Glossar zur Sammlung „Die Bamberger Kaisergewänder“

Das Glossar dient zum Verständnis der Sammlung "Die Bamberger Kaisergewänder" sowie der virtuellen Ausstellung "Kaisergewänder im Wandel – Goldgestickte Vergangenheitsinszenierung" und der Erklärung der dort in den Texten verwendeten Begriffe. Es erhebt nicht den Anspruch vollumfänglicher, wissenschaftlicher Definitionen.

Albe/Alba

Die Albe ist das liturgische Untergewand aller Kleriker und besteht aus weißem Leinen (lateinisch: albus ›weiß‹). Die kaiserliche Albe ist aus Seide und geht auf die "tunica talaris" der römischen Kaiserzeit zurück. In der Regel handelt es sich um eine bis zu den Füßen reichende, gerade geschnittene Tunika mit weit eingesetzten, zum Handgelenk hin enger werdenden Ärmeln. Im 10. und 11. Jahrhundert konnten Besätze am Saum sowie den Ärmelabschlüssen und teilweise am Halsausschnitt die Festalben zieren. Wegen ihres Materials und ihrer Besätze kann die Bamberger Tunika auch als kaiserliche Albe bezeichnet werden.

Alpha und Omega

A und Ω, der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, bezeichnen Christus, der nach der Offenbarung des Johannes (Apokalypse, Off 22,13) der Erste und der Letzte ist. Die beiden Buchstaben flankieren in lateinischer Schreibweise als A und O die zentrale Rückendarstellung des Sternenmantels Heinrichs II. (973-1024, reg. 1014-1024).

Anlegetechnik

Bei der Anlegetechnik wird ein Faden auf der Oberfläche des Trägergewebes in beliebiger Länge geführt, der mit einem zweiten Faden mithilfe kleiner Überfangstiche auf dem Grund fixiert wird. Zur Flächenfüllung wird der erste Faden in Reihen eng aneinander gelegt. Durch die Richtung, Dichte und Farbigkeit der Überfang- oder Haltefäden können Muster erzeugt werden. Diese Technik ist ein verbindendes Merkmal aller sechs Bamberger Kaisergewänder, bei denen die Goldstickerei in Anlegetechnik ausgeführt wurde.

Antiphon

Das Wort bedeutet Gegengesang oder Wechselgesang, insbesondere in der Kirchenmusik. Im engeren Sinne des gregorianischen Chorals ist eine Antiphon ein Gesang, der wie ein Rahmen am Anfang und am Ende das Singen von biblischen Versen umschließt. Diese Psalmverse werden auf bestimmten Psalmtönen gesungen, also formelartigen Melodien, die einen Rezitationston enthalten. Auf diesem werden die meisten Silben gesungen, mit einer kleinen melodischen Initialformel am Beginn, gefolgt von einer Mittelformel und einer Endformel. Dabei werden die beiden Vershälften von zwei Sängergruppen gesungen, quasi einander zusingend. Dieses Prinzip heißt antiphonisch. Die antiphonalen Gesänge gehören zum Proprium, den nach dem Kirchenjahr oder Anlass wechselnden Elementen der Liturgie. Sie wechseln daher nach dem Kirchenjahr oder dem Fest des Tages. Der Text der Antiphon ist entweder dem Psalm entnommen, den er einschließt, oder aber den liturgischen Texten des Tages. Damit bilden antiphonale Gesänge ein kommentierendes oder reflektierendes Element des Gottesdienstes. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder ist häufig – vor allem am blauen Kunigundenmantel, aber auch beim Rationale – zu beobachten, dass die Inschriften den Wortlaut antiphonaler Gesänge aufgreifen.

Antiphonar(ium)

Ein Antiphonar ist eine Sammlung der Gesänge zum Stundengebet. Das für die Vertonung des blauen Kunigundenmantels herangezogene Antiphonar (Nationalbibliothek Wien, Cod. 1890) entstand um 1200 in Süddeutschland und gibt die Texte in einer dem blauen Kunigundenmantel sehr eng verwandten Wortabfolge und Schreibweise wieder. Die Texte sind mit linienlosen Neumen überschrieben. Diese liturgischen Handschriften mit Musikaufzeichnung waren meist nur für die Kantoren gedacht, welche ihr Repertoire überblicken und die Schola anleiten mussten. Die Sänger sangen aus dem Gedächtnis.
Ein Antiphonar aus dem Dom zu Bamberg (SBB Msc.lit. 23) aus dem späten 12. Jahrhundert überliefert die Gesänge ebenfalls und weist recht ähnliche Neumen und Melodieverläufe auf, allerdings finden sich dort nicht alle Gesänge, die am blauen Kunigundenmantel in den Umschriften aufgegriffen werden. Aufgrund der Ähnlichkeit beider Handschriften, der ebenfalls süddeutschen Herkunft und der annähernd zeitgleichen Entstehung der Handschrift Wien Cod. 1890 war es durch die Übereinstimmung mit den gestickten Texten gerechtfertigt, die Wiener Handschrift als einheitliche Vorlage für die Erarbeitung zu nehmen, zumal es durchaus Handschriften aus dem 10. und 11. Jahrhundert beispielsweise aus St. Gallen gibt, die für die O-Antiphonen große Parallelen aufweisen.

Apokalypse

(altgriechisch: ἀποκάλυψις ›Enthüllung‹), das auf Deutsch als Offenbarung des Johannes bezeichnete letzte Buch des Neuen Testaments. Es beschreibt eine Endzeitvorstellung. Besonders wichtig ist die Vision vom thronenden Gott im Himmel, das Lamm, das würdig ist das Buch mit den sieben Siegeln zu öffnen, das Weltgericht und die neue Welt Gottes. Diese Themen werden im Kontext der Bamberger Kaisergewänder, vor allem am blauen Rationale dargestellt.

Apostelgeschichte

Buch des Neuen Testaments. Es behandelt die Ereignisse unmittelbar nach der Auferstehung Jesu Christi, die Gründung der Kirche und die Verbreitung des Christentums im Römischen Reich.

Applikation/Applizieren

Applizieren bezeichnet das Aufnähen von separat gestickten Figuren oder Formen bzw. von ausgeschnittenen Stoffresten auf ein Trägergewebe. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder wurden die Goldstickereien bei den spätmittelalterlichen Übertragungsmaßnahmen nach dem Ausschneiden aus den originalen Gewändern auf neue Trägerstoffe appliziert.

Aratus latinus-Handschriften

gehören zu den mittelalterlichen Sternbildkatalogen und basieren auf den ptolemäischen Sternbildern, die Aratos von Soloi († 245 v.Chr.) in seiner "Phainomena" (griechisch: ›Himmelserscheinungen‹), einem Lehrgedicht in 1154 Hexametern beschreibt. Im 8. Jahrhundert, wohl um 750-760 erfuhr dieses Werk erneut eine Bearbeitung. Die mit einigen Übersetzungsfehlern behaftete Version Aratus latinus recensio interpolata (lateinisch: ›Überarbeitung des Aratus‹) ist in zahlreichen illustrierten Handschriften überliefert. Laut der früheren Forschungsmeinung sollen die Inschriften des Sternenmantels Kurzfassungen einer um 700 zu datierenden Aratus-Handschrift sein. Die Sternenmantelinschriften erfuhren erhebliche Verluste sowie massive Veränderungen bei der spätmittelalterlichen Übertragung. Eine Rekonstruktion des ursprünglichen Manteltextes ist nicht mehr möglich. Vergleicht man gut erhaltene Inschriften mit dem Aratus-Text zeigt sich, dass wohl keine konkrete Handschrift zugrunde lag. Vielmehr bildet der Aratus-Text und seine Nachfolger den geistesgeschichtlichen Hintergrund eigenständiger Texte.

Astspangen

Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder bezeichnet der Begriff "Astspangen" gestickte Riegel, die die Äste vor allem im Rankenwerk von Bordüren und Zierelementen meist unterhalb von Verzweigungen schmücken. Sie sind meist in Seidenstickerei ausgeführt.

Atlasbindung

Die Atlasbindung gehört zu den drei Hauptbindungsarten der Weberei und wurde wohl erst im 13. Jahrhundert auf der Basis von mindestens fünf Kett- und fünf Schussfäden entwickelt. Bei einem Atlas bindet jeder Schuss über vier Kettfäden und wird dann unter dem folgenden Kettfaden geführt. Die Bindungspunkte berühren einander nicht. Der Stoff ist zweiseitig, Ober- und Unterseite unterscheiden sich also. Auf diese Weise entsteht ein Gewebe, bei dem auf der Oberseite die parallelen Schussfäden bei weitem überwiegen, was dem Stoff einen vom Lichteinfall abhängigen Glanz verleiht. Ein solcher Schussatlas wurde beispielsweise als spätmittelalterliches Trägergewand des blauen Kunigundenmantels verwendet. Überwiegt auf der Gewebeoberseite die Sichtbarkeit der Kette, wird von Kettatlas gesprochen. Atlas zählte neben Damast und Samt zu den hochwertigsten Seiden.

Balken

In der Epigraphik (Inschriftenkunde) bezeichnet dieser Begriff waagrechte Linien bei Buchstaben. Zur Verdeutlichung kann bei oberen Balken auch von Deckbalken, bei A und H von Mittelbalken gesprochen werden.

Baumwolle

Baumwolle ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Es gibt heute bis zu 51 verschiedene Arten in den Tropen und Subtropen. Für ihre Domestizierung werden vor allem Indien und Indonesien sowie das nördliche Andengebiet und eventuell der Südwesten Nordamerikas oder Zentralamerika angenommen, wo etwa zeitgleich, aber unabhängig voneinander mit Anbau und Verwendung begonnen wurde. Ab dem 6. Jahrhundert wurde Baumwolle im Vorderen Orient, Arabien und Ägypten zum üblichen Material für Arbeitskleidung. Die Mauren bauten Baumwolle in Spanien extensiv an. Bis um 1600 war Baumwolle allerdings im Abendland durchaus ein Luxusgut, das nicht weniger als Seide geschätzt wurde. Bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts zog Venedig das Handelsmonopol levantinischer Baumwolle an sich und behielt es bis ins 17. Jahrhundert. Zugleich nahm an den großen Umschlagplätzen nördlich der Alpen die Baumwollverarbeitung stark zu. Mittelpunkt war seit dem 14. Jahrhundert Augsburg, das fast alle abendländischen Märkte mit seinen Barchenten (Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen) versorgte. Mit der Ausweitung des Fernhandels in der frühen Neuzeit verdrängte die Baumwolle auch in Nord- und Mitteleuropa zunehmend Leinen und Hanf. Für die Bamberger Kaisergewänder ist es ein Material, das erst bei der Restaurierungsmaßnahme der 1950er Jahre zum Einsatz kommt.

Bindung

Beim Weben werden mindestens zwei Fadensysteme, Kette und Schuss, rechtwinklig gekreuzt. Dazu werden mehrere parallele Kettfäden gespannt. Durch Heben und Senken bestimmter Kettfäden werden sogenannte Fächer geöffnet, in die der Schussfaden von einer Webkante zur anderen über die gesamte Webbreite eingetragen wird. Anschließend werden die Fächer wieder geschlossen. Bindung bezeichnet die Art des Verkreuzens von Kett- und Schussfäden zur Anfertigung eines Gewebes oder von Gewebeteilen entsprechend festgelegten Regeln. Die Stelle, an der sich ein Kettfaden mit einem Schussfaden verkreuzt, ist der Bindungspunkt. Zu unterscheiden sind drei Hauptbindungsarten: die Leinwand-, die Köper- und die Atlasbindung.

Binnenzeichnung

Bei den Bamberger Kaisergewändern ist die Goldstickerei häufig, dort wo sie flächenfüllend gearbeitet ist, zusätzlich mit Überfangstichen überstickt. Die Überfangstiche gestalten beispielsweise Gesichtszüge, Gewandfalten oder auch Muster und wirken wie gezeichnet.

Bordüre

Darunter ist im Kontext der Bamberger Kaisergewänder eine rahmende Einfassung des Pluviales zu verstehen. So ist der blaue Kunigundenmantel mit einer umlaufenden Rankenwerk-Bordüre eingefasst, die damit seine ursprüngliche Form als halbrunder Mantel bestätigt.

Borte

Damit sind im Kontext der Bamberger Kaisergewänder schmale Gewebe- oder Textilstreifen wie Brettchenborten oder Bänder bezeichnet. Sie wurden überwiegend als sekundäre Ergänzungen im Rahmen mittelalterlicher Reparaturen dem jeweiligen Bestand hinzugefügt. Beim blauen Bamberger Rationale könnte der ein Gabelkreuz bildende Bortenbesatz zum Ursprungsbestand gehören.

Brettchenweberei

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war dies eine übliche Webtechnik zur Herstellung textiler Bänder und Gewebeabschlusskanten, also vergleichsweise schmaler Textilstreifen. Bei dieser Technik laufen die Kettfäden, die an einem speziellen Brettchenwebstuhl oder -rahmen, aber auch am Gürtel des Webers gespannt sein können, durch eine die Breite des Bandes bestimmende Anzahl von Webbrettchen von drei- bis achteckiger Form mit einer den Ecken entsprechenden Anzahl von Löchern. Die Bildung des Webfaches erfolgt durch Drehen der Brettchen. Ein in das Webfach eingebrachter Schussfaden verbindet das Kettfadensystem zu einem Gewebe. Durch verschiedene Wechsel bei der Drehung können sowohl Leinwand-, Köper- als auch Atlasbindungen erzeugt werden.

Cappa

Die Cappa ist ursprünglich ein waden- bis bodenlanges ärmelloses Übergewand, das im Mittelalter von beiden Geschlechtern getragen wurde und als Reisekleidung sowie Wetterschutz mit hochzustellendem Kragen oder Kapuze ausgestattet war. Aufgrund der Entstehungsgeschichte wird der Begriff im kirchlichen Kontext häufig als Synonym für Pluviale verstanden. Tatsächlich aber bezeichnet er die ursprüngliche Kapuze bzw. das Rückenschild, das als Überrest einer Kapuze anzusehen ist. Ein solches Rückenschild bzw. eine Cappa besitzt im Kontext der Bamberger Kaisergewänder nur der weiße Kunigundenmantel.

Cauda

Die Cauda (lateinisch: cauda ›Schwanz‹) ist der bei den Buchstaben G, Q und R (in der Grundform) rechts unten angesetzte Strich. Sie kann gerade, gewellt, gerollt etc. ausgeführt sein.

Chintz

Der Ausdruck Chintz bezeichnet ursprünglich ein wachsüberzogenes, dünnes, glänzendes Baumwollgewebe in Leinwandbindung. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder wurden solche Gewebe für die Unterfütterung der Mäntel 1722 verwendet, als Meister Gandler die "4 Reitröckh des Heyl(igen) Kayser Heinrichß" im Auftrag von Subcustos Johann Graff neu zu füttern hatte. Auch bei der Restaurierung der 1950er Jahren wurden neue Chintzgewebe als Futter verwendet.

Christusmonogramm

Ist die Bezeichnung für die Kombination der griechischen Anfangsbuchstaben des Wortes Christi (griechisch: X und P). Meist kreuzt sich das X im unteren Teil des senkrechten Balkens des P. Christusmonogramme finden sich beispielsweise auf den beiden Medaillons, die bei der Restaurierung der 1950er Jahre vom weißen, ehemals roten Kunigundenmantel abgenommen wurden.

Crepeline

Das gazeartige, feine, also leichte und halbdurchsichtige Seidengewebe wurde im Kontext der Bamberger Kaisergewänder bei der Restaurierung der 1950er Jahre eingesetzt, um verschiedene Textilfragmente darauf aufzunähen.

Dalmatik(a)

Das liturgische Obergewand der Diakone – vom Bischof beim Pontifikalamt unter der Kasel getragen – wurde von der profanen Dalmatik abgeleitet, die in Rom im 2. Jahrhundert üblicherweise von höherstehenden Personen und bereits in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts im kirchlichen Gebrauch getragen wurde. Außerhalb Roms wurde sie spätestens im 5./6. Jahrhundert üblich, im 9. Jahrhundert Teil der priesterlichen Kleidung. Ursprünglich aus weißem Leinen (Dalmatica linea), später auch aus Seide oder feinem weißem Wollstoff gefertigt, wurden erst ab der Jahrtausendwende auch andersfarbige und gemusterte Stoffe verwendet. An der Dalmatik waren Zierstreifen (clavi), die vorne und hinten senkrecht nach unten liefen, und teilweise an den Ärmeln angebracht waren. Die etwa bodenlange Dalmatik hat ursprünglich weite Ärmel, reicht seit dem 13. Jahrhundert nur mehr bis zu den Knien und hat kurze Ärmel. Seitliche Schlitze erleichtern das Anziehen und schaffen Bewegungsfreiheit. Sie werden immer größer, bis im 15. Jahrhundert auch die Ärmelunterseiten geöffnet sind. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder wird die Tunika in neuzeitlichen Quellen zum Teil als Dalmatik bezeichnet, was ihrer auf die spätmittelalterliche Übertragung zurückgehenden Form im 19. Jahrhundert durchaus entspricht. Im Mittelalter wird neben den Röcken bzw. Tuniken von Heinrich (973-1024, reg. 1014-1024) und Kunigunde (gest. 1033) zusätzlich eine nicht erhaltene Dalmatik Heinrichs II. erwähnt.

Damast

Bei dem meist einfarbigen Gewebe mit einem Kett- und einem Schusssystem unterscheiden sich Hintergrund und Muster durch den Wechsel von Kett- und Schussbindung. In seiner klassischen Form wird dieser Wechsel durch den Gebrauch von Kett- und Schusswirkung derselben Bindung hervorgerufen, in der Regel Köper- oder Atlasbindung. Während des 12. Jahrhunderts wurde der unter anderem auch in Damaskus produzierte Stoff so beliebt, dass für den Stoff der Stadtname verwendet wurde. Im Spätmittelalter war Italien das abendländische Herstellungszentrum. Damast zählte zu den kostbarsten Seiden. Bei den Bamberger Kaisergewändern wurden vor allem im Kontext der spätmittelalterlichen Übertragungen und Reparaturen Damaste eingesetzt.

Dedikation

bezeichnet eine Widmung, Zueignung. Die Dedikationsinschrift (lateinisch: dedicare ›weihen, widmen‹) SVP(ER)NE VSYE SIT GRATV(M) HOC CESARIS DONVM (Dem oberen Wesen sei dieses Geschenk des Kaisers angenehm) weist den Sternenmantel als persönliches Geschenk Heinrichs II. (973-1024, reg. 1014-1024) an Gott aus.

Denar/Pfennig

(lateinisch: denarius, von deni ›je zehn‹) war im Mittelalter gleichbedeutend mit dem Pfennig. Über 700 Jahre behielt der Denar seine Bedeutung als Hauptmünze und wichtigste europäische Fernhandelsmünze. Im Spätmittelalter kann für Bamberg durchschnittlich angenommen werden, dass 30 Denar/Pfennige einem Pfund (lb) entsprechen. In Pfennigen wird in den Bamberger Domkustoreirechnung häufig Seidengarn abgerechnet. So wurde beispielsweise 1441/1442 für die Reparatur des blauen Kunigundenmantels Seidengarn im Wert von 58 Pfennig eingekauft.

Doppelatlas

Bei dem schweren, seidenen Doppelgewebe mit einem Schusssystem und zwei Kettsystemen bindet eines in Kettatlas und eines in Schussatlas. Das Gewebe oder Teile des Gewebes bilden zwei separate, übereinanderliegende Schichten. Sie können – dem Muster entsprechend – ihre relative Position wechseln. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder wird der Begriff in den Domkustoreirechnungen für das spätmittelalterliche Trägergewebe verwendet, das 1437 für den blauen Kunigundenmantel gekauft wurde. Tatsächlich handelt es sich um einen blauen, ungemusterten Satin (Atlasbindung 8/1) mit nur einem Kett- und einem Schusssystem. Die Kette besteht aus blauen, schwach S-gedrehten Seidenfäden mit einer Dichte von 66-68 F/cm. Die Schussfäden sind aus graublauer Seide ohne erkennbare Drehung und mit einer Dichte von 36-38 F/cm verwebt. Vermutlich wurde der Begriff aufgrund der Schwere und Festigkeit des Gewebes verwendet.

Domkustorei

Die Domkustorei ist für den baulichen Unterhalt des Doms, seine Ausstattung und Beaufsichtigung sowie den Domschatz verantwortlich. Der Domcustos (lateinisch: summus custos ›höchster Hüter‹) leitet die Domkustorei und ist in Bamberg Mitglied des Domkapitels. Sein Stellvertreter ist der Subcustos. Er veranlasste beispielsweise die Reinigung und Reparatur der Bamberger Kaisergewänder, die auch in seinem Zuständigkeitsbereich in der äußeren Sakristei (Segerer) aufbewahrt wurden.

Domkustoreirechnungen

In den Domkustoreirechnungen verzeichnete der Subcustos seine Einnahmen, aber vor allem seine Ausgaben, die er für die Pflege und den Unterhalt des Domes und seiner Ausstattung tätigte. In Bamberg hat sich ein Teil dieser Rechnungen vom 14. bis ins 18. Jahrhundert erhalten. Sie werden heute zum Teil im Staatsarchiv Bamberg und zum Teil im Archiv des Erzbistums Bamberg aufbewahrt. Für die Bamberger Kaisergewänder lassen sich seit 1392 so Reparaturen nachweisen. Vor allem im 16. Jahrhundert finden sich dann auch Einnahmen zur Tunika der Heiligen Kunigunde (gest. 1033), die sich im Durchschnitt auf 235 Pfennig im Jahr belaufen.

Domschatzverzeichnis

Der Begriff bezeichnet die Inventare, die in unregelmäßigen Abständen den Domschatz auflisten. Im Gegensatz zu den Heiltumsverzeichnissen geht es hier um den materiellen Wert. Das älteste Bamberger Domschatzverzeichnis stammt aus dem Jahr 1127. Es nennt zwei Decken für das Grab des Kaisers sowie eine Tunika des Kaisers mit Goldbesatz und Perlen, aber auch 26 goldene Pluviale. Zudem wird erwähnt, dass man aus beschädigten Gewändern, die es nicht mehr wert waren, erhalten zu werden, neue, untadelige Mäntel gemacht hat. Beim letzten für die Bamberger Kaisergewänder relevanten Domschatzverzeichnis von 1736/1743 werden die heute erhaltenen sechs Gewänder aufgeführt: ein Kleid der Heiligen Kunigunde aus weißem Damast, reich mit kleinen Perlen besetzt (Bamberger Tunika), ein Mantel der Heiligen Kunigunde von rotem Damast (weißer Kunigundenmantel) sowie vier Kleider des Heiligen Heinrich aus blauem Damast (blauer Kunigundenmantel, Reitermantel, Sternenmantel und Rationale).

