Autorenporträt zu Alfred Schuler Über das Objekt

Beschreibung

Der lange Jahre in München lebende Schriftsteller Alfred Schuler ist ein großes Rätsel unter den Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts. Heutzutage beschäftigen sich nur noch wenige mit seinem Leben und Werk, und tatsächlich steht Schuler immer im Abseits der Massenströmungen und der großen Aufmerksamkeit, was allerdings der Wirkungsmacht und Bewunderung, die ihm im Kreis seiner Freunde zeit seines Lebens entgegengebracht wird, keinen Abbruch tut.

Alfred Schuler wird 1865 in Mainz geboren. Nach seiner Schulausbildung studiert er in München Rechtswissenschaften und Archäologie – schon hier schlägt sein Interesse für das Altertum durch –, doch führt er dieses Studium nicht zu Ende. Alfred Schuler lebt fortan in der bayerischen Hauptstadt als Privatgelehrter, als Kuriosum und Mystiker und geht niemals einem bürgerlichen Beruf nach.

Schulers Werk in Auswahl und unter Hinweis auf einzelne Texte zu beschreiben, erweist sich als schwierig, zeichnen sich diese doch durch Opakheit und einen Hang zum Obskurantismus aus. So fühlt er sich einem heidnischen Paganismus verbunden, beschreibt seine Herkunft aus dem Reich und dem Geiste der Römer und der Antike und verabscheut die eingesessene Gesellschaft und deren christlichen Tradition. Schulers Ansinnen richtet sich dagegen auf eine Erneuerung des Lebens unter Reaktivierung des heidnischen Potentials. Er steht dem Kreis um den Dichter >> nahe und wird zu den Münchner Kosmikern gezählt, welche in der Schwabinger Protestkultur dem versteinerten christlichen Bürgertum ein Gegengewicht zu setzen trachten. Im Mysterienkult der sogenannten Blutleuchte soll eine fruchtbare Rückbesinnung auf die Antike stattfinden.

Schuler ist u.a. bekannt mit dem Philosophen und Graphologen >> , dem deutsch-jüdischen Lyriker >> und dem Seherdichter >> . Er veröffentlicht zu Lebzeiten so gut wie nichts, hält aber zeitweise im privaten Rahmen Vorträge über die römische Kultur (Dichtungen, 1930; Fragmente und Vorträge aus dem Nachlaß, 1940). Schuler stirbt 1923, zehn Jahre vor Beginn der Herrschaft des Nationalsozialismus, wird allerdings häufig als einer von dessen Vordenkern beschrieben, wobei man sich insbesondere auf die Verwendung des Swastika-Symbols bei Schuler stützen kann sowie auf seinen immer wieder durchscheinenden Antijudaismus.

Dessen ungeachtet hat Alfred Schuler sich um die Erneuerung verloren geglaubter Traditionen durchaus verdient gemacht. So steht er im Kontakt mit Geistesgrößen der Kulturgeschichte, und er schickt der österreichischen Kaiserin Elisabeth ein selbstangefertigtes Wachstäfelchen in einem Schmuckschrein mit antiken Formeln, um mit ihrer Hilfe zur Gesundung des erkrankten Philosophen Friedrich Nietzsche beizutragen. Die Ermordung der Kaiserin wenig später konfrontiert Schuler allerdings auch in diesem Punkt mit der Vergeblichkeit seines Unterfangens.

Obschon seine Ideen kein durchschlagender Erfolg beschieden ist, lässt er sich in römischer Tracht als einer der letzten Heiden beerdigen. Sein Grab befindet sich auf dem Münchner Westfriedhof und erinnert an einen Mann, der zu Lebzeiten das Theater als „Guckkasten ins Jenseits“ bezeichnet hat: „Denn was auf der beleuchteten Bühne gespielt wird, ist nichts anderes als das Leben der Toten, der Vorfahren, der Vergangenen, das ist die Quintessenz, in die Ursprünglichkeit zurückversetzt ist“.