Königsportrait nach dem Tod

Ein Jahr nach dem Tod König Ludwig II. fertigte der Münchener Maler und Karl von Piloty-Schüler Gabriel Schachinger (1850-1912) das hier gezeigte großformatige (257x173 cm) Gemälde des Königs an. Es war als offizielles Staatsporträt für die Reihe der Königsportraits in der Kammer der Reichsräte im Bayerischen Landtag bestimmt.

Schachingers Komposition wie seine an Piloty und Franz Makart angelehnte Maltechnik lassen das Porträt Ludwigs aus der Reihe der bayerischen Herrscherportaits herausfallen. Wurden die Könige Bayerns ansonsten in Krönungsornat oder Uniform mit der Verfassungsurkunde dargestellt, trägt Ludwig II. hier das Kostüm des Großmeisters des Hausritterordens vom Heiligen Georg. Er stützt sich auf das blanke Zermonialschwert des Ordens – das Schwert Herzog Christophs des Starken von Bayern-München (gest. 1493) – während er angespannt in die Ferne blickt. Die Herrscherporträts des von Ludwig verehrten französischen Absolutismus werden von Schachinger souverän zitiert und gleichzeitig im Sinne des Historismus auf die Spitze getrieben. Ludwig erscheint dadurch als Visionär und Machtherrscher, in der Wildheit seiner Züge kann man aber auch die offizielle Erzähllinie des Wahns lesen, der 1886 zur Königstragödie geführt hatte. Das Gemälde sollte den Reichsräten – zu denen zahlreiche Mitglieder der Königsfamilie gehörten – wohl nicht nur zur Erinnerung, sondern auch zur Mahnung dienen.

Friedrich Röhrer-Ertl