Doxologie

Das Fachwort (altgriechisch: δόξα ›Herrlichkeit‹ und λόγος ›Wort‹) bezeichnet in der jüdischen und christlichen Religion das feierliche, oft gebetsabschließende Rühmen der Herrlichkeit Gottes. Gott wird dabei entweder direkt angeredet oder sein Name wird mit verherrlichenden Prädikaten ausgerufen. Die Preisung endet üblicherweise mit einer Ewigkeitsformel und der Bestätigung des Volkes, dem Amen. Bei der Vertonung der Umschriften des blauen Kunigundenmantels enden die Antiphonen folglich mit den Worten "Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto. Sicut erat in principio et nunc et semper et in saecula saeculorum. Amen" (Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und Alle Zeit und in Ewigkeit. Amen).

Drehung

Wird ein Einzelfaden durch Spinnen oder Verdrillen (Spinnen von Hand ohne Werkzeug) um seine eigene Achse gedreht bzw. werden mehrere Einzelfäden durch Fachen (die Vereinigung von zwei oder mehr Fäden) und Zwirnen (Drehen) zusammengefügt, so entsteht eine Drehung, die entsprechend ihrer Richtung mit den Buchstaben S oder Z angegeben wird. Ein glatter, ungedrehter Faden wird als Faden ohne erkennbare Drehung bezeichnet.

Epigraphik

befasst sich mit Inschriften und unterscheidet drei Bereiche: die Schrift, die Sprache und den Bezug zwischen Inschrift und Trägermaterial. Inschriften sind Beschriftungen verschiedener Materialien – in Stein, Holz, Metall, Leder, Stoff, Email, Glas, Mosaik, usw. –, die von Kräften und mit Methoden hergestellt sind, die nicht dem Schreibschul- und Kanzleibetrieb angehören. Inschriften sind mit Werkzeugen ausgeführt, deren Nutzung zur Schriftherstellung man nicht im Schulunterricht lernt.

Faden

Ein Faden ist ein aus Fasern zusammengesetztes Gebilde, das als textiles Zwischenprodukt zur Herstellung von Geweben, zum Nähen und Verzieren verwendet wird. Faden wird heute als Überbegriff für Garne und Zwirne verstanden, wobei Garn als Synonym der ältere Begriff ist. Dabei ist Faden ursprünglich nur ein kurzes Stück Garn, während das Garn in der Regel das "endlos" gedachte Produkt bezeichnet und durchaus aus mehreren Fäden bestehen kann. Die Fäden können im Garn parallel neben einander liegen oder miteinander verdreht, verzwirnt sein.

Fibel/Fibula

wird eine Spange genannt, die das Gewand zusammenhält. So wurden beispielsweise weltliche Herrschermäntel im Mittelalter auf der Schulter geschlossen.

Fingerschlaufenflechten

Die Technik (Finger loop oder loop braiding) für flache oder runde Bänder ist sehr alt. Im Mittelalter wurde diese Technik für mehrfarbige, sehr reißfeste Kordeln und Bändchen für verschiedene Bereiche wie Schnürung von Kleidern oder Beuteln verwendet. Der Ursprung des Schlaufenflechtens (Dändeln) ist nicht bekannt, aber man kann es fast überall auf der Welt finden. Die Blütezeit war im 13. bis 16. Jahrhundert. Beim Schlaufenflechten werden die Fäden paarweise als Schlaufen geführt und miteinander verschlungen. Es konnte allein, zu zweit oder mit bis zu vier Personen gearbeitet werden. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder finden sich schmale Bändchen in Schlaufenflechtarbeit meist bei den Materialien der spätmittelalterlichen Reparaturen.

Flechtband

ist ein schon seit der Antike bekanntes Ornament, das durch Verschlingungen mehrerer Bänder entsteht und sich als Umrahmung oder Einfassung findet. Beim blauen Kunigundenmantel bilden Flechtbänder einerseits die Rahmung der Medaillons und imitieren andererseits das System eines Gewebes mit fortlaufendem Rapport.

Flottierung

Als Flottierung bzw. Flottung (englisch: to float ›schweben, schwimmen‹) wird bei einem Gewebe der Abstand zwischen zwei Bindungs- bzw. Kreuzungspunkten bezeichnet. Leinwandbindige Gewebe haben die kürzesten Flottierungen. Für Gewebe in Atlasbindung sind dagegen besonders lange Flottierungen charakteristisch und verleihen dem Gewebe den typischen Glanz.

Gabelkreuz

Als Gabelkreuz wird ein Kreuz in Y- oder Ψ-Form bezeichnet. In dieser Form waren im 10. und 11. Jahrhundert beispielsweise die Besätze auf Glockenkaseln angebracht. Diesen Besatztypus zeigt auch das blaue Bamberger Rationale.

Garn

Garn ist die Bezeichnung für das zum Weben oder für andere Textilarbeiten gebrauchte, endlos gedachte Material. Tatsächlich ist es sehr lang. Die Einzelfäden können im Garn parallel neben einander liegen oder miteinander verdreht bzw. verzwirnt sein.

Gemmenkreuz

Ein Gemmenkreuz ist ein mittelalterliches Kreuz, das mit Edelsteinen, Perlen oder Filigran versehen ist und so das zentrale christliche Symbol, das Kreuz Christi, als Siegeszeichen darstellt. Die ältesten erhaltenen Gemmenkreuze stammen aus dem 6. Jahrhundert. Die Mehrzahl entstand in der Karolinger- und Ottonenzeit. Dieser Art der Kreuze ähneln im Kontext der Bamberger Kaisergewänder beispielsweise die Ornamente, die am blauen Kunigundenmantel die Flächen zwischen den Medaillons füllen. Dabei imitiert die Goldstickerei die Goldschmiedearbeit der Gemmenkreuze, die farbige Seidenstickerei den Edelsteinbesatz.

(sogenannte) geritzte Seide

ist eine veraltete Bezeichnung für das in vertieften Linien wie eingeritzt erscheinende Muster von einfarbigen Seidengeweben des Hochmittelalters, wobei beim Herstellungsprozess in keiner Form geritzt wird. Das Muster entsteht im Webprozess. Besonders gut ist diese Art der monochromen Gewebemusterung beim originalen Trägerstoff des weißen Kunigundenmantels zu sehen, der ein Spitzovalmuster zeigt.

Glockenkasel/Kasel

Das liturgische Obergewand von Priestern und Bischöfen wurde um die erste Jahrtausendwende zum ausschließlichen Messgewand. Wohl von Beginn an erhielt der Priester die Kasel bei seiner Weihe. Das bis ins 13. Jahrhundert glockenförmige, also halbkreisförmig geschnittene, vorne geschlossene und folglich ringsum gleich lange Gewand (lateinisch: casula ›Häuschen‹) ohne Ärmel oder Armöffnungen umhüllte ursprünglich den ganzen Körper (Glockenkasel) und wurde über den Kopf angezogen. Die Kasel entwickelte sich aus der paenula, einem Obergewand der Antike. Etwa ab dem 5. Jahrhundert begegnet auch das Wort "planeta", das im Mittelalter synonym die Kasel bezeichnet. Die Kasel konnte aus beliebigem Material gearbeitet sein, aus schlichten Stoffen, wie Leinen oder Wolle, aber auch aus kostbaren Geweben, wie Seide. Bis zum 12. Jahrhundert war die Kasel einfarbig und der Materialwert ausschlaggebend, nicht die Farbe. Das blaue Bamberger Rationale war von Beginn an mit einer Glockenkasel verbunden. Blauer Kunigundenmantel, Reitermantel und Sternenmantel waren ursprünglich offene Pluviale, wurden aber im Laufe des Mittelalters zu Glockenkaseln geschlossen, was bei der Restaurierung der 1950er Jahre rückgängig gemacht wurde.

Goldfaden

Für die Goldfäden wurden beim Ursprungsbestand der Bamberger Kaisergewänder dünne Lahnstreifen aus Gold spiralförmig um eine Seidenseele gewickelt. Da Lahnstreifen nur in begrenzter Länge vorlagen und sich die Länge durch das Wickeln weiter verringert, wurde ein längerer Faden durch das Übereinanderlegen und gemeinsame Wickeln beider Streifen hergestellt; solche Ansatzstellen finden sich auch bei den Bamberger Kaisergewändern. Für die spätmittelalterlichen Ergänzungen besteht der Lahn aus vergoldeter Silberfolie.

Gotische Minuskel

Die Schriftart entspricht in ihrer Reinform dem Idealtyp der Textura der Buchschrift. Wie alle Minuskelschriften steht sie in einem Vierlinienschema, bei dem die Zeile in drei Schriftzonen (Unter-, Mittel- und Oberlängenbereich) eingeteilt ist. Kennzeichen sind neben dem (eher) gitterförmigen Charakter die Brechungen von Schäften und Bögen. Im Mittellängenbereich stehende Schäfte werden an der Oberlinie des Mittellängenbereichs und der Grundlinie gebrochen. Bögen werden durch (stumpfwinklige) Brechungen und/oder durch (spitzwinkliges) Abknicken in senkrechte und in der Regel linksschräge Bestandteile umgeformt. Die Beischrift auf dem Rückenschild/der Cappa des weißen Kunigundenmantels ist in Gotischer Minuskel ausgeführt.

Granatapfelmuster

ist eine Bezeichnung des 19. Jahrhunderts für Seidenmuster des Spätmittelalters und der italienischen Renaissance, in deren Dekor Granatapfelmotive vorherrschend sind. Bei den Bamberger Kaisergewändern, vor allem beim Sternenmantel und beim Rationale, aber auch beim ehemals roten, heute weißen Kunigundenmantel wurden Damaste mit Granatapfelmuster im Kontext der spätmittelalterlichen Übertragungen verwendet.

Gulden

Der Rheinische Goldgulden (lateinisch: florenus Rheni von florenus aureus ›goldener Gulden‹) war im Spätmittelalter die regionale Goldwährung im Geltungsbereich des Rheinischen Münzvereins und für das gesamte Heilige Römische Reich von größter Bedeutung. Die Goldgulden des Rheinischen Münzvereins wurden überall als Handelsmünze akzeptiert und bis ins 17. Jahrhundert als Rechnungsmünze verwendet. Die gängige Abkürzung für Gulden ist fl. oder f. Im Spätmittelalter kann für Bamberg angenommen werden, dass 1 fl. der Summe von 156 bis 252 Pfennigen entspricht. Im Kontext der spätmittelalterlichen Reparaturen der Bamberger Kaisergewänder werden in den Domkustoreirechnungen häufig teurere Ausgaben wie der Einkauf von Gold, kostbaren Stoffen, aber auch der Lohn für die Sticker in Gulden angegeben. So kostete der neue Trägerstoff für den blauen Kunigundenmantel im Jahr 1437 36 Gulden, Dorothea Beham erhielt im Jahr darauf einen Lohn von 15 Gulden.

Haltefäden

Bei der Goldstickerei in Anlegetechnik werden die Goldfäden Muster entsprechend ausschließlich auf der Oberseite der zu bestickenden Fläche nebeneinander angelegt und mit den Überfang- oder Haltefäden aus Seide, die durch das Gewebe geführt werden, auf dem Trägerstoff fixiert.

