Friedrich Eugen (Artikel aus Neue Deutsche Biographie)

Beschreibung

Am Hofe Friedrichs des Großen 1741-44 erzogen, ergriff Friedrich Eugen, anfänglich zum katholischen Geistlichen bestimmt und im Besitz von Kanonikaten zu Salzburg (1739) und Konstanz (1741), aus innerer Neigung die Militärlaufbahn. Nach einem Studienaufenthalt in Utrecht und Reisen durch Holland, Frankreich und England trat er 1749 als Obrist der Reiterei in die Dienste Friedrichs des Großen. Im 7jährigen Krieg zeichnete sich Friedrich Eugen als Reiterführer durch besondere Tapferkeit aus. 1760 entsetzte er das von den Russen bedrohte Berlin, vertrieb das von seinem Bruder Herzog Karl Eugen geführte Hilfskorps bei Magdeburg aus dem Elbe-Saalegebiet, befehligte bei Torgau den linken Flügel der Reiterei und verteidigte Pommern und Mecklenburg. Dezember 1761 mußte er Kolberg nach langer Verteidigung vor den Russen räumen und schloß 1762 Waffenstillstand mit Schweden, dem der Frieden folgte. Zuletzt war er an der Belagerung von Schweidnitz beteiligt ( Oktober 1762) und entschied durch seinen Angriff das Treffen von Reichenbach. – Nach dem Hubertusburger Frieden suchte Friedrich Eugen Heilung seiner Verwundungen und verbrachte Garnisonsjahre in Treptow/Rega, verließ aber 1769 den preußischen Dienst und nahm seinen Wohnsitz im württembergischen Mömpelgard, dessen Statthalterschaft ihm sein Bruder, der regierende Herzog, 1786 übertrug. Mit ihm verband ihn nach anfänglichen Spannungen aufrichtige Freundschaft. Zunächst nur seiner Familie – sein gutes Familienleben war sprichwörtlich – und einem regen Umgang mit bedeutenden Persönlichkeiten lebend, mit denen ihn ein lebhafter Briefwechsel verband, lernte er in Mömpelgard auch die Staatsverwaltung kennen, deren Reform er sich mit Erfolg annahm. – Durch die Französische Revolution vertrieben, fand Friedrich Eugen als Generalgouverneur von Ansbach-Bayreuth Wohnsitz in Bayreuth und übernahm nach dem Tod seines Bruders Ludwig Eugen (20.5.1795) die Regierung von Württemberg. Als Generalfeldmarschall des Schwäbischen Kreises, ein Rang, den ihm kurz zuvor auch Preußen verliehen hatte, mußte er auf der Seite Österreichs den französischen Revolutionsheeren Widerstand leisten. Der Vorstoß Moreaus über den Schwarzwald und die Besetzung Stuttgarts zwangen ihn zum Waffenstillstand (17.7.1796, 7.8. Frieden zu Paris). Die linksrheinischen Besitzungen mußten abgetreten, volle Neutralität garantiert und eine hohe Kriegsentschädigung erlegt werden. Durch die Siege Erzherzog Karls wurde Württemberg zwar bald darauf von den Franzosen befreit, durch die österreichische Besatzung aber nicht minder bedrückt. Um die Kontributionen zu decken, berief Friedrich Eugen erstmals seit 27 Jahren wieder einen Landtag zur Bewilligung außerordentlicher Steuern, gelangte mit ihm aber über die Verteilung der Kriegskosten zu keiner Einigung. Mitten in den schwierigen Verhandlungen ereilte ihn der Tod. – Seine Regierung war zu kurz, um eigene Züge entfalten zu können, doch zeigte er sich auch hier als der tatkräftige, aufgeklärte und gutmeinende Landesherr und Mensch, als der er sich schon als Soldat ausgezeichnet hatte. Er war Wegbereiter seines bedeutenderen Sohnes, dem er durch die Vermählung seiner Töchter mit den Herrschern von Rußland und Österreich wichtige politische Trümpfe in die Hand gab.

Autor

Uhland, Robert

Rechtehinweis Beschreibung

CC BY-NC-ND 4.0

Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften