Abdankung (20. März 1848)

Die Ereignisse zu Beginn des Jahres 1848 hatten König Ludwig I. zutiefst erschüttert und verbittert. Am 12. März entließ er Fürst Oettingen-Wallerstein (1791-1870), den er für die Märzproklamation verantwortlich machte. Zwar hatte sich die Lage zwischenzeitlich beruhigt, doch die Frage blieb: Wie sollte es weitergehen?

Ludwig sah die Forderungen, denen er zustimmen musste, unvereinbar mit dem monarchischen Prinzip. Am 18. März traf sich Ludwig mit einem seiner Vertrauten, Hermann Freiherr von Rotenhan (1800-1858). Dabei äußerte Ludwig erstmals Gedanken an einen Rücktritt.

Nachdem er sich auch mit seiner Familie besprochen hatte und viele rechtliche Fragen geklärt waren, erklärte er am 20. März offiziell seinen Thronverzicht zugunsten seines Sohnes Maximilian. Von diesem ließ er sich eine großzügige Apanage, die Fortführung seiner Bauprojekte und Reisefreiheit zusichern.

In der offiziellen Erklärung an die Bevölkerung legte er noch einmal die zentralen Motive seiner 23-jährigen Herrschaft offen:

„Bayern!
Eine neue Richtung hat begonnen, eine andere
als die in der Verfassungsurkunde enthaltene,
in welcher ich nun im 23ten Jahre geherrscht.
Ich lege die Krone nieder zu Gunsten meines
geliebten Sohnes des Kronprinzen Maximilian.
Treu der Verfassung regierte ich; dem Wohl
des Volkes war mein Leben geweyht, als wenn
ich eines Freystaats Beamter gewesen, so
gewissenhaft ging ich mit dem Staatsgute, mit
den Staatsgeldern um. Ich kann jedem offen
in die Augen sehen. Und nun meinen tief
gefühlten Dank allen die mir anhingen.
Auch vom Throne herabgestiegen schlägt glühend
mein Herz für Bayern, für Teutschland.
München 20. März 1848.
Ludwig.“

Stefan Schnupp