Trauerfeier für Ferdinand II. – Katafalk

Deutsches Theatermuseum

Beschreibung

Der Hofszenograph der Medici, Alfonso Parigi, errichtete 1637 für Kaiser Ferdinand II. in der Basilika San Lorenzo in Florenz ein ephemeres Trauergerüst, das den Toten aber selbst nicht barg. Meist waren solche temporären Aufbauten mit Inschriften und symbolisch-allegorischen Darstellungen versehen und dienten den Trauernden dazu, die besondere Stellung des Verstorbenen am Ort des imposanten ephemeren Denkmals zu würdigen. Die Radierung von Stefano Della Bella, die in der 1638 erscheinen Exequienschrift von Francesco di Raffaelo Rondanelli eingebunden war, gibt den Blick in den Chor mit einer Reihe umlaufender Skulpturennischen frei, die Parigi nur für diesen Anlass in die Kirche einbauen ließ. Die Skulpturen in den Nischen verkörpern die diversen Tugenden des Verstorbenen. Der Schein-Katafalk, auf dem die Kaiserkrone des am 15. Februar 1637 in Wien verstorbenen Ferdinand II. liegt, ist auf einem erhöhten Podium direkt unter der Vierung platziert, zu dem Treppen empor führen und der von einer Kerzenreihe flankiert wird, wobei die Lichterreihe den Ort heiligen und so das Trauererlebnis intensivieren konnte. Der Theaterdekorateur ließ darüber hinaus einen Doppelbaldachin in die Vierung hängen, den der wappentragende Doppeladler selbst zu halten schien. Die Radierung zeigt die ephemere Architektur des Schein-Katafalks nur von einigen Figuren in respektvollem Abstand vor dem Podium im Kirchenschiff, paarweise oder allein, einer sogar im Gebet versunken, ehrfurchtsvoll umschritten.

Autor

MM/sdp

Rechtehinweis Beschreibung

RR-F