Häutchengold/-silber

ist Blattgold oder -silber, das auf eine tierische Membran, häufig Darmhäutchen von Rind oder Schaf oder aus Tierhaut geklebt, dann in schmale Streifen geschnitten um eine Seidenseele gesponnen wurde. Aufgrund des Material kann es auch Ledergold/-silber genannt werden. Die Blütezeit der Verwendung war vom späten 10. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Das Häutchengold ist weniger glänzend und abriebgefährdeter als Goldlahn, aber deutlich kostengünstiger.

Heiltumsweisung

Heiltumsweisungen waren mittelalterliche Großveranstaltungen, bei denen der Reliquienschatz einer Kirche feierlich den Gläubigen gezeigt wurden. Mit dem Bußgottesdienst war ein Ablass verbunden. Wegen der großen Besucherzahl fanden die Bamberger Heiltumsweisungen von einer temporär errichteten Bühne im Bereich des Domkranzes unter freiem Himmel etwa in 7jährigem Rhythmus statt. Zu den Veranstaltungen wurden Heiltumsbücher oder Heiltumsverzeichnisse mit kurzen Beschreibungen gedruckt, denen zumeist in Holz geschnittene Abbildungen der Reliquien bzw. der Reliquienbehältnisse beigegeben waren. Das früheste geschriebene Bamberger Heiltumsverzeichnis stammt von kurz vor 1380. Im Jahr 1509 fand die letzte öffentliche Heiltumsweisung statt. Die Heiltumsverzeichnisse konnten als eine Art Programmheft und späterhin als Erinnerungsstütze genutzt werden. In der Staatsbibliothek Bamberg werden fünf Exemplare gedruckter Bamberger Heiltumsbücher verwahrt. Diesen Drucken zufolge wurden die Kaisergewänder über Stangen gelegt als Auftakt präsentiert: nach der Georgs- und der Heinrichsfahne folgte ein Heinrichsmantel (der Reitermantel) als erstes Kleidungsstück, nach einer Art Waffenrock kam eine Tunika und eine Dalmatik des Kaisers, gefolgt von zwei Kunigundenmänteln (dem blauen und dem weißen, damals roten Kunigundenmantel) und mindestens einem Kunigundenrock (Bamberger Tunika). Schweißtuch und Kasel des Heiligen Otto schlossen die Textilien zunächst ab. Nach ihnen wurden beispielsweise Messer und Ketten des Heiligen Petrus gezeigt sowie eine Reihe von Reliquiengefäßen. Rationale und Sternenmantel gehörten nicht zum Bamberger Heiltum.

Hemisphäre

Als Hemisphären (Kugelgewölbe, Kuppel) werden am Sternenmantel die beiden Darstellungen des nördlichen und südlichen Sternhimmels bezeichnet. Sie zeigen die Sternbilder in ihrem astronomischen Zusammenhang.

Herrschaftsinsignien

Der Fachbegriff bezeichnet die Gegenstände, die die Macht und Würde eines Herrschers sichtbar machen. Als bekannteste Insignien des Abendlandes gelten wohl Krone, Szepter und Reichsapfel. Bei den byzantinischen Herrschern sind es daneben Loros und Labarum. Bei den Kaisern und Königen des Heiligen Römischen Reiches gehören zudem die Heilige Lanze und das Reichsschwert dazu, aber auch verschiedene Kleidungsstücke, wie der Krönungsmantel. Diese sogenannten Reichskleinodien formieren sich erst im Laufe der Jahrhunderte zu einer fest definierten Gruppe. Als einziger fast vollständig erhaltener Kronschatz des Mittelalters werden die Reichskleinodien heute in der Weltlichen Schatzkammer Wien aufbewahrt.

Herrschaftsgebiet Heinrichs II.

Heinrich II. (973-1024, reg. 1014-1024) stammte aus dem Adelsgeschlecht der Ottonen und war zunächst Herzog von Bayern (995-1004; 1009-1017), ab 1002 König des Ostfrankenreiches und ab 1004 König von Italien. 1014 wurde er in Rom zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Sein Herrschaftsgebiet umfasste in der Längsausrichtung ein Gebiet südlich von Rom bis an die Grenze des Königreichs Dänemark bei Schleswig im Norden. In der Breitenausdehnung reichte es von der Grenze Frankreichs und Burgunds bis zu den Grenzen Polens, Ungarns und Kroatiens. In diesem Gebiet muss sich entweder eine ortsgebundene Werkstatt für Goldstickereien befunden haben, oder aber es handelte sich um eine mobile Werkstatt im Gefolge des Kaisers. Für beide Annahmen fehlen schriftliche Quellen.

Hohelied

Das Hohelied ist ein Buch des Alten Testaments. Es handelt sich um eine Sammlung von zärtlichen, teilweise explizit erotischen Liebesliedern, in denen das Suchen und Finden zweier Liebender geschildert wird. Mann und Frau besingen in sehr bildhafter Sprache abwechselnd ihre Liebe zueinander, ihr gegenseitiges Verlangen und die Schönheit der geliebten Person. Die christliche Auslegung interpretiert die erotische Annäherung als Beschreibung der Liebe zwischen Christus und der Kirche als Braut Christi, wobei Christus als der neue Salomo, seine Mutter Maria als Sinnbild für die Kirche gesehen wird. Aufgrund der ursprünglichen hebräischen Bezeichnung heißt es auch "Lied der Lieder", in der lateinischen Bibelübersetzung "Canticum Canticorum".

Hortus Conclusus

Der Hortus conclusus (lateinisch für ›verschlossener Garten‹) ist ein Bildthema oder Motiv der christlichen Kunst im Kontext der Mariensymbolik. Im Hohenlied des Alten Testaments heißt es: "Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, ..." (Hld 4,12) Mit diesem verschlossenen Garten wird die Jungfrau und Gottesmutter Maria verglichen. Oft ist der Hortus conclusus nur angedeutet, wie beim Verschlussriegel des weißen Kunigundenmantels, den der Mantel bei seiner spätmittelalterlichen Übertragung 1478/1479 erhielt. In Verbindung mit der Darstellung der Heiligen Kunigunde (gest. 1033) auf dem Rückenschild wird dadurch ihre mariengleiche Verehrung in Bamberg betont.

Ikonographie

Beschreibung und Deutung der Inhalte von Bildern und deren Herkunft.

Indigoide Farbstoffe

sind pflanzliche Farbstoffe zur Blaufärbung. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder wurden indigoide Farbstoffe für die Blaufärbung der Trägergewebe des 11. Jahrhunderts verwendet. Die Indigo-Farbstoffquelle stammt entweder von orientalischen Indigo- (Indigofera- oder Polygonum-Arten) oder Waid-Arten (Isatis tinctoria L.) und entspricht damit den damals üblichen Färbemethoden.

Kandelaber

ist ursprünglich ein kleiner Leuchter, später ein großer, auf der Erde stehender Leuchter mit reichen Verzierungen und Verzweigungen. Florale Ornamente wie in den Verbindungsmedaillons des Reitermantels, die aus einem Leuchterfuß zu erwachsen scheinen, werden als Kandelaberbäumchen bezeichnet.

Kapitalis

ist die Monumentalschrift der Antike, die – in mehr oder weniger geschickter Umsetzung – die epigraphische Schrift der Spätantike und des Frühmittelalters bleibt. Sie tritt freilich in regional sehr unterschiedlichen rustikalen, verschieden stark stilisierten Ausführungen auf. Die karolingische Kapitalis nimmt in Anlehnung an die antiken Vorbilder deren Merkmale wieder auf und erreicht gelegentlich deren hohes Niveau. Die enge Orientierung an der klassischen Schriftausprägung nimmt dann bei der spätkarolingischen bzw. karolingisch-ottonischen Kapitalis allmählich ab. Charakteristisch sind Großbuchstaben, wie sie beispielsweise die Beischriften des blauen und des weißen Kunigundenmantels, des Bamberger Rationale und des Sternenmantel Heinrichs II. (973-1024, reg. 1014-1024) zeigen.

Karmesin(rot)

Karm(e)sin (echtes Karmin) ist ein aus Cochenilleschildläusen gewonnener roter Farbstoff, dessen Hauptbestandteil die Karminsäure ist. Der Farbstoff ist verwandt mit Kermes (unechtes Karmin), das aus Schildläusen aus dem Mittelmeerraum, der indischen Lackschildlaus oder der polnischen Schildlaus (siehe Schildlausfarbstoffe) gewonnen wird. Ein Gewebe am spätmittelalterlichen Trägergewand des Reitermantels weist eine karmesinrote Färbung auf, allerdings wurde der genaue Farbstoff nicht analysiert.

Kette

Im Textilbereich bezeichnet Kette die Gesamtheit der Längsfäden in einem Gewebe, oder der Längsfäden für ein Gewebe, die auf den Webstuhl bzw. das Webgerät aufgezogen werden (auch: Zettel oder Zeddel). Bei mehrkettigen Stoffen übernimmt die Hauptkette die führende Funktion im Gewebe. Zur Musterung des Gewebes können zusätzliche Kettsysteme verwendet werden, z.B. die Binde- oder die Florkette.

Korrosion

ist die durch Oxidation bewirkte Zersetzung eines Materials. Hierbei ist die direkte Reaktion von chemischen Elementen mit Sauerstoff dominierend. Bei den vergoldeten Silberfäden, die bei den spätmittelalterlichen Reparaturen der Bamberger Kaisergewänder verwendet wurden, korrodierte das Silber aufgrund des Schwefeldioxidgehalts in der Luft durch die dünne Zwischgoldauflage zu Silbersulfid. Diese Korrosionsschicht überlagert heute also das Gold und lässt es grau erscheinen.

Köperbindung

In der Weberei basiert die Köperbindung auf einem System von mindestens drei Kett- und drei Schussfäden. Der Schussfaden kommt unter einem Kettfaden, dann über (mindestens) zwei Kettfäden, dann wieder unter einem Kettfaden zum Liegen. Dieser Rhythmus wird in den folgenden Reihen jeweils um einen Kettfaden versetzt, sodass sich die Bindungspunkte um jeweils einen Kettfaden in fortlaufend derselben Richtung verschieben. Dabei entstehen markante diagonale Grate, die entweder von links oben nach rechts unten (S-Grat) oder von rechts oben nach links unten (Z-Grat) verlaufen. Die beiden Seiten eines in Köperbindung gewebten Stoffes sehen unterschiedlich aus.

Krapp

Aus den Wurzeln der Krapppflanzen werden Farbstoffe zur Rotfärbung gewonnen. Je nach verwendeter Beize können orangerote bis blaurote Farbtöne erzielt werden. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder ließ es sich bei den Besätzen der Tunika und den spätmittelalterlichen Konturfäden nachweisen. Die Zusammensetzung spricht für eine Verwendung der Wurzeln von kultiviertem Krapp (Rubia tinctorum L.). Auch bei den blauen Trägergeweben des 11. Jahrhunderts wurde Krapp nachgewiesen und diente wohl dazu, einen violetteren Blauton zu erzielen.

Kreuznimbus

ist die Sonderform eines Nimbus mit einem eingeschriebenen Kreuz, das in der Darstellung Gott, Christus und den Heiligen Geist besonders auszeichnet und hervorhebt.

