Der Institutsspaziergang

Neue Pinakothek

Beschreibung

Carl Spitzweg hat als Künstler eine eher ungewöhnliche Laufbahn absolviert. Schon während seiner Ausbildung zum Apotheker beschäftigte er sich nebenher mit der Malerei. Nachdem er durch eine Erbschaft finanziell unabhängig geworden war, machte er die Kunst zu seinem Hauptberuf. Er war dadurch frei von den Zwängen des Marktes und schuf ein sehr individuelles Werk von Landschafts- und Genrebildern, die zunächst wie verklärte Blicke in eine vergangene, vorindustrielle Zeit wirken. Nicht selten jedoch mischen sich ironische Töne in das Idyll. Die prächtig gemalte sommerliche Landschaft, die sich in der ganzen Breite des ausgeprägten Querformats erstreckt, ist durch mehrere Gruppen von Figuren belebt. In der Mitte bewegt sich eine Gruppe von Klosterschülerinnen unter der Aufsicht zweier Nonnen auf den Betrachter zu. Die uniformen schwarzen Kleider und der zu Reihen geordnete Zug deuten auf die Zwänge des klösterlichen Schullebens hin. Links und rechts vom Weg entfaltet sich das Leben in größerer Freiheit. Auf der einen Seite hat sich eine Bauernfamilie zwanglos im Schatten eines Gebüschs niedergelassen, um dort Rast zu halten. Zur rechten Seite hin hat ein junges Paar den Weg verlassen und strebt einer Bank zu, um dort seine Liebe in der sommerlichen Natur zu genießen. Zwischen diesen sinnlichen Freuden - das Essen links, die Liebe rechts - müssen die jungen Mädchen auf dem Weg der Tugend bleiben, argwöhnisch von ihren Aufseherinnen beäugt. Nur ein dunkelhäutiges Mädchen wagt einen Blick auf das Liebespaar am Wegesrand.

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