Autorenporträt zu Albrecht von Johannsdorf Über das Objekt

Beschreibung

Albrecht ist aller Wahrscheinlichkeit nach identisch mit Albertus de Janestorf, der zwischen 1180/85 und 1209 als Ministeriale des Passauer Bistums urkundlich belegt ist. Der Ortsname Johansdorf ist bis heute nicht zweifelsfrei identifiziert; man nimmt an, dass es das heutige Jahrstorf im Vilstal ist, das der Pfarrei Dornach und dem Landkreis Landau an der Isar zugehört. Auch muss offenbleiben, ob Albrecht unter dem Bischof Wolfger von Erla am Passauer Hof gesungen hat, der als Gönner >> bekannt ist und an dessen Hof vielleicht auch das Nibelungenlied entstand.

Von Albrecht sind 13 Minnelieder (42 Strophen) überliefert, von denen fünf Kreuzlieder sind. Die langen Verse belegen, dass er den alten Donauländischen Minnesang gekannt hat; Hauptthema seiner Lyrik ist die Trennung von der „vrouwe“ und der Widerstreit zwischen Gottesminne und Frauendienst. Die meisten Lieder hat er als Dialoggedichte geschrieben, die an die provenzalischen Tenzonen anknüpfen, sie zugleich aber verändern: „Es ist kein wirkliches Streitgedicht, sondern ein höfisches Gesprächslied, in dem ein Ritter und eine Dame über die höfische Liebe diskutieren.“ (Joachim Bumke)

Einen künstlerischen Höhepunkt stellen Albrechts Kreuzlieder dar. Im Gegensatz zu Friedrich von Hausen und Hartmann von Aue führt die Kreuzzugsteilnahme nicht zur Minneabsage, vielmehr werden beide harmonisch überbrückt in der Idee, dass höfischer Minne ein religiöser Wert zukommt und der Ritter an seine Geliebte stets gebunden bleibt. Seine Teilnahme am Kreuzzug versteht er deshalb als Dienst an der Herrin, mit der er den göttlichen Lohn gleichsam teilt.

Die Lieder Albrechts sind im Codex Manesse (Bl. 179v-181rb) und in der Weingartner Liederhandschrift (B) überliefert.