Krönungsornat

ist die Gesamtheit der Kleidung und Ausstattung, die ein Herrscher während der Krönung trägt. Der Krönungsornat der römisch-deutschen Kaiser bestand seit der Stauferzeit aus dem Krönungsmantel, der Alba, der blauen Tunicella, der Adlerdalmatika, einem Paar Handschuhe, Strümpfen und Schuhen. Zudem werden zum Krönungsornat auch die Herrschaftsinsignien (Krone, Reichsapfel, Szepter und Reichsschwert) gezählt.

Kürzungsstrich

In mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften werden zur Abkürzung von Wörtern als häufigstes Kürzungszeichen Kürzungsstriche verwendet. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder finden sich meist waagrechte Striche über den Buchstaben. Die Kürzungsstriche können aber auch durch einen Teil des Buchstaben verlaufen. Sie zeigen die Auslassung eines oder mehrerer Buchstaben im Wortinneren oder am Wortende an.

Labarum

Das Labarum war die Hauptheeresfahne der spätantiken römischen Armee seit der Zeit Kaiser Konstantins (306-337) und Herrscherattribut des byzantinischen Kaisers. Das Feldzeichen bestand aus einer langen Lanze mit einem Querbalken, von welchem ein quadratisches Tuch (mit Christusmonogramm) herabhing. Am weißen Kunigundenmantel zeigen die Kaiserdarstellungen jeweils einen Kaiser, der ein Labarum in der Hand hält. Im Zentrum des Labarums ist dort ein Kreuz zu erkennen.

Lahn

ist ein feiner, schmaler Metallstreifen. Der Lahn kann unmittelbar zum Weben verwendet werden oder – wie bei den Bamberger Kaisergewändern – nachdem er um einen Kernfaden (Seele) gesponnen wurde. Die frühen Goldlahne wurden aus fast reinem Gold mit einem geringen Silber- und Kupferanteil hergestellt. Viele Lahne sind schmäler als 0,5 mm und nur wenige Mikrometer stark. Lahn und Seele bilden zusammen den Metallfaden, der in der Regel einen Durchmesser zwischen 0,1 und 0,5 mm besitzt. Bei den Bamberger Kaisergewändern zeigt sich eine inhomogene Oberflächenstruktur, die wohl auf eine flach geschmiedete Metallfolie zurückzuführen ist, von der der Lahn abgeschnitten wurde. Aufgrund der Grate/Quetschwulste an den Lahnkanten ist von ziehendem Schneiden auszugehen. Zudem konnte bei den Bamberger Kaisergewänder eine flächige Beschichtung der Lahne nachgewiesen werden, die eventuell vom Aushämmern der Metallfolie zwischen tierischen Häuten herrührt oder von Bolus (Pigment) stammt, das als Klebemittel bekannt ist.

Lampas

bezeichnet ein gemustertes Gewebe, in dem das Muster durch Flottierungen des Grundschusses oder durch einen zusätzlichen Schuss erzeugt wird. Die Schussflottierungen, die das Muster bilden, werden durch eine Bindekette, meistens in Leinwand- oder Köperbindung abgebunden. Diese Mustereffekte ruhen auf einem Grundgewebe, das aus Hauptkette, eventuell aus Haupt- und Flottierkette, und Grundschuss gebildet wird und in Leinwand-, Köper- oder Atlasbindung hergestellt sein kann. Die Lampasgewebe sind das Ergebnis einer technischen Entwicklung, die eine Verkreuzung der Hauptkettfäden zwischen den Schussflottierungen eingeführt hat.

Legitimation

(lateinisch: lex ›Gesetz, Rechtfertigung‹) ist die Bestätigung der Macht oder eines Machtanspruchs.

Leinen

Leinen oder Flachs bezeichnet die pflanzliche Faser des Gemeinen Leins (Linum usitatissimum) und auch die daraus gefertigten Gewebe. Die Naturfaser ist gut zu Fäden verspinnbar, sehr reißfest und bildet keine Flusen. Leinen wird seit über 30.000 Jahren zur Herstellung von Kleidung verwendet. Im Mittelalter wurde es aufgrund seiner schmutzabweisenden Eigenschaften und der Waschbarkeit mit hohen Temperaturen für körpernahe und rein weiß zu haltende Textilien wie Hemden, Hauben und Altarwäsche eingesetzt. Aufgrund der Stabilität und vergleichsweise kostengünstigen Herstellungsmöglichkeiten war es zudem beliebter Untergrund beispielsweise für vollflächige Stickereien. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder findet Leinen in der Regel Verwendung bei den spätmittelalterlichen Reparaturen. Zum Teil lässt es sich auch als Stützgewebe nachweisen, das im Herstellungsprozess des 11. Jahrhunderts zur Stabilisierung der Goldstickerei oder von Nähten, die noch ohne Stickrahmen überstickt werden mussten, unter das seidene Trägergewebe eingearbeitet wurde.

Leinwandbindung

In der Weberei ist die Leinwandbindung die einfachste, älteste und festeste Bindungsart, bei der der Schussfaden abwechselnd über und dann wieder unter den Kettfäden zum Liegen kommt. Auf der Rückseite des Gewebes erscheint ein um einen Bindungspunkt versetztes, also nahezu identisches Bild.

Ligatur/Nexus litterarum

ist die Verbindung von zwei oder mehreren Buchstaben. Die Art der Verbindung kann variieren. Sie resultiert ursprünglich aus dem kursiven Schreiben, wo mindestens zwei Buchstaben durch Veränderung ihrer Form verbunden werden. Im epigraphischen Bereich erscheinen häufig Verbindungen, bei denen ein oder mehrere Buchstabenteile miteinander verschmelzen, sodass sie einen konstituierenden Bestandteil gemeinsam haben. Um zwei in ihrer Herkunft und ihrem Erscheinungsbild verschiedene Phänomene nicht mit demselben Begriff bezeichnen zu müssen, kann im epigraphischen Bereich auch von Nexus litterarum (lateinisch: nexus litterarum ›Verbindung der Buchstaben‹) gesprochen werden. Durch die Buchstabenverbindung kann auf der begrenzten Fläche eines Inschriftenträgers Platz gespart werden. So sind zum Beispiel bei dem Wort EUROPAE der Saumumschrift des Sternenmantels die Buchstaben UR durch Ligatur miteinander verbunden.

Liturgie

Als Liturgie (altgriechisch: λειτουργία ›öffentlicher Dienst‹) wird die Ordnung und Gesamtheit der religiösen Zeremonien und Riten des christlichen Gottesdienstes bezeichnet.

Loros

Neben der Krone ist der Loros die wichtigste Insignie des byzantinischen Kaisers, eine mit Edelsteinen verzierte Stola, die von der zusammengefalteten, antiken "toga picta" der Senatoren und der "trabea triumphalis" abgeleitet werden kann. Ausgehend vom byzantinischen Kaiser und seiner Frau nicht nur in Sizilien, sondern seit den Ottonen bei den Kaisern des Heiligen Römischen Reichs bekannt und getragen. Der byzantinische Loros war mehrere Meter lang und wurde so um den Körper gewickelt, dass das Erscheinungsbild an das Christusmonogramm erinnert. Ein Ende dieser Herrscherstola wurde über den linken Arm drapiert. Frauen trugen den schweren Loros manchmal gegürtet. In den Kaiserdarstellungen des weißen Kunigundenmantels wird der Loros entgegen dieser üblichen Trageweise wiedergegeben, vor allem fehlt eindeutig das über den linken Arm gelegte Ende.

Märtyrer

Als Märtyrer (altgriechisch: μάρτυρια ›Zeugnis‹) werden Menschen bezeichnet, die wegen ihres Glaubens leiden und sterben. Am Bamberger Rationale sind die beiden Märtyrer Stephanus und Dionysius dargestellt.

Majuskel

(lateinisch: maiusculus ›etwas größer‹) bezeichnet die Großbuchstaben des Alphabets bzw. eine ausschließlich in ein Zweilinienschema eingepasste Schriftart (Majuskelschrift). Die Saumumschrift des Sternenmantels ist aus Majuskeln gebildet.

Mandorla

(italienisch: mandorla ›Mandel‹) bezeichnet ein mandelförmiges, also spitzovales Medaillon oder auch einen Strahlenkranz als Merkmal der göttlichen Herrlichkeit. Die zentrale Rückendarstellung des blauen Kunigundenmantels zeigt Christus, der aus dem geöffneten Himmel schreitet, in einer Mandorla.

Minuskel

(lateinisch: minusculus ›etwas kleiner‹) bezeichnet Buchstaben, die mit Ober- und Unterlängen in einem Vierlinienschema stehen bzw. Kleinbuchstaben.

Mitra

Mitra (lateinisch: mitra ›Kopfbinde‹) bezeichnet im christlichen Kontext den liturgischen Kopfschmuck von Bischöfen und kirchlichen Würdenträgern mit eigenem Jurisdiktionsbereich wie infulierten Äbten. Sie ist erstmals Mitte des 10. Jahrhunderts in Rom bezeugt und um 1000 auch außerhalb Roms. Leo IX. (1049-1054) gewährte einigen Bischöfen und Erzbischöfen das Privileg, die Mitra zu tragen, wenn auch teilweise nur an gewissen Festtagen und in bestimmten Kirchen. Spätestens im 12. Jahrhundert wird sie nicht mehr durch den Papst verliehen, sondern zum üblichen Kopfschmuck der Bischöfe. Mitren waren bis um 1100 kegelförmig, danach tritt eine Rundmütze in Erscheinung, während sich die zwei spitzen Schilde erst im 12. Jahrhundert herausbilden. Im Mittelalter kann auch das Wort "infula" (Kopfbinde) die Mitra bezeichnen. Allerdings ist dies nicht als Synonym zu verstehen, denn es meint im übertragenen Sinne auch die bischöfliche Würde und damit auch den dem Bischof zustehenden Pontifikalornat allgemein.

Model

Sich wiederholende Muster wie die Kaiserdarstellungen auf dem weißen Kunigundenmantel können mithilfe einer Model auf das Gewebe übertragen werden. Die Model wird beispielsweise aus Holz geschnitzt und mit Farbe bestrichen, die feucht auf den Stoff abgegeben wird. Auch das Pfauenfedermuster eines Leinengewebes, das im spätmittelalterlichen Trägergewand des ehemals roten Kunigundenmantels gefunden wurde, ist mit einer Model aufgedruckt. Die deutlich sichtbaren Kanten belegen, dass die Model rechteckig war.

(Alte) Münze

Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder bezeichnet die (Alte) Münze das königliche Münzamt in München, in das die Gewänder im Zuge der Säkularisation gebracht wurden. Das Gebäude befindet sich in der Nähe der Münchner Residenz und wurde 1563 bis 1567 als Marstall- und Kunstkammergebäude für Herzog Albrecht V. (1550-1579) erbaut und im frühen 19. Jahrhundert als Hauptmünzamt verwendet. Man ging lange davon aus, dass die Gewänder dorthin gelangten, um das Gold auszubrennen und weiterzuverwenden. Dies ist jedoch nur eine Möglichkeit. In dem Gebäude war auch die Kunst- und Wunderkammer untergebracht, wo die Gewänder eine ihrem Wert entsprechende Aufbewahrung gefunden haben können, bis sie nach und nach in den Bestand der Reichen Kapelle überführt wurden.

