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Terrakotta-Torso, etruskisch Über das Objekt
  • https://bavarikon.de/object/bav:DMI-DDD-00000B3D00000041
  • Terrakotta-Torso, etruskisch
  • Erweiterte Beschreibung
    • Fundort südlich von Rom
  • 4./3. Jh. v. Chr.
  • 65 x 32 x 24 cm / Material: Terrakotta
    • Medizin
    • Etrusker
    • Schätze aus dem Deutschen Medizinhistorischen Museum
  • Deutsches Medizinhistorisches Museum
  • Deutsches Medizinhistorisches Museum
    • Deutsches Medizinhistorisches Museum - Inventarnummer: AB/0720
  • Metadaten-Lizenz: CC0
  • Provenienz: Ankauf 1989 aus dem Kunsthandel, vorher in Privatsammlungen in Genf und New York
  • 2017

Terrakotta-Torso, etruskisch

4./3. Jh. v. Chr.
  • Fundort südlich von Rom

Beschreibung

Votivgaben sind keine Erfindung des Christentums: Bereits die Etrusker weihten ihren Göttern tönerne Abbilder von Köpfen (ab dem 6. Jh.) oder einzelnen Körperteilen (ab dem späten 4. Jh.), um ihrem Gebet Nachdruck zu verleihen oder um für eine Gebetserhörung zu danken. Diese Votive waren in der Regel billige, mit Formen produzierte Massenartikel. Von großer Seltenheit sind Figuren wie dieser in Lebensgröße ausgeführte Torso eines unbekleideten Mannes aus dem 4./3. Jahrhundert v. Chr., der mittels eines Fensters Einblick in die Leibeshöhle gewährt. Von solchen Votiv-Torsi mit "Organfenstern" sind weltweit nur etwa 40 (meist stark fragmentierte) Exemplare bekannt.

Der Ingolstädter Torso ist ein besonders beeindruckender Vertreter dieser Gruppe. Gestalt und Position der dargestellten Organe sind zwar stark vereinfacht, aber weitgehend korrekt wiedergegeben. Bislang völlig einmalig ist die Darstellung von je neun kleinen Einstichen auf den beiden, leicht hochgewölbten Rändern der Bauchdecke. Sie sind wohl als Andeutung einer Naht zu interpretieren. Darstellungen der inneren Organe werden meistens als Hinweis auf unbestimmbare, innere Leiden verstanden. Mit der Angabe der Naht bekommt der Ingolstädter Torso ein hohes Maß an Realität. Dennoch ist die Darstellung sicher nicht wörtlich zu verstehen. Eine Operation dieses Umfangs wäre trotz aller medizinischen Kenntnisse in der Antike nicht zu überleben gewesen.

Matthias Recke / Marion Maria Ruisinger