Die Roseninsel als königlicher Rückzugsort

Einer der bevorzugten Rückzugsorte Ludwigs II. war die Roseninsel im Starnberger See.

Im frühen 19. Jahrhundert trug sie noch den Namen Wörth. 1850 erwarb König Maximilian II. (1811-1864) die Insel und beauftragte den Architekten Franz Kreuter (1813-1889) mit dem Bau einer Villa, dem sogenannten Casino. Abgeschieden inmitten tausender Rosen, konnte Ludwig II. sich dort fernab protokollarischer Zwänge der Lektüre widmen. Einige Anekdoten sind hierzu überliefert: So schilderte ein Diener, dass er den König mit Indianerkopfschmuck überraschte, als dieser gerade den Roman "Der letzte Mohikaner" von James Fenimore Cooper (1789–1851) las.

Ludwig II., nutzte den abgeschiedenen Ort auch für den Empfang ausgewählter Gäste, z.B. der russischen Zarin Maria Alexandrowna (1824-1880), des preußischen Kronprinzen und späteren Kaisers Friedrich III. (1831-1888) oder Richard Wagners (1813-1883). Auf der Insel traf sich der König zudem mehrmals mit seiner Cousine Elisabeth von Österreich (1837-1898). Überliefert sind Briefe, die sie in einer geheimen Schublade eines Sekretärs im Casino hinterließen, zu der nur Ludwig und "Sisi" einen Schlüssel hatten. Oft bezeichnen sie sich in den Briefen gegenseitig als "See-Möve" (Elisabeth) und "Adler" (Ludwig).

Julia Misamer