Gründung des Deutschen Reiches 1871

Am 18. Januar wurde der preußische König Wilhelm (1797-1888) im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser proklamiert. Auch wenn Wilhelm nach der Verfassung des Deutschen Reiches schon seit dem 1. Januar Kaiser war, symbolisierte dieser Akt doch den letzten Schritt auf dem Weg zur deutschen Einigung. Der Historienmaler Anton von Werner (1843-1915) schuf von diesem Ereignis bis 1915 vier verschiedene Versionen eines Gemäldes. Von dem bis heute populären Bild ist nur die Version erhalten, die Otto von Bismarck 1885 von der Hohenzollern-Familie zum 70. Geburtstag als Geschenk erhalten hat. Sie befindet sich im Besitz der Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh (Schleswig-Holstein). Bei dem hier gezeigten Bild handelt es sich um eine fotografische Reproduktion der Friedrichsruher Fassung aus dem Münchner Kunstverlag Franz Hanfstaengl.

Für König Ludwig II. war der Prozess der deutschen Einigung eine traumatische Erfahrung. Obwohl keine realistische Alternative zum Eintritt Bayerns in das Deutsche Reich existierte und Ludwig dies letztlich auch erkannt hatte, sah er sich als Versager, der die bayerische Souveränität preisgegeben hatte. Die Kaiserproklamation in Versailles betrachtete Ludwig als persönliche Demütigung und nahm daran nicht teil. Vertreten ließ er ließ sich von seinem Bruder Otto und seinem Onkel Luitpold. Mehrfach sprach Ludwig auch davon, abdanken zu wollen. All diese Ereignisse trugen schließlich auch dazu bei, dass er sich seit 1870/71 weiter zurückzog und in Traumwelten flüchtete.

Matthias Bader