Skandale und Abdankung
Trotz aller Errungenschaften König Ludwigs I. war seine Regierungszeit auch überschattet von kleineren und größeren Skandalen. Es mag dem Zeitgeist geschuldet sein, dass revolutionäre Aufstände deutschlandweit ihre Kreise zogen, doch waren es wohl auch politische und private Fehlentscheidungen des Königs, die seine letzten Regierungsjahre prägen sollten.
Politisch brisante Kundgebungen, darunter das Hambacher und Gaibacher Fest im Jahr 1832, aber auch weitreichende Anordnungen Ludwigs I. wie die Einschränkung der Pressefreiheit, der Kniebeugeerlass oder der von ihm forcierte Prozess gegen Wilhelm Joseph Behr führten dazu, dass die Entscheidungen des Königs wiederholt in Zweifel gezogen wurden. Letzten Endes trug die Affäre um die Tänzerin Lola Montez ihr Übriges dazu bei, dass König Ludwig I. das Vertrauen seiner Minister und der Münchner Bevölkerung verspielte. Um das Schlimmste zu verhindern, konnte er sich nach Bürgerprotesten und der Märzrevolution 1848 nur mit einer Art Kapitulation aus der Affäre ziehen.
Trotz allem stellte sich der scheidende König im Abdankungsschreiben gleichsam als Absolution für eventuelle Verfehlungen ein positives Zeugnis für seine Regierungsjahre aus: "Treu der Verfassung regierte ich; dem Wohl des Volkes war mein Leben geweyht, als wenn ich eines Freystaats Beamter gewesen, so gewissenhaft ging ich mit dem Staatsgute, mit den Staatsgeldern um".
Manuel Schimansky
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