Antike Gemmen und geschnittene Steine aus der Staatlichen Münzsammlung München

Die Staatliche Münzsammlung geht auf die Sammlung Herzog Albrechts V. von Bayern (1550-1579) zurück. Nach Ausweis des ersten, 1598 erstellten Inventars der herzoglichen Kunstkammer enthielt die Sammlung bereits eine Anzahl von geschnittenen Steinen. Mit der Überführung der Pfälzer Sammlung Kurfürst Karl Theodors (1777-1799) aus Mannheim nach München wuchs dieser Bestand nachweislich an. 1812 kamen die Steine des letzten Fürstabts von St. Emmeram in Regensburg nach München. Kronprinz Ludwig (reg. als König Ludwig I. 1825-1848) kaufte in Wien etwa 200 geschnittene Steine, die er an die Münzsammlung überwies. Im Jahr 1918 erwarb Kronprinz Rupprecht von Bayern (1869-1955), dann der Freistaat Bayern die einzigartige Sammlung antiker Gemmen und Glaspasten des Münchner Archäologen, Sammlers und Kunsthändlers Paul Arndt (1865-1937), die im Jahr 1956 der Staatlichen Münzsammlung übergeben wurde. Seitdem ist München auch auf dem Gebiet der Gemmenkunst ein Ort von internationaler Bedeutung.

Bei Gemmen (von lat. gemma = Edelstein) unterscheidet man grundsätzlich zwischen vertieft geschnittenen und erhaben gearbeiteten Steinen. Erstere werden als Intaglien, letztere als Kameen bezeichnet. Während der Kameo mit seinem hohen Relief vor allem als Schmuck am Körper diente, wurde das Intaglio zumeist als Ringstein am Finger getragen. Dass die Römer gerne Ringe trugen, bezeugt der Dichter Martial (um 40-103/104 n. Chr.). Mit den an der Hand getragenen, bildgeschmückten Ringsteinen kann man heute auch ein Stück antiker Alltagskultur quer durch die Jahrhunderte und die sozialen Schichten greifen.

Die wissenschaftliche Erforschung antiker Gemmen beginnt in der Zeit Johann Joachim Winckelmanns (1717-1768) und Johann Wolfgang Goethes (1749-1832). Goethe erkannte, dass uns in den Gemmen "das Andenken verlorner wichtiger Kunstwerke" erhalten geblieben sei. Er sah die Steine nicht nur als Kunstwerke, sondern als kunsthistorische Quelle an, da sie einen Eindruck von nicht erhalten gebliebenen Werken der Großkunst vermitteln, wenn auch in kleinem Format. Mit der monumentalen Arbeit des klassischen Archäologen Adolf Furtwänglers (1853-1907) "Die antiken Gemmen. Geschichte der Steinschneidekunst im klassischen Altertum, Leipzig/Berlin 1900" erreichte die Gemmenforschung einen ersten Höhepunkt, der in der Katalogreihe "Antike Gemmen in deutschen Sammlungen" (AGD) seine Fortsetzung fand.

Mit der Digitalisierung ihrer über 3.500 antiken Steine und Glaspasten stellt die Staatliche Münzsammlung diesen Bestand in hochwertigen Farbaufnahmen der Forschung zur Verfügung.

>> Diese Sammlung ist ein Bestand der Staatlichen Münzsammlung München.