Herbarium vivum - BSB Cod.icon. 3

Bayerische Staatsbibliothek

Beschreibung

Dieses Herbarium ist ein bis auf die Farben sehr gut erhaltenes Exemplar einer Sammlung getrockneter, meist heimischer Kräuter mit lateinischer und deutscher Namensbeischrift und sporadisch ausführlichem Kommentar, laut Kolophon zusammengestellt von Lateinschulmeister Hieronymus Harder (1523-1607) aus Bregenz. Harder ist einer der ersten deutschen Pflanzensammler, die Herbarien anlegten. Seine mittlerweile 12 bekannten Herbare sind die ältesten erhaltenen deutschen Pflanzensammlungen mit Pflanzen aus Harders jeweiligem Lebensumfeld. Mit der Hornungsblum Bl. 1v (Märzenbecher bzw. Frühlingsknotenblume) beginnt das im Kommentar erläuterte jahreszeitliche Ordnungsschema und das System der Dokumentation: Beschreibung der Form, Erörterung der Bezeichnung, Fundort und -zeit (Jahr und Monat), Kraft und Wirkung und pharmazeutische Verarbeitung. Charakteristisch ist die authentische Prägung der Kommentare, die die Autopsie der Pflanzen herausstellt, wobei Bl. 2r auch zu den Kriterien des Ordnungsschemas Stellung bezieht und immer wieder amüsante persönliche Berichte zu therapeutischen Maßnahmen liefert. So berichtet die Notiz Bl. 143r aus dem Jahr 1598, daß Harder ein Singen im Haupt entstanden, als wann Feldgrillen singen, wohl ein Tinnitusleiden, und Bl. 171r – 172r aus dem Jahr 1600 erzählen von einer Grippe und ihrer Behandlung mit Wilder Angelica.

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