Historischer Notenbestand der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Sennfeld
Im unterfränkischen, ehemals freien Reichsdorf Sennfeld (bei Schweinfurt) wirkte seit 1788 der aus dem benachbarten Gochsheim stammende, im Kloster Heidenfeld ausgebildete Dorfschullehrer Johann Leonhardt Ludwig (1768-1812). Der musikbegeisterte Kantor sammelte Noten und komponierte selbst. Mit seiner Familie bewohnte er die örtliche Ein-Raum-Schule, wo er unterrichtete sowie außerdem einen fähigen Chor sowie zahlreiche Instrumentalisten ausbildete. Das außerordentliche Talent dieses Lehrers sticht besonders hervor, da er in seinem Umfeld der einzig musisch Gebildete war. Es gelang ihm, "der Dorfjugend das Geschrei auszutreiben" und "man hört[e] mit Freuden den Choralgesang der Jugend", so ist in einer offiziellen Beurteilung von 1811, kurz vor seinem Tod, zu lesen.
Im Laufe seines Lebens trug er über 200 Kantaten, Messen, Motetten und Choräle zusammen, schrieb die Einzelstimmen für Orchester und den Schülerchor und hinterließ nach seinem unerwartet frühen Tod über 11.000 Seiten an handgeschriebenem Notenmaterial. Knapp 1.000 Seiten umfassen drei Choralbücher mit Orgelchorälen für den gottesdienstlichen Gebrauch und Präludien als (so ein Originaltitel) "musikalischer Vorrath". Etwa 150 Kantaten berücksichtigen über die Jahre 1788 bis 1812 nahezu das ganze evangelische Kirchenjahr – für fast jeden Sonn- und Feiertag eine aufführbare Kantate.
Die Musikwerke sind teils Kontrafakturen (Neutextungen) von bereits bestehenden Kompositionen, teil eigene Schöpfungen. Sie verwenden Elemente, die das barocke Kantatenprinzip mit festlichem Eingangschor als erste Nummer und dann weitere Elemente wie Arie, Rezitativ, Duett und Schlusschoral als Form-Vorbild haben. Musikalisch wird dabei der Chorsopran oft mit sehr hohen Lagen gefordert.
Dazu entstanden festliche Kantaten anlässlich von Hochzeiten und Motetten sowie eine große Zahl an Chören (Coro) und Chorälen zu Beerdigungen. In den Noten sind hin und wieder die Personen vermerkt, für die die Musik aufgeführt wurde, was sich mit den Einträgen in den Personenstands- und Kirchenbüchern deckt.
Auch das Sennfelder Friedensfest, das im immateriellen Kulturerbe der UNESCO eingetragen ist und seit 1649 alljährlich gefeiert wird, hat seine Spuren im Sennfelder Kirchenmusikbestand hinterlassen. Mehrere Werke widmen sich der Bitte um Frieden und wurden, z. B. 1795 und 1797, zum Kirchweihfest, das mit dem Friedensfest verbunden ist, aufgeführt.
Zurzeit erfasst der RISM-Katalog ca. 725 einzelne Werktitel aus handschriftlich überlieferten Noten.
Text: CC0
Autor: KMD Jörg Wöltche
>> Diese Sammlung ist ein Bestand der Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Sennfeld und der Gemeinde Sennfeld.