Königshaus am Schachen
Seit 1869 plante Ludwig II., im Werdenfelser Land ein Berghaus zu errichten. Seine Ortswahl fiel auf den Schachen am Fuß des Wettersteinmassivs in 1.866m Höhe. Dort bietet sich ein grandioses Panorama. Nicht zur Jagd war der Bau bestimmt, sondern, ganz modern, um das Hochgebirge komfortabel zu genießen. Das Äußere folgt dem Typus des "Schweizerhauses" aus Holz, im 19. Jahrhundert von Adel und reichen Bürgern als Feriendomizil beliebt, die Raumaufteilung, mit einem zentralen Salon, entspricht großbürgerlichen französischen Villen dieser Zeit.
Die fünf Wohnräume des Erdgeschoßes entsprechen, holzgetäfelt und mit bürgerlichem Komfort eingerichtet, einem damaligen alpinen Feriendomizil, nicht aber das Obergeschoß. Hier erstreckt sich der Türkische Saal, einem historischen Saal im Palast von Eyüb nachempfunden, den Sultan Selim III. (1762-1808) Ende des 18. Jahrhunderts hatte einrichten lassen und dessen Abbildung Ludwig II. in einer englischen Publikation von 1840 gefunden hatte. Vergoldete, reich ornamentierte Wände und Decke, kunstvoller zentraler Springbrunnen, reich bestickte Hocker und Divane, ein kostbarer Teppich, üppig verzierte Accessoires wie Räucherpfannen, Kandelaber, Vasen, durch große Glasfenster mit kleinteiligem, buntem Ornament phantasmagorisch beleuchtet, fügen sich zum perfekten Abbild eines orientalischen Prunksaals. Dieser Saal ist, mitten im Hochgebirge, einzigartiges Beispiel der reichentwickelten Orientmode des 19. Jahrhunderts.
Uwe Gerd Schatz