KulturErben. Sebastiani Oberschwarzach

Jedes Jahr findet in der unterfränkischen Marktgemeinde Oberschwarzach zu Ehren des heiligen Sebastian (gest. um 288 in Rom) ein Festtag statt, der auf ein legendenhaftes Pestgelübde aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht. Gefeiert wird seit 1991 am Sonntag nach dem 20. Januar, dem Gedenktag des Heiligen. Zu den Feierlichkeiten gehören eine Prozession mit der Sebastiani-Fahne, ein Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Sebastian, ein Friedhofsbesuch sowie eine Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal. Fest in den Brauch eingebunden ist die Oberschwarzacher "Bürgerwehr" in Gehrock und Zylinder mit ihrem rein symbolischen militärischen Zeremoniell. Die Dorfgemeinschaft und die ansässigen Vereine, darunter die Steigerwaldkapelle, sind ebenfalls Teil des Geschehens.

1611 starben in Oberschwarzach in wenigen Tagen mehrere Menschen an der Pest. Der Legende nach gelobten die Bürgerinnen und Bürger dem heiligen Sebastian als Schutzpatron gegen die Pest, künftig seinen Ehrentag zu feiern, wenn der Ort von nun an vom Schwarzen Tod verschont werde. Das Gelöbnis selbst ist nicht nachweisbar, eine erste schriftliche Aufzeichnung datiert aus dem Jahr 1791, auch wenn der Festtag schon zuvor begangen wurde. Der Ablauf des Festtages samt Gottesdienst sowie des Aufzuges einer "bewaffneten Mannschaft mit klingendem Spiel" wird Pfarrer Gothinger zugeschrieben, der von 1768 bis 1772 in Oberschwarzach tätig war. Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert ist die Rede von einer Bürgerwehr, paramilitärischen Einheiten zur Landesverteidigung, die 1870 in Bayern aufgelöst wurden. In Oberschwarzach blieb diese jedoch weiterhin in das Festgeschehen eingebunden. Seit wann der Aufzug in Gehrock und Zylinder erfolgt, die der bürgerlichen Herrenmode des Biedermeier entstammen, geht aus den Quellen nicht hervor. Während der 1930er Jahre wurde der Festtag durch das völkische, dann nationalsozialistische Heldengedenken vereinnahmt, teilweise beteiligten sich Vertreter der SA und der religiöse Gedanke trat in den Hintergrund.

Seit 1946 marschiert die Oberschwarzacher "Bürgerwehr" nicht mehr mit Karabinern, sondern ist mit Holzgewehren ausgestattet. Das Wissen über Reihenfolge und Ausführung des Antretens sowie die Formierung des Umzugs wird mündlich von Generation zu Generation weitergegeben und selbstständig von den Teilnehmern erlernt. Am Aufmarsch der "Bürgerwehr" nehmen gegenwärtig nur Männer teil, Frauen sind bei der Kleiderausgabe, der Musik und bei der Versorgung intensiv in das Geschehen eingebunden.

Weitere Informationen: https://www.ike.bayern.de/verzeichnis/000282/index.html

>> Diese Sammlung ist ein Teil des Bestandes "KulturErben. Das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes" des "Institut für Volkskunde der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften".