Aufstände und Märzrevolution (1848)

Die Revolution 1848 erschütterte die europäische Staatenwelt im Februar und März und stieß mehrere Könige vom Thron. Während es in Wien und Berlin im März 1848 zu Barrikadenkämpfen kam, verliefen die Ereignisse in München relativ glimpflich. Durch die Affäre Ludwigs I. mit Lola Montez war die allgemeine Stimmung in der Residenzstadt bereits stark aufgeheizt. Die Schließung der Universität musste der König am 11. Februar wieder zurücknehmen. Am gleichen Tag verließ Lola Montez das von Ludwig in der Barer Straße zur Verfügung gestellte Haus Richtung Schweiz.

Die Lage in München beruhigte sich dennoch nicht. Am 2. März demonstrierten Bürger gegen den Ministerverweser des Innenministeriums Franz von Berks (1792-1873) vor seinem Wohnhaus und bewarfen das Innenministerium mit Steinen. Berks trat zurück und verließ in der Nacht die Stadt. Die aufgebrachte Stimmung nutzten Bürger, die sich am folgenden Tag im Rathaus versammelten, dazu, Forderungen für Reformen an den König zu richten. Sie wollten unter anderem Ministerverantwortlichkeit vor dem Landtag, Abschaffung der Zensur, Vereidigung des Militärs auf die Verfassung, freiere Wahlen und ein neues Polizeigesetz. Doch der König lehnte ab. Erst als sich die Lage durch die Stürmung des Münchner Zeughauses verschärfte, lenkte Ludwig ein und akzeptierte die Forderungen. Prinz Karl (1795-1875), der Bruder Ludwigs, beruhigte die Menge am Marienplatz und verkündete die Einberufung des Landtages.

Ein Bildzyklus von Gustav Kraus und eine Schrift Joseph Heinrich Wolfs schildern die dramatischen Ereignisse in München. Am 6. März unterzeichneten Ludwig I., die volljährigen Prinzen des königlichen Hauses und die Minister die sogenannte Märzproklamation, in der zugesichert wurde, die Forderungen der Bürger zu erfüllen.

Stefan Schnupp