Neumen

Neumen (altgriechisch: νεῦμα ›Wink‹) werden graphische Zeichen, Figuren und Symbole genannt, die seit dem 9. Jahrhundert zur Notation des Gregorianischen Gesangs verwendet wurden. Meist stehen sie über dem Text. In den Vergleichshandschriften für die Umschriften des blauen Kunigundenmantels ist die Musik in linienlosen Neumen notiert. Das bedeutet, dass keine Tonhöhen angegeben sind, wohl aber Melodiebewegungen und Verzierungen. In der damals stark mündlich geprägten Kultur genügte diese Notierung durchaus, um dem Gedächtnis aufzuhelfen, die memorierten Gesänge zu singen. Ohnehin waren Antiphonare meist nur für die Kantoren gedacht, welche ihr Repertoire überblicken und die Sänger anleiten mussten.

Nimbus/nimbiert

bezeichnet einen Strahlenkranz oder Scheibe hinter dem Kopf zur Auszeichnung göttlicher Personen, aber auch von Heiligen, Aposteln und Propheten. Der Nimbus (lateinisch: nimbus ›Wolke‹) zeichnet sie in besonderer Form gegenüber anderen Figuren aus.

O-Antiphon

In der zentralen Rückendarstellung des blauen Kunigundenmantels kommen die sogenannten O-Antiphonen vor, die in wechselnder Anzahl an den letzten Adventstagen vor dem Heiligen Abend gesungen werden. Jesus wird darin unter anderem als "Weisheit", "Morgenstern" und "König der Völker" angerufen. Das "O" zu Beginn, das ihnen den Namen gibt, ist die staunende Anrufung des erwarteten Messias, der Ausruf "Veni!" (Komm!) leitet die jeweils letzten Worte ein, die um Einsicht, Errettung, Erlösung oder Offenbarung bitten. Die Nöte der Menschen werden mit dem Ersehnen der Ankunft des Messias in kunstvoller Verwebung von Zitaten aus dem Alten Testament verknüpft. Die O-Antiphonen haben alle das gleiche Melodiegerüst, und doch gibt es in jeder Melodie kleine Abweichungen und Eigenheiten, nicht zuletzt durch den Einfluss des jeweils anderen Textes.

Oberseite

bezeichnet die rechte oder Schauseite eines Gewebes, die die beabsichtigte Musterwirkung zeigt. Diese Seite ist nicht immer identisch mit der Seite, die beim Webvorgang oben liegt.

Orantenhaltung

bezeichnet die Gebetshaltung mit erhobenen Händen.

Ornat

bezeichnet im christlich-liturgischen Kontext die Gesamtheit der für ein Hochamt verwendeten Gewänder und sonstigen Paramente. Dazu gehören mindestens ein Pluviale, eine Kasel und zwei Dalmatiken sowie Stolen, Manipel, unter Umständen auch Mitra, Palla und Antependium. In den Bamberger Domkustoreirechnungen des Spätmittelalters scheint der Begriff auf die liturgische Kleidung, vor allem auf Gewänder mit Goldstickerei beschränkt zu sein. Außerdem kann die anlassgebundene Kleidung oder Amtstrachten als Ornat bezeichnet werden, wie der Krönungsornat eines Herrschers.

Pailletten

sind kleine runde Gold- oder Silberplättchen, gestanzt oder gewalzt, mit einem Loch zum Anheften auf dem Stoffgrund. Sie wurden beispielsweise auf der Cappa des weißen Kunigundenmantels eingesetzt. In den Bamberger Domkustoreirechnungen werden sie auch als "schuppelen" oder "puckelen" bezeichnet.

Pallium

ist eine (erz)bischöfliche Insignie aus weißem Wollgewebe, die mit Kreuzen verziert ist. Seit dem Mittelalter entspricht es in der Form einem ringförmig um die Schultern gelegten Band mit zwei langen, über Brust und Rücken herabhängenden Enden. Das Recht zum Tragen des Palliums wird den Bamberger Bischöfen 1053 von Papst Leo IX. (1040-1954) verliehen. Daher kann das rangniedrigere Rationale in Bamberg nicht nur von Bischöfen, sondern auch von Priestern getragen werden, die an "Rationale würdigen" Tagen die Messe feiern.
Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder wird der Begriff jedoch auch vor allem in den Heiltumsverzeichnissen und Domkustoreirechnungen als Synonym für Pluviale verwendet. Das Wort (lateinisch: pallium ›Mantel‹) kann im kirchlichen Kontext darüber hinaus auch Vorhänge, Altar- oder Wandbekleidung, Antependien und Wandteppiche bezeichnen.

Paramente

ist der Überbegriff für die liturgische Gewandung des Altardienstes, für die Textilien, die zur Ausstattung des Altars, des liturgischen Geräts, des Kirchenmobiliars und des Kirchenraums benötigt werden, sowie für Textilien, die bei besonderen liturgischen Anlässen (z.B. Prozessionen) verwendet werden. Deshalb können der blaue und der weiße Kunigundenmantel sowie das Rationale noch heute als Paramente verstanden werden. Sicher hatte auch der Reitermantel zeitweise diese Funktion.

Pendilien

bezeichnen aufwendig mit Perlen verzierte Schnüre (lateinisch: pendulus ›hängend‹) an Diademen, Kronen, Ohrringen, Fibeln und anderen Schmuckstücken. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder sind damit die rechts und links des Diadem- oder Kronreifens herabhängenden Schmuckschnüre gemeint.

Pergamin

ist ein aus fein gemahlenem, gebleichtem Zellstoff hergestelltes, weitgehend fettdichtes, aber nicht nassfestes Transparentpapier. Tüten dieses Materials wurden bei der Restaurierung der 1950er zur Aufbewahrung abgenommener Fragmente verwendet.

Pfund/Libra

Mit der Verbreitung der Gewichtseinheit Pfund im gesamten Abendland wurde das Pfund zum Namensgeber für zahlreiche Münzen und Währungssysteme, abgeleitet von libra ›Waage, Pfund‹ ist die gängige Abkürzung lb. Im Spätmittelalter kann für Bamberg durchschnittlich angenommen werden, dass 30 Pfennige einem Pfund (lb) entsprechen. Der Lohn, den Dorothea Beham 1438 für ihre Arbeit am blauen Kunigundenmantel erhielt, betrug 15 Rheinische Goldgulden, für je 6 Pfund, also insgesamt 90 Pfund.

Pluviale

Das Pluviale (lateinisch: pluvia ›Regen‹), auch Chormantel bzw. Cappa, Chorkappe, Rauch-, Segens- oder Vespermantel genannt, ist ein fast knöchellanger halbkreisförmiger Mantelumhang ohne Ärmel oder Ärmelöffnungen. Ursprünglich geschlossen ist es spätestens seit dem 11. Jahrhundert vorne offen und im oberen Brustbereich mit einer Schließe (Chormantelschließe) zusammengehalten. Die ursprüngliche Kapuze geht schnell verloren, ist ab dem 13. Jahrhundert höchstens als Zierkapuze vorhanden bis nur noch ein schildförmiges Stoffstück als Überrest bleibt und als Fläche für Bildprogramme dient. Das Pluviale entwickelte sich aus der klerikalen mönchischen Cappa des 8. und 9. Jahrhunderts, wie sie beim Chorgebet oder bei Prozessionen getragen wurde und kam ab dem 10. Jahrhundert als liturgisches Gewand in Gebrauch. Nachdem die Kasel zum ausschließlichen Messgewand geworden war, ist das Pluviale das liturgische Obergewand des Priesters bei allen feierlichen Funktionen, die keine Messfeiern sind, z.B. Prozessionen, feierliche Segnungen mit einer Monstranz oder Andachten. In der Regel wurden Pluviale bis weit nach der Heinrichszeit aus Geweben mit großen Webbreiten gearbeitet. Dazu wurde der Mittelteil unten leicht halbrund geschnitten. Aus den Resten wurde das Halbrund an den beiden Schmalseiten ergänzt. Sie bildeten im getragenen Zustand den vorderen Saum. Bei den Geweben liegen die Muster auf der Vorderseite deshalb um 90° gekippt. Stickereien glichen diesen "Fehler" aus, in dem sie meist radial ausgerichtet wurden, sodass die Bilder im getragenen Zustand immer senkrecht standen.

Prophetenzyklus

Der Begriff benennt eine bildliche Reihung der biblischen Propheten, die entweder aus den vier "großen" (Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel), den zwölf kleinen Propheten (Hosea, Joël, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi) oder alle 16 umfassen kann. Die Reihe kann aber auch wie am blauen Kunigundenmantel eine andere Auswahl enthalten. Dort gehören zum Prophetenzyklus Mose, Micha, Hosea, Jesaja oder Johannes der Täufer, Joël, Sacharja, Habakuk, Haggai, Zefanja, Baruch, Ezechiel, Isaak, Daniel und Jakob. Zwei Figuren sind verloren gegangen. Von ihrem ursprünglichen Vorhandensein zeugen heute nur zwei leer, angeschnittene Medaillonrahmen.

Protolampas

bezeichnet eine bestimmte Art mittelalterlicher Gewebe mit zwei Kett- und zwei Schusssystemen sowie zwei unterschiedlichen Effekten. Der eine Effekt entsteht durch Haupt- und Bindekette sowie den Grundschuss, die zusammen in Leinwandbindung arbeiten (jeweils ein Kettsystem). Der zweite Effekt wird gebildet durch den Lancierschuss, abgebunden durch die Bindekette in Köper. Die Bindung kombiniert Elemente von Samit- und Lampasgeweben und stellt gewissermaßen einen Übergang zwischen beiden dar. Diese Bindung kam in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts auf und wurde höchstens 200 Jahre verwendet.

Querschliff

ist ein Fachausdruck, der im Kontext der Bamberger Kaisergewänder den Querschnitt durch einen Metallfaden zur Materialanalyse bezeichnet.

Quetschwulste

ist ein Fachausdruck für die Verdickung an den Längskanten des Goldlahns. Sie entstehen durch das Schneiden der dünnen Lahnstreifen und können Hinweise auf das verwendete Werkzeug geben.

Rapport

Der Rapport bezeichnet die kleinste, sich regelmäßig wiederholende Mustereinheit.

Rationale/Superhumerale

Ein Rationale ist ein liturgischer, in der Regel pontifikaler Schulterschmuck, der üblicherweise ausschließlich über der Kasel (fast nur nördlich der Alpen) getragen wird. In der Vulgata, der lateinischen Bibelübersetzung, bezeichnet "rationale" den prunkvollen, mit zwölf Juwelen besetzten Brustschild bzw. die mit diesem Schild besetzte Lostasche (Choschen) der alttestamentlichen Hohepriester (Ex 28, 6-30). Darunter trugen die Hohepriester des Alten Testaments einen textilen Schulterkragen, das Ephod. Dieser Begriff wird in der Vulgata mit "superhumerale" übersetzt. Hinsichtlich des Materials und des Schnitts leiten sich die erhaltenen textilen Rationale folglich eher vom Ephod ab, weshalb die Begriffe ›Rationale‹ und ›Superhumerale‹ im deutsch-sprachigen Raum meist synonym verwendet werden. Es haben sich unterschiedliche Form- und Tragevarianten überliefert. Der älteste Typ, den das blaue Bamberger Rationale überliefert, setzt sich aus einem querrechteckigen Brust- und Rückteil zusammen, die jeweils seitlich durch längere Zierstreifen eingefasst und durch Scheiben an den Schultern verbunden werden. Anfangs waren Rationale noch fest mit der Kasel verbunden bzw. darauf angebracht. Im Kontext des weißen, ehemals roten Kunigundenmantels haben sich Stickereifragmente auf rotem Trägergewebe erhalten, die ebenfalls zu einem Rationale rekonstruiert werden könnten. Es verkörpert einen jüngeren, Y-förmigen Typus, bei dem drei Medaillons auf Schultern und Brust durch querrechteckige Zwischenstücke mit Inschriften verbunden werden. Das Tragen des Rationale wurde ab Mitte des 10. Jahrhunderts zum Teil als päpstliches Privileg mit Urkunde zahlreichen Bischöfen und ihren Nachfolgern verliehen. Die Verleihung durch den Papst scheint in der Frühphase jedoch eher die Ausnahme gewesen zu sein, in Bamberg ist sie nicht nachzuweisen.

