Autorenporträt zu Manfred Ruhrmann Über das Objekt

Beschreibung

Als zweites von zehn Kindern einer Arbeiterfamilie wird Manfred H. Ruhrmann am 6. Februar 1910 in Stockum geboren und gleich am folgenden Tag auf den Namen Johannes am altehrwürdigen Taufstein der dortigen Pfarrkirche St. Pankratius getauft. Kurze Zeit später zieht die Familie in das benachbarte Sundern, wo die aufstrebende Industrie dem Vater Arbeit und der vielköpfigen Familie Unterhalt bietet. Johannes Ruhrmann wird am 1. April 1916 mit gerade sechs Jahren in die Sunderner Volksschule eingeschult und empfängt 1920 in der Pfarrkirche St. Johannes die erste Heilige Kommunion. Mit fünf Klassenkameraden wechselt er nach sechs Volksschulklassen an das „Deutsche Auslandsgymnasium“ in Lochau am Bodensee. 1923 wird er dort zunächst gefirmt und erhält 1930 sein Reifezeugnis. Bereits am 6. Juni 1930 formuliert er sein Aufnahmegesuch an die Ordensgemeinschaft der Salvatorianer. Am 11. September 1930 beginnt er als Frater Manfred in Heinzendorf (Oberschlesien) sein Noviziat und nimmt nach der ersten Ablegung seiner Ordensgelübde daselbst das Philosophiestudium auf. An der Hochschule in Passau setzt er in der Folge das Theologiestudium fort. Nach der ewigen Profess und dem Studienabschluss empfängt er zunächst die Diakonatsweihe und am 29. Juni 1936 in Passau die Priesterweihe. Anschließend wird er zunächst als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Kunstgeschichte am Gymnasium der Salvatorianer in Steinfeld eingesetzt. In dieser Zeit entdeckt P. Manfred sukzessive seine Liebe zum geschriebenen und gespielten Wort. Es entstehen erste Gedichte und Gedichtbände. Darüber hinaus leitet Ruhrmann mit großem Engagement das Schüler-Theater in Steinfeld. Unter der Diktatur der Nationalsozialisten wird das Gymnasium 1940 / 1941 geschlossen, gegen Ruhrmann wird am 4. Juni 1941 ein Schreibverbot erlassen. Er selbst wird in der Folge zur Wehrmacht eingezogen, wo er als Sanitäter unter den Soldaten eingesetzt wird. Ruhrmann kommt schließlich in amerikanische Kriegsgefangenschaft, wo er als Lagergeistlicher für Gefangene und Soldaten die Heilige Messe zelebriert. Nach seiner Befreiung bringt er Anfang 1947 als mahnendes Beispiel im Hinblick auf den Krieg den „Deutsche Totentanz“ auf die Bühne. Das weitere Leben von P. Manfred Ruhrmann hat vier Wirkstätten, in denen er immer, wenn auch in unterschiedlicher Intensität die Schriftstellerei mit der Seelsorge verbindet. Von 1946 bis 1953 ist er Aushilfsseelsorger und Leiter des Schüler-Theaters in Steinfeld, publiziert erste Gedichte und Gedichtbände und organisiert mehrere Lieder- und Rezitationsabende. Von 1954 bis 1965 wirkte er als Gemeindeseelsorger der Pfarrgemeinde St. Antonius in Hagen-Kabel, schreibt und veröffentlicht jedoch weiterhin. Von 1966 bis 1990 schließlich ist er krankheitsbedingt Mitarbeiter in der Saarburger Wallfahrtsseelsorge, wird aber des Denkens und Dichtens auch hier nicht müde. Nachdem sein Augenlicht durch eine Operation stark beeinträchtigt wird, nennt er den Beichtstuhl und den Schreibtisch „seine Domäne“. In den 80er Jahren werden Ruhrmann internationale Ehrungen zuteil: 1982 ernennt ihn die Academia Italia der Università delle Arti in Salsomaggiore zum ‚Akademiker Italiens‘; 1983 wird er aufgrund seiner schriftstellerischen Tätigkeit für sein kulturelles und professionelles Engagement vom Centro Studi e Ricerche delle Nazioni als ‚Persönlichkeit des Jahres 1984‘ ausgezeichnet. Aufgrund der Aufhebung der Ordensniederlassung in Saarburg 1990 und nach Absprache mit seinem Provinzial verbringt Ruhrmann seinen Lebensabend im Altenheim St. Franziskus im heimatlichen Sundern, in welchem er seine Altersgenossen je nach den Möglichkeiten betreut und mit ihnen die Heilige Messe feiert. Dort verstirbt er am 22. Oktober 1995 an den Folgen eines Sturzes. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Klosterfriedhof in Steinfeld in der Eifel.Ruhrmann gehört zum legendären Schuljahrgang 1909/10, der bemerkenswerter Weise aus Sundern sechs Salvatorianer hervorbringt. Neben Pater Manfred Ruhrmann Ägidius Beilmann, Olaf Gerke, Ansgar Löhr, den mittlerweile ältesten Salvatorianer der Welt, Alfred Salzburger und Roland Schöneborn.