Wallfahrtsmedaillen und Pilgerzeichen der Sammlung Münsterer
Der Dermatologe Hanns Otto Münsterer (1900-1974) war ein vielseitig interessierter, visionärer Forscher und Publizist, der den Ergebnissen seiner naturwissenschaftlichen Erkenntnisse kultur-, religions- und damit mentalitätsgeschichtliche Arbeiten zur Seite stellte. Als Arzt interessierte ihn speziell die eng mit zeitgenössischen medizinischen Praxen verknüpfte Volksfrömmigkeit. Beide Aspekte bildeten aus seiner Sicht keine Gegensätze, sondern Säulen des frühneuzeitlichen Gesundheitssystems. In diesem Zusammenhang sammelte er Wallfahrtsmedaillen und Pilgerzeichen, in denen er nicht nur Devotionalien oder Souvenirs an Glaubensreisen sah, sondern auch deren Bedeutung als Amulette und Talismane erkannte.
Hans Otto Münsterers Sammlung gelangte auf dem Schenkungsweg 1976 in den Bestand des Bayerischen Nationalmuseums. Sie entstand zwischen 1930 und 1970 und stellt einen Teil der erstaunlich facettenreichen wissenschaftlichen Lebensleistung Münsterers auf dem Gebiet der Volksfrömmigkeitsforschung dar. Im Unterschied zu anderen öffentlichen und privaten Sammlungen an Wallfahrtsmedaillen und Pilgerzeichen dokumentiert sie insbesondere solche Stücke, die Gebrauchsspuren aufweisen, was deren alltägliche Nutzung als Amulette und Talismane belegt.
Den hohen Rang der Sammlung innerhalb der historischen Wallfahrts- und Frömmigkeitsforschung spiegeln zahlreiche Veröffentlichungen, die einzelne Stücke berücksichtigen. Für die Lokalforschung ist der Bestand von besonderem Wert, da Münsterer neben bis heute wichtigen Wallfahrtsorten wie Altötting, Andechs oder Augsburg zahlreiche der kleineren Gnadenorte wie Grafrath oder Mettenbuch nachweist.
Die Sammlung Münsterer zählt zu den großen dokumentarischen Beständen bayerischer Wallfahrtsmedaillen und Pilgerzeichen des 17. bis 20. Jahrhunderts. Sie umfasst 939 Medaillen, Anhänger, Kreuze und Breverl, die Andenken an Wallfahrten zu und Mitbringsel aus zahlreichen Orten vornehmlich in Altbayern, Bayerisch-Schwaben und Franken waren. Hinzu kommen Beispiele aus kultur- und kirchengeschichtlich aufs Engste mit Bayern verbundenen Wallfahrtsorten wie Köln, aber auch Gnadenorten in Böhmen, im Bodenseegebiet, Tirol und dem westlichen Mittelmeerraum. Anhand dieser transregionalen Perspektive wird deutlich, dass das Phänomen Wallfahrt als Ausdruck katholischer Glaubenspraxis geradezu dazu prädestiniert ist, historische kulturelle Verbindungen offenzulegen, die nicht den jeweiligen politischen Grenzziehungen entsprechen.
Die Teilsammlungen zur Sammlung "Wallfahrtsmedaillen und Pilgerzeichen der Sammlung Münsterer" in bavarikon
- Wallfahrtsmedaillen der Sammlung Münsterer
- Wallfahrtsandenken der Sammlung Münsterer
- Pilgerzeichen der Sammlung Münsterer
- Gedenkmedaillen der Sammlung Münsterer
- Breverl der Sammlung Münsterer
>> Diese Sammlung ist ein Bestand des Bayerischen Nationalmuseums.