Stadtarchiv Lauingen
Das Archiv der Stadt Lauingen befindet sich, nach einer Odyssee durch verschiedene städtische Gebäude, heute im Rathaus. Dort, im prächtigsten städtischen Profanbau, der ab 1783 mit Unterbrechungen aufgerichtet und 1791 nach Plänen des Münchner "Hofkammerraths" Lorenzo von Quaglio im Stil des spätbarocken Klassizismus vollendet wurde, nimmt es drei nach Nordwesten hin gelegene Erdgeschossräume ein.
Die Sammlung geht wohl auf den Beginn des 15. Jahrhunderts zurück, in dem auch die frühesten Stadtschreiber nachweisbar sind. Zunächst enthielt sie Urkunden über Stadtverträge und -privilegien. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts kamen dann auch Akten hinzu, von denen aber ein beträchtlicher Teil 1810 wieder ausgeschieden wurde. Der heutige Bestand umfasst mehr als 2.000 Urkunden, deren älteste – übrigens eine päpstliche – auf 1226 datiert. Zu ungefähr drei Vierteln stammen sie aus den beiden Jahrhunderten zwischen etwa 1430 und 1630. Die Anzahl einzelner Akten beläuft sich auf ca. 7.700, weitere Faszikel sind in über 630 Bänden zusammengefasst. Gut 500 weitere Bände enthalten außerdem Ratsprotokolle ab dem Jahr 1543, freilich mit unterschiedlich großen zeitlichen Lücken. Drei Dutzend zwischen dem späten 16. und dem 19. Jahrhundert handgezeichnete und/oder -gemalte Karten dokumentieren Gemarkungen und Umland Lauingens. An modernen Medien sind bislang etwa 8.000 Bild- und Tonträger erfasst.
Durch die Eingemeindungen der Nachbarorte Faimingen, Frauen- und Veitriedhausen kamen auch deren Archivbestände nach Lauingen, sodass inzwischen etwa 550 Regalmeter belegt sind.
Dass sich in diesem für eine Kleinstadt ungewöhnlichen Reichtum an Archivalien auch veritable Glanzstücke finden, dürfte nicht verwundern. Von historischer Bedeutung sind insbesondere die Urkunden, die Kaiser, Könige, Landesfürsten, Kardinäle, Bischöfe, Äbte und andere geistliche und weltliche Würdenträger/innen ausgestellt haben. Unter diesen mag beispielhaft das Testament des Pfalzgrafen Ottheinrich von 1556 (mit eigenhändigen Zusätzen) hervorgehoben werden, wollte der Fürst es doch ausdrücklich nicht in seiner Residenzstadt Neuburg, sondern in Lauingen aufbewahrt wissen.
Durch ihre künstlerische Ausgestaltung mit Illuminationen stechen zwei Ablassurkunden vom Ende des 15. Jahrhunderts heraus. Von den Bänden sind einige Kopialbücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu erwähnen, darunter die Chronik des ehemaligen Augustinerklosters von 1658 bis 1728 mit einem Rückblick in die Geschichte von Stadt und Konvents ab ca. 1300 und die drei handschriftlichen Kopien der Lauinger Stadtchronik des Stanislaus Mayr von 1791/94.
Große Verdienste um das Archiv haben sich erworben: Benefiziat Georg Rückert (das älteste Repertorium und Urkundenregesten) , Reinhard H. Seitz (durchgreifende Neuordnung und Erfassung des Materials in einem der frühesten Findbücher aus der Reihe "Bayerische Archivinventare") und Max Springer (Digitalisierung).
Seit dem späten 19. Jahrhundert greifen die "Jahrbücher des Historischen Vereins Dillingen" und die Zeitschrift "Alt-Lauingen" in ihren Publikationen auf das Archiv zurück, ebenso verschiedenste wissenschaftliche Institutionen und einzelne Forscher des In- und Auslands (bis hin zu den USA und Japan).
Die Sammlungen des "Stadtarchivs Lauingen" in bavarikon
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