Idyllische und arkadische Landschaften

Die Landschaften Italiens beeindruckten die Künstler durch ihre Vielfalt und Großartigkeit. Die Gemälde inszenierten die südliche Natur vielfach in der Tradition der historischen oder heroischen Landschaft, wie sie Claude Lorrain und Nicolas Poussin im 17. Jahrhundert begründet hatten. Die arkadische Idylle beschwört den Traum einer friedlichen Existenz in einer als harmonisch empfundenen Natur. Die träumerische Versenkung in mythen- und sagenumwobene Landschaften hat Arnold Böcklin (1827-1901) zum Thema vieler seiner Gemälde gemacht und Stimmungen der Natur mit menschlichen Empfindungen in Gleichklang gebracht. Natur und Mythos gehen darin eine enge Verbindung ein. Das Leben in der südlich-arkadischen Natur wird zum Gegenentwurf zur städtisch geprägten modernen Zivilisation.

Manche der frühen Fotografen folgten diesen Bahnen. James Anderson (1813-1877) und James MacPherson (1814-1872), die beide aus Großbritannien nach Italien gekommen waren und in Rom lebten, schufen beeindruckende Landschaftsaufnahmen in großen Formaten. In der Wahl der Motive und der Komposition sind sie wie viele Gemälde dem Ideal des Erhabenen verpflichtet: Felsen, Wasserfälle, großartige landschaftliche Szenerien. Aber auch die antiken Ruinen werden als majestätische Monumente in Szene gesetzt.

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts widmeten sich einige aus dem Norden zugezogene Fotografen der Suche nach arkadischen Motiven. Zu ihnen gehört Wilhelm von Gloeden (1856-1931), der sich 1876 auf Sizilien niederließ. Er fotografierte einheimische Modelle als Akte oder in antikisierenden Gewändern vor dem Hintergrund antiker Ruinen. Diese Fotografien bekräftigen durch die Verbindung des gegenwärtigen Italiens mit der antiken Vergangenheit eine Kontinuität, die ein Grundmotiv der Italiensehnsucht des 19. Jahrhunderts bildet.

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