Trachtenkultur-Beratung Bezirk Schwaben
Trachtenberatung, -forschung und -erneuerung haben eine vergleichsweise lange Geschichte in Schwaben. Den ersten Heimatpfleger Deutschlands gab es mit dem Geistlichen Bartholomäus Eberl (1883-1960) in Schwaben. Dieser war auch für die Tracht zuständig. 1935 kam für das Allgäu Alfred Weitnauer (1905-74) hinzu.
Dem totalitären Anspruch der Nationalsozialisten entsprechend wurden auch Heimatpflege und Trachtenvereine in den Dienst der NS-Ideologie gestellt. Wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft wurde Eberl 1945 entlassen. Weitnauer blieb bis 1970 im Amt und war nun für ganz Schwaben zuständig. Die NS-Zeit und diesbezügliche Kontinuitäten werden 2022/ 2023 in einem Forschungsprojekt aufgearbeitet.
Weitnauer war durchaus umstritten. In unnachgiebiger Art setzte er seine Vorstellungen gegen jegliche Widerstände durch. Das Erscheinungsbild der schwäbischen Musikvereine wurde maßgeblich von seiner Abneigung gegen Uniformen und oberbayerische Gebirgstracht geprägt. Das hatte zur Folge, dass Gebirgstracht auch unter seinem Nachfolger Hans Frei bis 1999 von der Trachtenförderung ausgeschlossen wurde, was wiederholt zu Unmut führte.
1978 bis 1993 hatte der Bezirk Schwaben mit Doris Walser (1923-2011) aus Kempten seine erste nebenamtliche Trachtenberaterin. Ihr folgten 1983 Walter Wörtz und 1991 Simone Madel. 1996 kaufte der Bezirk Schwaben das Landauer-Haus in Krumbach und sanierte es aufwändig, damit dort 1999 mit der neuen Trachtenberaterin Monika Hoede die Trachtenberatungsstelle einziehen konnte. 1999 bis 2009 war der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. Mitträger.
Die Aufgaben der Trachtenkultur-Beratung sind vielseitig. Die Grundlage stellt das Erforschen, Sammeln, Erfassen und Dokumentieren von regionaler Kleidung sowie weiterführender Nachweise und Quellen dar.
Die Trachtenkultur-Beratung hat den Anspruch, historische Handwerkstechniken und die Konstruktion der Kleidung weitreichend authentisch zu vermitteln und durch ihre Angebote zu einem kreativen und eigenständigen Umgang mit der Tracht anzuregen.
Die entwickelten Maßschnitte basieren auf dokumentierten historischen Vorbildern. Die regelmäßig angebotenen Fortbildungskurse, Praktika und Seminare wenden sich an Handwerkerinnen und Handwerker, Forschende und Interessierte. Seit 2017 wird die Prüfung zum Knopfmacher-Zertifikat abgenommen, um so die Grundlagen dieses Handwerks aus dem 18. Jahrhundert weiterzugeben und zu erhalten.
Außerdem ist die Trachtenkultur-Beratung für Gutachten für Museen, Sammler und Vereine zuständig und bildet die Schnittstelle zur Trachtenförderung für Vereine im Bezirk Schwaben. Neben Publikationen zu Trachten, Trachtenregionen und textilen Techniken werden Ausstellungen erarbeitet. Museen werden bei der Präsentation, Archivierung und Vermittlung unterstützt.
Die Sammlungen der "Trachtenkultur-Beratung Bezirk Schwaben" in bavarikon
Kontakt
Trachtenkultur-Beratung Bezirk Schwaben
Landauer-Haus
Hürbener Str. 15
86381 Krumbach
Telefon: +49 (0) 8282/8283-89
Fax: +49 (0) 8282/8283-87
E-Mail: trachtenkulturberatung@bezirk-schwaben.de