Hambacher und Gaibacher Fest (1832)

Seit der Pariser Julirevolution 1830 waren auch in Deutschland politische Unruhen spürbar, vor allem im französisch beeinflussten Südwesten. Einen Höhepunkt fanden diese in den Verfassungsfeiern rund um Hambach und Gaibach, die auch für König Ludwig I. politisch brisant werden sollten. Neben wirtschaftlichen Problemen sorgte die 1831 von ihm verhängte Verschärfung der Pressezensur bei der Bevölkerung und Journalisten für Aufruhr, da sie ihre verfassungsrechtlich garantierte Freiheit eingeschränkt sahen. Bei den Einladungen zu den Feierlichkeiten wurden durch Presse und liberale Politiker dementsprechend viele Menschen mobilisiert, die für Volkssouveränität, Freiheit und Einheit kämpfen wollten. Das Ergebnis war der bis dahin wohl größte politische Protestmarsch Deutschlands mit etwa 30.000 Teilnehmern allein in Hambach.

Das Hambacher Fest fand vom 27. bis 30. Mai 1832 statt und gilt heute als eines der wichtigen Ereignisse der deutschen Demokratiegeschichte. Hambach liegt in der vorher zu Frankreich gehörenden Rheinpfalz und war erst 1816 bayerisch geworden. Ursprünglich als Huldigungsfest für die bayerische Verfassung angedacht, wurden die Feierlichkeiten federführend durch die Verleger Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845) und Johann Georg August Wirth (1798-1848) kurzerhand zu einem "Nationalfest der Deutschen" umgewidmet. Die angestaute Wut der Teilnehmer entlud sich schließlich in einem Zug der Massen mit schwarz-rot-goldenen Fahnen auf das Hambacher Schloss, wie auf der gezeigten Druckgrafik zu sehen ist. Infolge dieser Ereignisse griff Ludwig I. zu radikalen Maßnahmen: er entsendete ein Drittel seiner Armee in die Pfalz, schränkte die Versammlungs- und Pressefreiheit weiter ein und ließ Redner sowie Organisatoren des Hambacher Festes verhaften und verklagen.

Das Gaibacher Fest fand zur selben Zeit, am 27. Mai 1832, statt und verlief weniger brisant als das Hambacher Pendant. Auf dem Fest hielt der Würzburger Bürgermeister Wilhelm Joseph Behr (1775-1851) zwei vergleichbar moderate Reden, in denen er Zensur anprangerte und Reformen forderte. Diese Reden, die später auch gedruckt wurden, führten jedoch zu einem Bruch mit König Ludwig I. und letztlich zum Prozess gegen ihn wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung. Rückblickend betrachtet, bedeuten beide Feste eine starke Zäsur in der Politik Ludwigs I. und gelten als Vorläufer für weitere Aufstände, die schließlich seine Abdankung einleiten sollten.

Manuel Schimansky