Reiche Kapelle

Die Reiche Kapelle der Münchner Residenz diente als privater Andachts- und Gebetsraum Herzog Maximilians I. (1597-1651, ab 1623 Kurfürst) und trug ursprünglich den Titel einer "Geheimen Kammerkapelle". Hier wurde der Heiltumsschatz, die Sammlung kostbarer Reliquien aufbewahrt. Durch die den Reliquien zugeschriebene segensbringende Kraft wurde die Reiche Kapelle zu einem ideologischen und spirituellen Zentrum der barocken Residenz. In diesen Bestand wurden die Bamberger Kaisergewänder, nachdem sie im Zuge der Säkularisation nach München gebracht worden waren, Stück für Stück bis 1820 integriert. Dort waren sie bis 1851 in einem verschlossenen Wandschrank im Vorraum der Reichen Kapelle über einander gehängt aufbewahrt.

Reliquie

(lateinisch: reliquiae ›Überbleibsel, Rest‹) ist als Gegenstand kultischer religiöser Verehrung ein irdischer Überrest der Körper oder Körperteile von Heiligen oder ein Überbleibsel des jeweiligen persönlichen Besitzes.

Reservedruck

Durch vorheriges Abdecken, Abbinden, Beizen und dergleichen werden Muster von der anschließenden Färbung des Gewebes ausgenommen, also stellenweise vor der Farbe geschützt. Die Reserven werden nach der Färbung entfernt.

Responsorium

Ein Responsorium (lateinisch: responsum ›Antwort‹) ist ebenfalls ein Gesang aus dem Stundengebet, das einen ersten, meist sehr ausgefeilten Teil hat, der von der gesamten Schola gesungen wird, dem ein Vers folgt, der solistisch gesungen wird.

Romanische Majuskel

ist eine Mischmajuskel aus eckigen und runden Buchstabenformen. Ausgehend von einem im Wesentlichen kapital bestimmten Alphabet werden zusätzlich runde (unziale und andere), aber auch eckige Sonderformen (z.B. eckige C und G) aufgenommen. Es entsteht so eine oft recht variantenreiche Schrift aus vermischten Majuskelformen mit linearem Grundcharakter. Der Anteil der zusätzlichen Buchstabenformen nimmt im Allgemeinen im Laufe der Entwicklung der romanischen Majuskel zu. Als weitere gestalterische Mittel werden vor allem in der Frühphase der romanischen Majuskel Ligaturen, Enklaven etc. verwendet.

Säkularisation

Als Säkularisation wird die staatliche Einziehung oder Nutzung kirchlicher Besitztümer (Land, Vermögen oder Wertgegenstände) bezeichnet. Im engeren Sinne versteht man darunter die Säkularisation während des napoleonischen Zeitalters (1799-1821), bei der zwei Formen zu unterscheiden sind: einerseits die Aufhebung kirchlicher Institutionen, Abteien und Klöster und die Verstaatlichung ihres Besitzes, andererseits die Einverleibung der geistlichen Fürstentümer und Herrschaften des Heiligen Römischen Reiches durch größere Territorialstaaten. Die Bamberger Kaisergewänder wurden im Zuge der Säkularisation in Bayern 1803 nach München gebracht. Im Mai 1803 war der kurfürstliche Befehl weitergeleitet worden, das von den Bamberger Kirchen, Stiften und Klöstern eingelieferte Gold und Silber zum Vermünzen (Einschmelzen) nach München bringen zu lassen. Aufgrund hoher Transportkosten und eines gesättigten Markts in Würzburg und München wurde der Großteil der 16 gepackten Kisten im August 1803 in Bamberg versteigert. Die "Kiste III", die unter anderem die Kaisergewänder enthielt, war bereits vorher ausgesondert worden. Das Bild, das sich nach Sichtung der Quellen zu den Säkularisationsvorgängen um diese "Kiste III" festigt, aber nicht zweifelsfrei belegen lässt, legt nahe, dass für ihre Separierung mutmaßlich der hochgebildete und kunstsinnige Stephan von Stengel (1750-1822) als Vizepräsident der Landesdirektion in Bamberg zusammen mit Bischof Christoph Franz von Buseck (1795-1805) die Verantwortung trug. Stengel war illegitimer Sohn des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor (1777-1799) und hegte wohl Hoffnungen, seine Karriere unter Max IV. Joseph (1799-1825) im Kontext der möglichen Rangerhöhung des bayerischen Kurfürsten weiter befördern zu können, wenn er kostbare Stiftungen Heinrichs II. nach München übersandte. Schließlich handelte es sich mit Heinrich II. (973-1024, reg. 1014-1024) bei dem Stifter um einen bayerischen Herzog, der zum Kaiser aufgestiegen war. Diese "Kiste III" enthielt die kostbarsten Stücke des Bamberger Domschatzes und wurde Mitte September 1803 ohne militärischen Begleitschutz von Fuhrmann Gabriel Reubel zunächst über Baiersdorf, wo die Königlich Preußische Zollstatt Zoll in Höhe von 48 Kreuzern forderte, nach Nürnberg transportiert. Den zweiten Teil der Reise übernahm ein Nürnberger Fuhrmann namens Kemmeter, der die "Kiste III" schließlich über die kurbayerische Grenze bei Allersberg nach München brachte. Dort wurden die Bücher am 13. November 1803 der kurfürstlichen Bibliothek (der heutigen Staatsbibliothek) zugewiesen, die Kronen des Kaiserpaares und andere Goldschmiedearbeiten ebenfalls noch 1803 der Reichen Kapelle der Münchner Residenz überwiesen, während die Gewänder zunächst in die Alte Münze verbracht wurden.

Samit

ist eine Bezeichnung für mittelalterliche Seidengewebe in Köper-Schuss-Kompositbindung mit mindestens zwei Schusssystemen desselben Materials und derselben Farbe. Die Bindung besteht aus einer Hauptkette, einer Bindekette und einer Schussfolge von zwei oder mehr Schüssen. Die Hauptkette lässt jeweils einen Schuss auf der Gewebeoberseite erscheinen, während der andere oder die anderen auf der Gewebeunterseite verbleiben. Die Bindekette bindet die Schüsse in Köperbindung. Bei einer rein schusswirkenden Samitbindung ist das Muster oft schwer lesbar. Samitgewebe sind die originalen Trägergewebe der Bamberger Kaisergewänder.

Samt

ist ein Gewebe mit einem aus zusätzlichen Ketten erzeugten Flor, das heißt für die Florbildung wird im Mittelalter mindestens eine zusätzliche Flor- oder Polkette auf unzähligen Spulen verwendet, die während des Webens über Ruten laufen und über der Grundbindung Schlingen bilden, die später aufgeschnitten werden können. Werden diese Schlingen nicht aufgeschnitten, so spricht man von un(auf)geschnittenem Samt, werden sie aufgeschnitten, von aufgeschnittenem oder gerissenem Samt. Wird ein Teil des Musters allein durch das Grundgewebe gebildet, spricht man von Ausspartechnik. Samtgewebe finden sich im Kontext der Bamberger Kaisergewänder ausschließlich unter den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Reparaturgeweben.

Satin

Synonym für Atlas, also ein Gewebe in Atlasbindung.

Schaft/Haste

bezeichnet die senkrechte Linie eines Buchstaben.

Schetter

ist eine Leinwandsorte für äußerst vielseitigen Gebrauch in der Kleidungsproduktion, die neben der Nutzung als Oberstoff auch für Regentücher und als Futterstoff nicht nur für Kleidung, sondern auch für Vorhänge und Decken Verwendung fand.

Schildlausfarbstoffe

Zu den Insekten, aus denen rote Farbstoffe gewonnen werden, gehören verschiedene Schildlausarten wie Kermes, Cochenille und Lackschildlaus. Nur das weibliche Insekt gibt diese leuchtend rote Substanz. Die Hauptverbindung ist Kermesinsäure. Kermes ist im Mittelalter die prestigeträchtigste und teuerste Quelle für Rotfärbung in Europa. Man erhält damit Rottöne von Scharlach bis Karmin, die hervorragende Licht- und Waschechtheit besitzen. Im Kontext der Bamberger Kaisergewänder konnten Schildlausfarbstoffe bei den blauen Gewändern in den roten Kontur- und Haltefäden der spätmittelalterlichen Übertragung nachgewiesen werden. Das Verhältnis der nachgewiesenen Farbstoffmoleküle lässt auf die Verwendung von polnischem (Porphyrophora polonica L.) oder armenischem Cochenille (Porphyrophora hamelii Brandt) sowie Karmin (Kermes vermilio Planchon) kombiniert mit Krapp schließen.

Schuss

bezeichnet in der Weberei die Gesamtheit der bei einem Gewebe in die Kette waagerecht von einer Seite zur anderen eingewebten Fäden, der einzelne Faden ist der Schussfaden. Bei mehrschüssigen Geweben ist der Grundschuss vorwiegend an der Bildung des Grundgewebes beteiligt, während das Muster von Musterschüssen gebildet wird.

(Seiden)seele

ist die Bezeichnung für den textilen Innen- oder Kernfaden bei Metallfäden, der gedreht oder gezwirnt sein kann. Um die Seele, bei den Bamberger Kaisergewändern immer aus Seide, wird der Gold- oder vergoldete Silberlahn gewickelt.

Seide

Seide (lateinisch: sēricus ›seiden‹) bezeichnet die tierische Faser aus den Kokons der Seidenraupe, der Larve des Seiden- bzw. Maulbeerspinners (Bombyx mori) und die daraus gefertigten Gewebe. Seide ist die einzige in der Natur vorkommende textile Endlos-Faser, die dadurch ihren hohen Glanz erhält. Die abgehaspelten Fasern wurden zunächst entbastet, d.h. der Seidenleim (durch Abkochen) entfernt. Seide wird spätestens seit dem 3. Jahrtausend v.Chr. in China zur Textilproduktion verwendet, archäologische Funde weisen auf eine Nutzung seit der Jungsteinzeit. Seit Mitte des 6. Jahrhunderts konnte Seide in Byzanz hergestellt werden. Im Mittelalter war Seide als teure Importware kostbarer Luxus. Spätestens ab dem 12. Jahrhundert wurde Italien in der Produktion europäischer Seide führend, aber auch in Spanien lassen sich Produktionsstätten nachweisen. Im deutschsprachigen Raum beginnt die Produktion einheimischer Seide erst in der frühen Neuzeit.

Silbersulfid

Silbersulfid ist ein aus einer chemischen Reaktion von Schwefel und Silber entstandenes Salz. Bei den vergoldeten Silberfäden, die bei den spätmittelalterlichen Reparaturen der Bamberger Kaisergewänder verwendet wurden, korrodierte das Silber aufgrund des Schwefeldioxidgehalts in der Luft durch die dünne Zwischgoldauflage zu Silbersulfid. Diese Korrosionsschicht überlagert heute also das Gold und lässt es grau erscheinen.

