Autorenporträt zu Ernst Josef Krzywon Über das Objekt

Beschreibung

„Wo der Ostwind rauschend / über die Wälder der Rokita fährt, / bin ich daheim gewesen.“ So beginnt das Thema-Gedicht Auskunft (2011) des seit 1965 in Neubiberg bei München lebenden Lyrikers, Erzählers und Essayisten Ernst Josef Krzywon, das den versierten Leser ostwärts in die Bachweiden-Landschaft (sorbisch „Rokita“) seines oberschlesischen Geburtsortes Rokittnitz führt: „Ostländisch bin ich, / verdunkelt und einsam. / Im Erbe des Blutes / trag ich die Stimmen / polnisch-deutscher Ahnen [...].“ Ernst Josef Krzywon, dessen Poesie ganz im christlichen Geiste seiner schlesischen „Landsmänner“ Eichendorff, >> , >> oder >> steht, promoviert 1969 an der Universität München bei Prof. Dr. Walter Müller-Seidel literarisch brückenschlagend über Heinrich Heine und Polen (Diss.-Druck 1971). Mit 25 Jahren übersiedelt der Autor von der Volksrepublik Polen in die Bundesrepublik Deutschland, davor hat er in Oberschlesien und Ostpreußen das Studium der Philosophie und der Theologie begonnen. In München belegt er schließlich die Fächer Germanistik und Geschichte.

Von 1965-1977 ist Ernst Josef Krzywon als Redakteur, Verlagslektor und Gymnasiallehrer in der Schweiz und in Bayern, von 1977-1998 als Dozent an der Universität Augsburg und als Lehrbeauftragter an der Universität München tätig. Für die (ostdeutsche) Künstlergilde war er Fachleiter der „Fachgruppe Literatur“ im Landesverband Bayern sowie Juror bei der Vergabe des Eichendorff-Literaturpreises des Wangener Kreises.

Der produktive feinsinnige Autor veröffentlicht seit 1982 zahlreiche eigene Gedichtbände (Die Amsel blieb aus, 1990; Landnahme. Heimatgedichte, 1988; Widerklänge. Widmungsgedichte, 1986). Zuletzt erscheint zweisprachig (deutsch-polnisch) Zwiesprache mit Eichendorff. Vorletzte Gedichte / Rozmowa z Eichendorffem. Wiersze przedostatnie (2012) – sein wohl persönlichster Versband. Ernst Josef Krzywon macht sich aber auch einen Namen als Herausgeber von Lyrikanthologien (Paarweise. Frauenlyrik – Männerlyrik, 1993; Zeitansagen, 1989; Grenzübergänge, 1988). Transparente Geistesstimmen seiner Zeit sind seine Prosaarbeiten (Übergänge, Erzählung 2001; Das Erbe, Erzählung 1988).

Beheimatet in zwei Sprachendeutsch und polnischdenkend sprechend lesenddurch zwei Sprachlandschaftengewandert lebenslangunerhört unterwegszur einzigen Heimatendlich für immerbeheimatet Neubiberg, 17. Februar 2018

Vielschichtig ist die Liste seiner Essays, deren Themen von der bündischen Dichtung, über >> , den deutsch-polnischen Dualismus, Religion und Theologie in Goethes Schriften, Kafka und Büchner, der Polnischen Lyrik der Gegenwart bis zur Christlichen Lyrik von heute reichen. Ebenso fleißig zeigt sich Krzywon als Literatur-Rezensent für diverse Lexika, Almanache und internationale Literaturzeitschriften. Aber wir sehen ihn auch als Übersetzer aus dem Polnischen (Breslauer Sommer von Tadeusz Zelenay, 1997) und als Hörfunkautor mit Arbeiten für den Süddeutschen und den Westdeutschen Rundfunk.

Für das Schaffen des katholischen Sprachkünstlers Ernst Josef Krzywons zählt – wie für >> – das Johannes-Evangelium: „Im Anfang war das WORT.“ Vereint mit persönlichem, glaubwürdigem Humanismus hallt Krzywons geschriebenes Wort nach in naturgegebener Religiosität.