Der blaue Kunigundenmantel

Zur Gruppe der Bamberger Kaisergewänder gehört auch der blaue Kunigundenmantel (DMB Inv.Nr. 3.1.0001), das weltweit älteste erhaltene liturgische Gewand mit einem goldgestickten, die gesamte Fläche füllenden Bildprogramm.

Heute präsentiert er sich als ausgebreiteter Halbkreis mit einem durch Flechtbänder verbundenen System aus ursprünglich 56 Medaillons, die jeweils von einer umlaufenden, die bildliche Darstellung thematisierenden Umschrift und einem Rankenrahmen umgeben sind.

Die Medaillons greifen drei Themenkreise auf. So beziehen sich die vier senkrechten Medaillonreihen der Rückenmitte zusammen mit der zentralen Rückendarstellung auf die Geburt und Wiederkehr Christi. Parallel zur vorderen Öffnung des Mantels findet sich in 16 Medaillons ein Petruszyklus und in den verbleibenden Segmenten zeigen ehemals 16, heute nur mehr 14 weitere Medaillons je einen Propheten.

Aufgrund des Bildprogramms und der Ornamentik seiner umlaufenden Bordüre, die Parallelen in anderen Stiftungen des Kaiserpaares haben, dürfte dieses explizit liturgische Gewand als Stiftung Kunigundes (gest. 1033) an den Bamberger Dom angesehen werden. Er gehörte also sicher nicht zur Garderobe der Kaiserin und sie hat ihn auch nicht selbst gestickt. Dafür war eine professionelle Werkstatt nötig.

Nach der Heiligsprechung Kunigundes galt das Pluviale dann als Reliquie, was dazu führte, dass die Goldstickereien 1437-1441 aus dem ursprünglichen Gewand ausgeschnitten und auf einen italienischen Seidenatlas appliziert wurden. Ein Erklärvideo stellt unter anderem das Vorgehen und die Arbeitsweise dieser spätmittelalterlichen Übertragung vor.

Irgendwann im Laufe des Mittelalters war der blaue Kunigundenmantel zur Glockenkasel geschlossen worden. Dies machte eine Restaurierung 1951-1953 rückgängig.

Die Umschriften des blauen Kunigundenmantels greifen Kirchengesänge der Entstehungszeit auf. 13 Gesänge wurden entsprechend der Aufführungspraxis des 11. Jahrhunderts erstmals vertont. So wird ein Gewand, das goldgestickter liturgischer Gesang ist, zum Klingen gebracht.

Tanja Kohwagner-Nikolai