Spaltstich

Der Spaltstich gehört zu den Rückstichen und ist ein Linienstich, der in der Regel von links nach rechts gestickt wird. Die Nadel wird am linken Ende der zu stickenden Linie zur Oberfläche geführt. Am Ende der Stichlänge sticht die Nadel durch das Trägermaterial und wird etwa eine halbe Stichlänge zurückgeführt. Dort sticht sie durch den ersten Stich hindurch zur Oberfläche. Dabei wird der alte Stich "gespalten".

Sphaira

Die Sphaira (altgiechisch: σφαῖραphaera ›Himmelskugel‹) war bereits in der Antike in Gestalt des Globus vom göttlichen zum kaiserlichen Machtsymbol und Sinnbild für die Weltherrschaft geworden. Zusammen mit dem Kreuz übernahmen die christlichen Kaiser die Sphaira als Herrschaftszeichen, bis sie im 11. Jahrhundert vom Reichsapfel abgelöst wurde.

Sporen

sind Schaft-, Balken- oder Bogenenden von Buchstaben. Es handelt sich um einseitig oder beidseitig überstehende Striche. Sie können sehr unterschiedlich ausgeführt sein und in verschiedenen Winkeln ansetzen.

S-/Z-Richtung

Die Diagonale im Buchstaben – von links unten nach rechts oben (= Z) und von rechts unten nach links oben (= S) – gibt die Richtung für Fadendrehung oder Köperdiagonale an.

Sternbildkatalog(e)

Darunter sind illustrierte astronomische und astrologische Manuskripte aus dem Mittelalter und der Renaissance zu verstehen. Die Bildauswahl des Sternenmantels reiht sich dabei vor allem in die Tradition der Aratus latinus-Handschriften, den Abschriften der Aratea des Germanicus und den De Signis Caeli-Handschriften eines anonymen Autors ein. Dies belegt, dass keine konkrete Handschrift als Vorlage angenommen werden muss. Vielmehr bildeten der Arat-Text und seine Nachfolger den Hintergrund, der das gesamte Mittelalter hindurch präsent war. Die Sternrahmen des Sternenmantels schließen neben Sonne und Mond zum größten Teil die ptolemäischen Sternbilder des nördlichen Himmels ein, in deren Auswahl der Zodiakus integriert ist.

Stielstich

Der Stielstich gehört zu den Rückstichen und ist ein Linienstich, der in der Regel von links nach rechts gestickt wird. Die Nadel wird am linken Ende der zu stickenden Linie zur Oberfläche geführt. Am Ende der Stichlänge taucht die Nadel unter das Stickmaterial ab und wird auf der Unterseite etwa eine halbe Stichlänge zurückgeführt, wo sie seitlich des Fadens wieder an die Oberfläche geführt wird.

Stranggefärbt

Bezeichnung für Stoffe, deren Garn vor dem Weben (im Strang) gefärbt wurde. Das Gegenteil wäre stückgefärbt. Dies trifft für die meisten originalen Trägergewebe der Bamberger Kaisergewänder zu und ist daran erkennbar, dass die Kette eine andere oder schwächere Farbe aufweist.

Suppedaneum

(lateinisch: suppedaneus ›unter den Füßen‹) bezeichnet allgemein eine Fußbank oder ein Brett, auf das man die Füße stellen kann. Bei den Kaiserdarstellungen des weißen Kunigundenmantels ist der Thron mit einem Suppedaneum ausgestattet, auf dem die Füße des Kaisers ruhen.

Taft

Mit Taft oder Taffet (persisch: tafteh ›gewebt‹) wird ein Seidengewebe in Leinwandbindung verstanden, wie es beispielsweise bei der Restaurierung der 1950er Jahre als Unterlegstoff für den Sternenmantel verwendet wurde.

Titulus

In der allgemeinen mittellateinischen Literatur steht Titulus (lateinisch: titulus ›Titel‹) für eine Aufschrift oder Inschrift auf Dingen aller Art, die dargestellte Personen benennt bzw. Bilder erläutert.

Translitteration

Bei der Saumumschrift des Sternenmantels erscheint das Wort BEARE, das wohl auf einer Buchstabenverwechslung basiert. Vermutlich war die Textvorlage in karolingischer Minuskel (eine mittelalterliche Handschrift) geschrieben. In dieser Schriftart ähneln sich die Buchstaben t und r. Bei der Übertragung in die Majuskelbuchstaben der Saumumschrift wurde so aus dem Worte beate (lateinisch: beatus ›glücklich‹) das BEARE.

Trägergewebe

bezeichnet den Stoff, auf den beispielsweise gestickt oder ausgeschnittene Stickereifragmente übertragen wurden. Bei den Bamberger Kaisergewändern ist in der Regel zwischen dem originalen Trägergewebe, das sich unter den Stickereien erhalten hat, und dem spätmittelalterlichen Trägergewebe zu unterscheiden, auf das die Stickereien im Spätmittelalter appliziert wurden. Manche Gewänder – wie die Bamberger Tunika, der Reitermantel und der weiße Kunigundenmantel – erhielten auch bei der Restaurierung der 1950er Jahre neue Trägergewebe.

Tunika

Die Tunika besitzt einen T-förmigen Schnitt und ist schnitttechnisch eng mit der Albe verwandt und geht auf die "tunica talaris" der römischen Kaiserzeit zurück. Bei den Männern kann die Länge bis zu den Knien oder bis zu den Füßen reichen, bei den Frauen ist sie immer bodenlang. Bei den Männern können seitliche Schlitze für mehr Beweglichkeit sorgen. Die Ärmel werden zum Handgelenk hin enger. Besätze am Saum (die Schlitze einfassend), an den Oberschenkeln, Oberarmen, Manschetten, im Brustbereich und am Halsausschnitt konnten festliche Tuniken zieren. Die Tunika ist die Grundform für Albe und Dalmatik.

Typologie

Die Typologie (altgriechisch: τύπος ›Vorbild‹) ist eine Auslegung der christlichen Heilsgeschichte, bei der einem Geschehen des Alten Testaments (Typus) eine Szene des Neuen Testaments (Antitypus) gegenübergestellt wird. Die Bilder sind so aufeinander abgestimmt, dass der zugrundeliegende Gedanke, die Auslegung des Alten Bundes als Vorausdeutung des Neuen Bundes deutlich wird. So wird beispielsweise die Figur König Salomos als Typus Christi auf dem blauen Bamberger Rationale verstanden, oder der Hortus conclusus auf dem Verschlussriegel des weißen Kunigundenmantels als Typus der Jungfräulichkeit Mariens.

Überfangstich

ist ein kurzer, einen anderen Faden übergreifender Stich. Damit werden bei der Anlegetechnik die Goldfäden auf dem Trägergewebe fixiert.

Untertritt

bezeichnet man in der Schneiderei die Mehrlänge bei Kanten und Ärmelschlitzen, die dazu dienen, dass die Öffnung bei maximaler Beweglichkeit vollständig geschlossen ist. Diese Mehrlänge wird entweder beim Zuschnitt mitgeschnitten oder an einer Kante der Öffnung angenäht. Beim fertigen Verschluss liegt der Untertritt dann unter der anderen Verschlussseite. Bei der Restaurierung der 1950er Jahre wurde beim Brustbesatz der Bamberger Tunika an der Innenkante des heute senkrechten Medaillonstreifens ein umgeschlagenes Stück roten Samits gefunden, das dann als eine Art Untertritt des Verschlusses ausgeklappt wurde, um ihn deutlicher zu schließen.

Unzial

In der Gotischen Majuskel werden die Buchstaben als unzial bezeichnet, die aus der Unziale stammen. Im epigraphischen Bereich und im Kontext der Bamberger Kaisergewänder werden runde Formen im Majuskelalphabet als unzial bezeichnet.

Verschränkung

Zwei Buchstaben sind so ineinandergeschoben, dass sie sich teilweise überlagern. Sie verändern dabei weder ihre Form noch verschmelzen sie miteinander im Unterschied zu ligierten Buchstaben, sie haben also keinen konstituierenden Buchstabenbestandteil gemeinsam. So sind zum Beispiel bei dem Wort EUROPAE der Saumumschrift des Sternenmantels die Buchstaben AE verschränkt.

Webkanten

sind die seitlichen Kanten eines Webstücks, an denen die Schüsse umkehren. Diese Kanten können ungemustert und meist durch stärkere Kettfäden verstärkt sein. Bei italienischen Seiden des Spätmittelalters setzt sich die nur wenig verstärkte Webkante häufig farblich vom Gewebe ab.

Zendel

bezeichnet ein dünnes Seidengewebe in Leinwandbindung, das als geringwertigste unter den Taftseiden (Seidengewebe in Leinwandbindung mit hoher Kettdichte und geringerer Schussdichte mit etwas dickerem Schussfaden) galt und häufig als Futterstoff für Mäntel verwendet wurde.

Zeugdruck

ist ein Verfahren des Stoff- oder Textildrucks, wobei Zeug ein alter Ausdruck für Baumwoll- oder Leinengewebe ist. Zu unterscheiden ist zwischen dem Positiv- und dem Negativdruck. Beim Positivdruck wird das Muster aus einer Model erhaben herausgearbeitet, die mit Farbe bestrichen das Muster auf den Stoff abgibt. Dabei bleibt das Gewebe im Hintergrund unbehandelt. Beim Negativdruck wird das Muster dadurch sichtbar, dass die Umgebung mit Farbe bedruckt wird, die Musterzeichnungen selbst jedoch ausgespart und an diesen Stellen die ursprüngliche Farbe des Trägergewebes sichtbar bleiben. Das Muster wird also vertieft in die Model eingeschnitten.

Zodiakus

Bis ins 19. Jahrhundert wurden unter Zodiakus (altgriechisch: ζῴδιον ›Tierkreis‹) die Tierkreiszeichen verstanden. Die Tierkreiszeichen sind die Symbolbilder, die den einzelnen Abschnitten der in zwölf Teile à 30° unterteilten Ekliptik zugeordnet sind. So entstanden durch antike Sterndeuter die bis heute bekannten und gebräuchlichen Sternzeichen. Diese wurden einzeln jeweils dem Sternbild zugeordnet und nach diesem benannt, das sich im entsprechenden Teilabschnitt befand.

Zwickel

bezeichnet im Kontext der Bamberger Kaisergewänder Flächen die zwischen Medaillons entstehen.

Zwirn

bezeichnet ein Garn, das aus zwei oder mehreren gesponnenen Fäden zusammengedreht ist, die aus demselben oder aus unterschiedlichem Material bestehen können. Die Zwirnung wird mit Z- oder S-Richtung angegeben.

Zwillich

ist ein dichtes, strapazierfähiges Leinengewebe in Köperbindung, das für Kleidung, als Futterstoff und für Tisch- und Bettwäsche verwendet wurde.

Zwischgold

Im Spätmittelalter wurde statt des Goldlahns häufig ein vergoldeter Silberlahn verwendet. Dafür wurde extrem dünnes Blattgold, sogenannte Zwischgold auf das Silber geschlagen. Da das Goldblatt hauchdünn und daher durchscheinend ist, wirkt es durch das darunter befindliche Silber heller als herkömmliches Blattgold. Mit Zwischgold vorgenommene Vergoldungen verändern sich durch das Oxidieren, Anlaufen des Silbers und wirken grau.