Ein König im Ruhestand

Nach seinem Rücktritt lebte Ludwig I. noch zwei Jahrzehnte lang als "König außer Dienst". Dem Autokraten, der mit ungeheurem Elan ein knappes Vierteljahrhundert lang über Bayern geherrscht hatte, fiel es schwer, sich von den Staatsgeschäften fernzuhalten. Er zog sich daher nicht völlig aus der Politik zurück, sondern stand weiterhin als wichtiger Berater zur Verfügung. Die Beziehung zwischen ihm und seinem Sohn war jedoch angespannt und Maximilian zog ihn nicht mehr in Regierungsfragen hinzu. Als Kunstmäzen blieb der abgedankte König jedoch auch weiterhin aktiv und bezahlte seine Bauprojekte mit Privatmitteln.

Ludwig hatte in dieser Zeit mehrere Verluste zu verkraften, darunter vier seiner Kinder. 1851 starb seine Schwester Auguste. Als seine Frau Therese 1854 in München der Cholera zum Opfer fiel, blieb Ludwig ihrer evangelischen Beisetzung fern, da er dem Skandal um die Trauerfeier seiner protestantischen Stiefmutter Karoline keinen weiteren hinzufügen wollte.

Sein Sohn, König Otto, wurde 1862 aus Griechenland vertrieben und kehrte nach Bayern zurück. Als er seinen Vater fragte, wie dieser sich seine "Lebensfrische" erhalte, riet ihm Ludwig weise: "Sich nicht zu grämen über das, was ist, durchdrungen zu seyn von des Irdischen Vergänglichkeit, sich nicht daran zu ketten, dem Willen Gottes sich ergeben. […]"

Dr. Elisabeth Kuen

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