel und der bayerische König besuchte sie häufig in Schloss Possenhofen, ebenfalls am Starnberger See gelegen. Beide verband die gemeinsame Begeisterung für das Werk Richard Wagners. Auf Druck der Brauteltern hin verlobte sich das Paar am 22. Januar 1867.

Am 30. Januar entstand im Atelier des Hoffotografen Joseph Albert (1825-1886) das offizielle Verlobungsbild. Es stellt eine eher privat wirkende Aufnahme dar: Sophie in einem hellen Kleid mit dunkler Jacke und mit einem hellen Tuch als Kopfzierde; Ludwig II. im Zivilanzug mit Mantel und Zylinder. Dieser "vorherrschende civile Charakter" des Monarchen wurde in der bayerischen Gesellschaft belächelt. Ludwig II. zeigte sich nach außen zunächst als glücklicher Bräutigam, innerlich entfernte er sich jedoch rasch von seiner Verlobten. Die Hochzeit wurde zunächst für den August des Jahres 1867 angesetzt, wurde dann aber auf Wunsch des Königs auf den 22. Oktober verschoben. Nach einer nochmaligen Verschiebung stellte der Brautvater Herzog Max Ludwig schließlich ein Ultimatum. Daraufhin löste dieser die Verlobung, wovon die Öffentlichkeit am 19. Oktober 1867 erfuhr.

In einem Brief an Sophie versucht Ludwig sich zu erklären: "O nein, hintergehen wollte ich Dich nicht, ich handelte im festen Glauben, es würde alles zu einem befriedigenden Ende führen. Ich hatte nun Zeit, mich zu prüfen, mit mir zu Rathe zu gehen, und sehe, daß nach wie vor meine treue, innige Bruderliebe zu Dir tief in meiner Seele wurzelt, nicht aber die Liebe, die zur Vereinigung in der Ehe erforderlich ist."

Sophie heiratete im Jahr darauf Herzog Ferdinand von Alençon (1844-1910). Sie verstarb am 4. Mai 1897 während eines Brandes des Bazar de la Charité in Paris.

Die Silbermedaille des Medailleur Johann Adam Ries (1813-1889) erschien in erster Ausprägung wohl kurz bevor die Verlobung von Ludwig II. gelöst wurde. Darauf abgebildet sind die Brustbilder von König Ludwig II. in bayerischer Uniform und Herzogin Sophie in Bayern mit Diadem. Beide tragen Hermelin.

Nachdem die Hochzeitsfeier bereits zweimal verschoben wurde, verkündet die Rückseite der Medaille den zuletzt angedachten Hochzeitstermin am 28. November 1867. Ein Abschlag der Vorderseite des Hochzeitstalers wurde im Auftrag des Prinzregenten Luitpold am 6. Dezember 1906 gefertigt.

Julia Misamer