Zwischen Reliquienkult und Reparatur: das Spätmittelalter

Erst im 12. und 13. Jahrhundert wird die kaiserliche Stiftung von Gewändern an den Bamberger Dom verschriftlicht. Dass 1127 im ältesten Bamberger Domschatzverzeichnis nur eine Tunika des Kaisers erwähnt wird, mag daran liegen, dass sie das einzige Gewand war, das nicht liturgisch genutzt werden konnte.

Im Umfeld der Heiligsprechung von Heinrich II. (973-1024, reg. 1014-1024) 1146 und Kunigunde (gest. 1033) 1200 mehren sich dann die schriftlichen Hinweise. Gleichzeitig nahm die Zahl der in den Kontext des heiligen Stifterpaares gestellten Textilien bis zum 16. Jahrhundert stetig auf über zehn Gewänder zu. Dabei gilt zu bedenken, dass zu dieser Zeit weder der Sternenmantel noch das Rationale als Reliquien verstanden wurden. Die anderen Gewänder galten als wertgeschätzte Schenkungen des Kaiserpaares und wurden hochverehrt.

Seit dem späten 14. Jahrhundert wurden sie schließlich bei den Bamberger Heiltumsweisungen gezeigt. Das waren mittelalterliche Großveranstaltungen mit enormem Besucherandrang, die einen beträchtlichen Wirtschaftsfaktor darstellten. Aber auch darüber hinaus konnte man sich die Gewänder – gegen eine angemessene Spende – zeigen lassen und sie in der Hoffnung auf Heilung berühren. So wurde vor allem die Tunika zu einer wichtigen Einnahmequelle.

Dazu mussten die Gewänder aber ansprechend aussehen. Deshalb wurden im 15. Jahrhundert unter großem finanziellen Aufwand nach und nach alle Goldstickereien knappkantig aus ihren Ursprungsgewändern ausgeschnitten und auf neue Stoffe übertragen. Zudem waren vorher und nachher zahlreiche Reparaturen notwendig.

Dabei ist zu beobachten, dass fast dreimal so viele Männer als Sticker und Schneider erwähnt sind wie Frauen. Erst im 17. Jahrhundert werden solche Arbeiten explizit an Ordensfrauen übergeben.

So ist letztlich ihr Reliquienstatus der Grund für ihre Erhaltung.

Tanja Kohwagner-Nikolai