KulturErben. Coburger Friedensdankfest in Meeder
In der oberfränkischen Gemeinde Meeder (Landkreis Coburg) findet alljährlich im August, am Sonntag nach Sebaldi, ein Festgottesdienst in der Kirche St. Laurentius und im Anschluss ein Marktfest statt, in dessen Umfeld u.a. Vorträge, Konzerte und Ausstellungen unter dem Motto "Frieden" zu hören und zu sehen sind. Seit 1971 wird das Friedensdankfest alle 10 Jahre in einem größeren Rahmen und eine Woche lang im Coburger Raum gefeiert. Jährlich feste Bestandteile sind ein Friedensumzug, das Heimatspiel "Frieden auf Erden" sowie der Auftritt und das Friedensessen der Choradstanten (einem Männerchor), die das Fest zusammen mit der Kirchengemeinde Meeder und Beuerfeld organisieren.
Auf eine Anordnung des Herzogs Friedrich Wilhelm II. von Sachsen-Altenburg (1603-1669) nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) gehen viele Friedensfeste in der Region zurück. In Meeder soll 1651 das erst Mal ein Friedensfest gefeiert worden sein. Für Meeder und die Gemeinden des Coburger Landes sind die Feste durch die Chronik der Meeder Choradstanten seit dem Jahr 1857 belegt. Die einstmals angeordneten Friedensfeiern hörten nach einigen Jahrzehnten in vielen Ortschaften auf, nur in Meeder ist diese Praxis erhalten geblieben.
Ein Teil der Choradstanten war dem Nationalsozialismus zugeneigt. Bis 1941 wirkten sie bei der Vorbereitung des Festes mit, was mit deren Einberufung zum Kriegsdienst endete. Das Fest fand aber weiterhin, bis auf das Jahr 1944, ununterbrochen statt. Im Zuge der Gebietsreform 1971 regte Landrat Klaus Groebe ein großes Friedensdankfest für das ganze Coburger Land an. In den späten 1970er Jahren wurden von Meeder aus Kontakte zu Friedensaktivisten und Kirchengemeinden der DDR geknüpft. 1982 entstand in Meeder ein Friedensmuseum, das rund um das Thema Frieden sammelt und dokumentiert.
Die Wissensweitergabe über das Friedensfest und die Sensibilisierung für das Thema Frieden findet nicht nur im Rahmen des Museums statt, dem 2011 eine "Lernwerkstatt Frieden" angeschlossen wurde. Podiumsdiskussionen und das Friedensfest begleitende Fortbildungsveranstaltungen, Jugendcamps und weitere Aktionen runden das Vermittlungsangebot ab. Daneben sind auf dem Fest zahlreiche Gruppen der Friedensbewegung anwesend, die über ihre Arbeit informieren.
Weitere Informationen in der Landesliste des immateriellen Kulturerbes Bayerns
>> Diese Sammlung ist ein Teil des Bestandes "KulturErben. Das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes" des "Instituts für Volkskunde der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften".