Die Ortsnamen des Regierungsbezirks Oberpfalz

Im Rahmen des Projekts "Die Ortsnamen des Regierungsbezirks Oberpfalz" wurden die Namen aller im aktuellen Amtlichen Ortsverzeichnis für Bayern enthaltener Orte der Oberpfalz erklärt. Die einzelnen Artikel wurden bei der Kommission für bayerische Landesgeschichte erstellt, sie sind das Ergebnis der wissenschaftlichen Analyse der Ortsnamen und enthalten:

  • wichtige historische Schreibformen (ca. 8-10 bei seit dem Mittelalter überlieferten Ortsnamen) in chronologischer Reihenfolge
  • die mundartliche Aussprache (als Transkript in Lautschrift und in Form von Audiodateien)
  • die nach den Namenbestandteilen gegliederte Erklärung (erarbeitet unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der Historischen Sprachwissenschaft) mit Angabe der ursprünglichen Bedeutung des betreffenden Namens und ggf. mit Kommentaren zur Lokalisierung von Ortsnamenformen sowie zu fraglichen bzw. unzutreffenden Erklärungen
  • Literaturhinweise

Wichtige Grundlagen zur Datengewinnung waren u. a. die im Rahmen der Reihe "Historisches Ortsnamenbuch von Bayern (HONB)" erschienenen Bände zu den Oberpfälzer Altlandkreisen Amberg und Sulzbach-Rosenberg, das Typoskript des HONB-Bandes zum Altlandkreis Neumarkt i. d. Opf. von Günter Schneeberger und das "Lexikon bayerischer Ortsnamen" von Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein. Ergänzend konnte auf umfangreiche Sammlungen historischer Ortsnamenschreibungen von Wolfgang Janka zurückgegriffen werden. Vorliegende Befunde wurden einer Revision unterzogen, die in einzelnen Fällen zu Berichtigungen in Bezug auf Namenüberlieferung und ‑erklärung geführt hat. Die bei örtlichen Dialektsprechern erhobenen Mundartformen stammen aus dem "Sprachatlas von Nordostbayern", aus Tonaufnahmen von Wolfgang Janka sowie aus dem von der Kommission für bayerische Landesgeschichte und dem Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern e. V. betriebenen Projekt "Erfassung der Mundartformen der Ortsnamen Bayerns".

Die Ausgestaltung der Landschaft und die Lebensumstände der Bevölkerung spiegeln sich in den Ortsnamen wider. Sie entstammen verschiedenen Sprachen bzw. Kulturkreisen, werden zum Teil über Jahrhunderte hinweg tradiert und unterliegen dabei verschiedensten Einflüssen auf ihr Erscheinungsbild. Als der Identifizierung dienende Spracheinheiten sind sie von größter Relevanz bei der Bestimmung von individueller und kollektiver Identität. Durch die Analyse des gesamten Ortsnamenmaterials eines Untersuchungsgebiets in Bezug auf verschiedene Namentypen mit ihrer spezifischen Zeitstellung leistet die Toponomastik einen wesentlichen Beitrag zur interdisziplinär konzipierten Erforschung der Siedlungsgeschichte.

Das Untersuchungsgebiet Oberpfalz ist gekennzeichnet durch verschiedene Regionen mit charakteristischem Vorkommen bestimmter Namentypen: So sind etwa der Raum Regensburg und der Raum Cham durch eine Vielzahl frühmittelalterlicher bairischer Ortsnamen auf ‑ing geprägt (z. B. Mintraching, Sünching, Tasching, Willmering), während im Norden und Westen der Oberpfalz die hoch- und spätmittelalterlichen Namen auf ‑reuth und ‑richt auf Rodungen hinweisen (vgl. Sassenreuth, Tirschenreuth bzw. Dürnsricht, Etzenricht). Im Norden und Osten sind zahlreiche slawische Namen ins Bairische integriert worden (z. B. Döllnitz, Schlattein, Zettlitz), während das häufige Vorkommen von Ortsnamen auf ‑heim und ‑hofen im Südwesten der Oberpfalz (vgl. Erlheim, Friebertsheim bzw. Lauterhofen, Pielenhofen) auf fränkische Einflüsse schließen lässt. Einige Namen sind vordeutschen Schichten zuzuordnen und reichen bis in die Antike zurück. Als Beispiele hierfür seien Kallmünz (keltisch) und Kareth (romanisch) genannt. Um typologische Besonderheiten handelt es sich bei den romanisch-germanischen Mischnamen im Gebiet südlich der Donau (vgl. Barbing oder Thalmassing) und den slawisch-deutschen Mischnamen im Norden und Südosten der Oberpfalz (z. B. Mallersricht, Tremmersdorf bzw. Kothmaißling, Traitsching).

Nach Ergänzung des Materialkorpus um die Namen von Wüstungen und von in größeren Orten aufgegangenen Siedlungen wird eine valide Grundlage für künftige, interdisziplinär konzipierte Forschungen zur Besiedlung der Oberpfalz vorliegen.

Text: Lizenz CC BY-SA 4.0

>> Diese Sammlung ist ein Bestand der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.