Bayerische Entdeckungsreisende des 19. Jahrhunderts

Die Brüder Hermann (1826-1882), Adolf (1829-1857) und Robert (1833-1885) Schlagintweit, Eduard Pechuel-Loesche (1840-1913), Carl Friedrich Philipp Martius (1794-1868), Johann Baptist Spix (1781-1826) und die bayerische Prinzessin Therese (1850-1925) sind einige der bedeutendsten Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts. Sie bereisten andere, aus damaliger Sicht exotische und fremde Kontinente und leisteten Pionierarbeit durch die exakte und umfangreiche Dokumentation ihrer Reisen in Schrift, Bild und der Anlage von Sammlungen (Tiere, Pflanzen, Handwerkserzeugnisse usw.) auf dem wissenschaftlichen Stand der Zeit. Die von den Forschungsreisen mitgebrachten Objekte bilden bis heute das Fundament von Museumssammlungen (z.B. die Schlagintweit-Sammlung in der Staatlichen Graphischen Sammlung München und im Museum Fünf Kontinente, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlung etc.). Die Bayerische Staatsbibliothek bewahrt die schriftlichen Nachlässe.

Die genannten Forschungsreisenden verbreiteten ihre Ergebnisse parallel zu ihren wissenschaftlichen Darstellungen in populären Publikationen in Form von Büchern und Zeitschriftenbeiträgen, die sich einer breiten Leserschaft erfreuten und damit weit über die Fachwelt hinaus kollektive Bilder der bereisten Gebiete formten.

Ihre Werke liefern uns heute Anschauungsmaterial für die von Europa ausgehende Erforschung der Welt, den eurozentrischen Blick und die aktuell stattfindende Neubewertung der kolonialen Vergangenheit. Außerdem geben die Quellen Auskunft über damalige ökologische und kulturelle Gegebenheiten in den bereisten Ländern, die in der Zwischenzeit einem Wandel unterworfen waren.

Die aus München stammenden Brüder Schlagintweit gelten als die ersten Naturforscher, die systematisch die Alpen, den Himalaya und den Karakorum (Gebirge in Süd-/Hochasien) erkundeten. Ihr Nachlass, der sich zum Teil heute in der Bayerischen Staatsbibliothek befindet, enthält Briefe, Dokumente und Anschauungsmaterial für die von Europa ausgehende Erkundung der Welt im 19. Jahrhundert.

Eduard Pechuel-Loesche ist als Geograph und Afrikaforscher bekannt. Der Nachlass Pechuel-Loesches enthält zahlreiche Werkmanuskripte und Werkdrucke zur Physiogeographie Afrikas.

Der Botaniker Carl Friedrich Philipp von Martius und Zoologe Johann Baptist von Spix unternahmen 1817-1820 eine Forschungsreise nach Brasilien, die für die Wissenschaft einen reichen Ertrag erbrachte.

Prinzessin Therese von Bayern (1850-1925) war eine herausragende Persönlichkeit des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die mit vielfältigen, interdisziplinären Beiträgen zu Wissenschaft, Kultur und Bildung Maßstäbe setzte. Sie unternahm zahlreiche Reisen und Forschungsexpeditionen, u.a. in die Brasilianischen Tropen.

Eine Besonderheit ist die Kartensammlung der Gebrüder Schlagintweit, die von der damaligen Königlichen Hof- und Staatsbibliothek zu München bereits 1875 angekauft wurde. Die ursprünglich mehr als 800 Einheiten umfassende Kartensammlung wurde von den Gebrüdern Schlagintweit in Vorbereitung und während ihrer Forschungsreisen zusammengestellt. Davon lassen sich im heutigen Bestand der BSB trotz des verschollenen, sechsbändigen Katalogs zu dieser Sammlung noch rund 538 gedruckte und 32 handgezeichnete Kartenblätter nachweisen. Diese sind größtenteils in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Rahmen des "Survey of India" entstanden und stellen bedeutsame Quellen für die Geschichte der Kartographie des indischen Subkontinents dar.

Dr. Rahel Bacher

>> Diese Sammlung ist ein Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek.