Volkamer, Johann Georg (Artikel aus Neue Deutsche Biographie)
Beschreibung
Nach dem Besuch des Egidiengymnasiums studierte Volkamer 1633–38 an der Univ. Jena Philosophie, Naturlehre und Mathematik und 1636 an der Univ. Altdorf Medizin. Zwischen 1638 und 1642 reiste er zweimal durch Italien und Frankreich; dabei besuchte er die medizinischen Fakultäten von Padua, Rom, Neapel, Montpellier und Paris. Seine vielerorts geknüpften Kontakte, z. B. mit Johann Christoph Sturm (1635–1703), belegt u. a. in zwei heute in Weimar verwahrten Stammbüchern der Jahre 1632–40, bildeten die Grundlage für seine spätere umfangreiche Korrespondenz, z. B. mit dem neapolitan. Anatomen und Chirurgen Marco Aurelio Severino (1580–1656). Volkamer wurde 1643 in Altdorf zum Dr. med. promoviert und als Stadtarzt in Nürnberg angestellt, eine Stellung, die er bis zu seinem Tod behielt. Unter den Gelehrten seiner Zeit erwarb sich Volkamer als Arzt und Anatom hohes Ansehen; so war er ärztlicher Ratgeber vieler Fürsten und Standespersonen, die er jährlich im böhm. Karlsbad beriet. Sein besonderes Interesse galt der Botanik und Naturforschung. 1677 führte er als erster in Deutschland die bis dahin übliche westliche Deklination in der Sternbeobachtung in die östliche Deklination über. Außerdem bestimmte er erstmals die veränderliche Größeder sog. magnetischen Deklination. In seinem Garten in Gostenhof, den er 1661 erbte und als einen der prächtigsten Nürnberger Hesperidengärten seinem ältesten Sohn überließ, stellte er ein Deklinatorium auf, eine nach den Regeln der Gnomonik konstruierte Sonnenuhr. Desweiteren fertigte er optische Gläser an und stellte vermutlich Teleskope her. 1658 unternahm er eine dritte Italienreise und wurde Mitglied der Accademia dei Ricovrati (heute Acc. Galileana) in Padua. 1676 wurde er Mitglied der „Academia Naturae Curiosorium“ (heute: Leopoldina), deren Publikationsorgan „Ephemerides“ er seit 1683 vorstand. Seit 1686 Präsident der Akademie, festigte er die unter seinem Vorgänger Johann Michael Fehr (1610–88) begonnene Privilegierung der Gelehrtenvereinigung durch den Kaiser.
Autor
Diefenbacher, Michael